Ein heimtückischer Giftmörder, der aus den höchsten belgischen Adelskreisen stammte, war der Graf Alfred Julien Gabriel Gérard Hippolyte Visart de Bocarmé. Dieser war der Sprößling des Grafen Julien Visart de Bocarmé und Ida du Chasteler, der 1818 auf der stürmischen von Unwetter heimgesuchten Seereise nach Java das Licht der Welt erblickte, wo sein Vater den Posten als Gouverneur antreten sollte. Hippolypte wuchs ohne Regeln auf und soll laut Legende von einer Löwin gesäugt worden sein. Nach einigen Jahren in Java kehrte die Familie wieder nach Europa zurück. Als Hippolytes Vater 1830 arbeitslos war, zog die Familie nach Arkansas, wo er als Trapper arbeitete, bevor sie schließlich nach Belgien in das Schloss Bitremont in der Gemeinde Bury zurückkehrten. Hippolyte war ein kleiner Casanova, der einen extravaganten Lifestyle hatte. Um diesen zu finanzieren, heiratete er 1843 Lydie Fougnies. Diese war zwar bürgerlich, doch die Tochter eines vermögenden Kaufmanns und Apothekers. Da Hippoyltes Vater das Zeitliche gesegnet hatte und er von diesem den Titel und das Schloss Bitremont geerbt hatte, lebte das frischgebackene Ehepaar fortan auf dem Schloss. Hier feierten sie wilde Partys und organisierten besondere Jagden. Natürlich reichte weder das Einkommen von Hippolyte noch die Mitgift von Lydie aus, um diesen kostspieligen Lebensstil zu finanzieren, weshalb Hippolyte trotz finanzieller Unterstützung seines Schwiegervaters immer mehr Schulden anhäufte. Die Sorgen von Hippolyte, der mittlerweile 4-facher Vater war, häuften sich. Dann verstarb Lydies Vater, der jedoch den Großteil seines Vermögens seinem Sohn Gustave vermacht hatte. Dieser war jedoch chronisch krank und litt an den Folgen einer Fußamputation. Da dieser Junggeselle war, spekulierte Hippolypte mit dessen frühen Tod. Dann würde Lydie, dessen Vermögen erben und damit wären alle Sorgen aus dem Weg geräumt. Doch es kam ganz anders. Denn der ewige Junggeselle Gustave verkündete urplötzlich seine Verlobung, was die Aussicht auf dessen Vermögen zunichte machte. Hippolyte musste schnell handeln, dem der Bankrott drohte. Deshalb lud Hippolyte Gustave auf sein Schloss ein, um nicht nur nähere Details zur anstehenden Hochzeit zu besprechen, sondern damit dieser in den nächsten Tagen als Schlossherr fungiere, da das Ehepaar angeblich kurzfristig dringend nach Deutschland reisen musste. Merkwürdig war, dass Hippolyte beim anstehenden Abendessen darauf bestand, dass alle Bediensteten sie nicht stören sollten. Selbst die Kinder durften am Abendessen nicht teilnehmen. Die Bediensteten hörten kurz darauf die beiden Männer heftig streiten, bis einer röchelte. Dann herrschte Stille. Wenig später öffnete der Graf die Tür des Speisesaals und teilte dem Personal mit, dass sein Schwager Gustave einen Schlaganfall erlitten hatte. Der Graf wusch sich eifrig seine blutigen Hände, während die Gräfin Essig aus der Küche holen ließ, mit dem Gustave eingerieben wurde. Außerdem ordnete sie an, dass der Fußboden akribisch gesäubert und die Kleidung ihres Ehemannes gewaschen und teilweise verbrannt wurde. Nachdem Bekanntwerden des Todes von Gustave, kam Untersuchungsrichter Constant Heughebaert aus Tournai zusammen mit Gendarmen ins Schloss, um dessen Tod zu untersuchen. Die Bediensteten berichten von dem Streit, der durch die Kratzspuren in Gustaves Gesicht und den Verletzungen an den Händen von Hippolyte bestätigt wurde. Auffällig war, dass sich an Gustaves Mund eine Verätzung befand. Um Gustaves Todesursache zu klären, engagierte der Untersuchungsrichter Heughebaert den 37 Jahre alten Chemiker Jean Servais Stas, der eine toxikologische Untersuchung vornehmen sollte. Dieser entnahm aus dem Magen und Darm Proben. Nach wochenlangen Versuchen war sich Stas sicher, dass Gustave mit Nikotin vergiftet worden war. Dies stützte sich auch damit, dass bei der Durchsuchung des Schlosses am Eichenholzfußboden im Speisesaal Tropfen von flüssigen Nikotin gefunden worden waren. Dieses musste Gustav gewaltsam in dessen Kehle geschüttet worden sein. Laut Recherchen hatte sich Hippolyte seit geraumer Zeit mit dem Extrahieren von Nikotin mit seiner im Schlossgarten angepflanzten Tabakpflanzen beschäftigt. Er hatte nicht nur unter falschen Namen Glasapparaturen zum Destillieren erworben, sondern stand auch unter der Verwendung eines Decknamen im regen Austausch mit einem Chemieprofessor. Um sich der Wirkung von Nikotin sicher zu sein, hatte er Tierversuche an zwei Katzen und zwei Enten durchgeführt. Diese wurden nach Bekanntwerden ausgegraben und obduziert. Eifrig hatte Hippolyte Schriften von Mathieu Orfilas gelesen, der Nikotin aus Tabakblättern extrahiert hatte. Nach diesem war das Gift nicht nachweisbar. Nachdem dies ans Licht gekommen war, waren die Beweise gegen das Ehepaar so erdrückend, dass diese des Mordes an Gustave Fougnies in Mons vor Gericht angeklagt wurden. Beide beschuldigten sich gegenseitig des Mordes. Doch nach 17 Verhandlungstagen wurde Hippolyte zum Tode verurteilt, während seine Ehefrau der Mittäterschaft an dem Mord zur Empörung der Bevölkerung freigesprochen wurde. Am 19. Juli 1851 wurde Hippolyte auf dem Grand-Place in Mons unter den Augen von Tausenden von Schaulustigen durch die Guillotine hingerichtet. Der Fall gilt bis heute aufgrund des Nachweises von Nikotin als Meilenstein in der Toxikologie, dessen Verfahren der Pharmazieprofessor Friedrich Julius Otto modifizierte und damit den Stas-Otto-Trennungsgang zur Analyse von Arzneistoffgemischen unsterblich machte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der belgischen Stadt Brügge. 🙂














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