Das Ostseebad Wustrow, das sich an der schmalsten Stelle des Fischlandes befindet und mit seinen gerade einmal 1.200 Einwohnern dessen größte Ortschaft ist, wird auch Swante Wustrow, die „Heilige Insel“ genannt. Denn vor über 100 Jahren befand sich hier ein Heiligtum der Slawen, das dem ehemaligen Fischer- und Seefahrerdorf seinen Namen gab. Während der Völkerwanderung ließ sich dort ab dem 4. Jahrhundert der slawische Stamm der Wirzen nieder. Dieser baute auf dem künstlich angelegten Hügel ein heidnisches Tempelheiligtum, was der slawischen Gottheit Svantevit geweiht wurde. Diese Gottheit hatte vier Köpfe, wobei jeder in eine andere Himmelrichtung schaute. Der Gott saß stets auf einem heiligen Pferd und hatte ein Trinkhorn bei sich. Der Sage nach hatte das Pferd des Svantevit den Hügel in einer Nacht mit seinen Hufen ausgeworfen. Auf diesem, wo sich einst das Heiligtum der Slawen befand, steht heute die imposante Kirche aus rotem Backstein. Die Fischländer Kirche wurde am 14. September 1873 eingeweiht. Bereits zwischen 1166 bis 1190 wurde dort eine Kirche aus Holz errichtet. Anno 1385 wurde von einem Bau einer Kirche durch das Ribnitzer Klarissenkloster berichtet. Diese wurde 1869 abgerissen, um für die heutige weithin sichtbare Fischlandkirche im neugotischen Stil mit ihrem 18 Meter hohen Turm, der eine herrliche Aussichtsgalerie mit Blick über den Bodden, das Land und das Meer besitzt, Platz zu machen. Früher diente der Turm den Seefahrern als Seezeichen. An die enge Verbundenheit von Wustrow zur Seefahrt erinnern auch die 3 Schiffsmodelle „Deo Gloria“, „Hoffnung“ und „Cristiana“ im Kircheninnern. Diese sind Miniaturnachbauten von eignen Schiffen der Wustrower Seeleute im Ruhestand, die der Kirche diese schenkten, um Gott für die Bewahrung vor dem Schiffbruch zu danken. Wustrow ist ein altes Seefahrerdorf, in dem 1846 die legendäre Großherzogliche Mecklenburgische Navigationsschule gegründet wurde. Denn nach dem Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin sollten die Wustrower Seefahrtschüler an einem natürlichen Horizont das Navigieren lernen. Die Schule wurde 1969 zur Ingenieurhochschule für Seefahrt Waremünde-Wustrow ausgebaut, die aber nach der Wende 1992 geschlossen wurde. Zur Blütezeit der Segelschifffahrt in der Mitte des 19. Jahrhunderts bestand die Wustrower Flotte aus bis zu 240 seetüchtigen Seglern. Über 125 Seefahrerfamilien und 50 Schiffer lebten dort. Diese Ära wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Dampfschifffahrt beendet. Heute erinnern die Kapitänshäuser sowie die Fischerkaten mit ihren rohrgedeckten Häusern und üppigen Vorgärten an Wustrows maritime Vergangenheit. Das berühmteste Kapitänshaus und eines der schönsten Gebäude Wustrows ist das Fischlandhaus in der Neuen Straße. Dieses Haus wurde um 1800 als Büdnerei errichtet, das die ältesten Büdnereien von Wustrow beheimatet. Das Haus mit seinem herrlichen rohrgedecktem Krüppelwalmdach wurde anlässlich der 775-Jahr-Feier saniert. Heute befindet sich dort eine Bibliothek. Darüber hinaus wird das Gebäude für diverse kulturelle Events genutzt. In der Straße steht auch das älteste Gebäude des Ostseebades, die sogenannte Schifferwiege. Der Name leitet sich davon ab, das in dem Haus einst eine Hebamme wohnte, die viele spätere Seeleute mithalf zur Welt zu bringen. Auch ich spürte bei meinem Besuch von dem malerischen Ostseebad Wustrow, dessen enge Verbindung zur Seefahrt und wünsche Dir viel Freude mit meinen Foto-Impressionen davon. 🙂



























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