Ein Banküberfall, der Geschichte schrieb, ereignete sich am 4. August 1971. An jenem Sommerstag überfielen der 24 Jahre alte aus Graz stammende Dimitri Todorov und sein 29 Jahre alter Komplize, der Münchner Hans Georg Rammelmayr, gegen 16 Uhr die Filiale der „Deutschen Bank“ in der Prinzregentenstraße im Münchner Stadtteil Bogenhausen. Die beiden Bankräuber nahmen dabei die 18 Kunden und Angestellten als Geiseln, von denen sie den jungen Bankkassierer Ludwig Kelnhofer zu ihrem Verhandlungspartner bei der Polizei machten. Dieser musste ihre Forderungen von 2 Millionen Mark Lösegeld, einem Fluchtauto sowie freien Abgang der Polizei per Telefon weitergegeben. Dabei stellten sie folgendes Ultimatum, wenn ihre Forderungen nicht bis 22 Uhr erfüllt werden würden, dann würde die sogenannte „Vergeltungsaktion Elend“ eingeleitet werden. In dieser würde eine Geisel nach der anderen getötet werden. Damit ihre Forderungen Gewicht hatten, gaben sie sich als die terroristisch motivierte Organisation „Rote Front“ aus. Die beiden Bankräuber waren vorbestrafte Kleinkriminelle, die mit dem Banküberfall den großen Coup landen wollten. Als Vorbild diente ihnen ein Banküberfall aus Toulouse, bei dem die Polizei die Geiselnehmer mit ihrer Beute hatte Laufen lassen. Dimitri Todorov stammte aus zerrütteten Familienverhältnissen, der nicht nur die Schule, sondern auch zwei Ausbildungen zum Werkzeugmacher und Kaufmann abgebrochen hatte. Hans Georg Rammelmayr war gelernter Chemigraf. Beide waren auf die schiefe Bahn geraten, die sich im Gefängnis angefreundet hatten. Mit dem Banküberfall wollten sie zu echten Gangstern werden, die sich mit dem Lösegeld ein neues Leben aufbauen wollten. Aber alles sollte ganz anders kommen. Der Banküberfall mit Geiselnahme war der erste in der deutschen Nachkriegszeit. Dementsprechend herrschte große Ratlosigkeit und statt der Polizei übernahm der Oberstaatsanwalt Erich Sechser die Einsatzleitung. Da das Fernsehen live über den Banküberfall berichtete, drängten sich bis zu 5000 Schaulustige zu den Absperrbändern. Es herrschte geradezu Volksfeststimmung. Gegenüber der Filiale konnte der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß und der Innenstaatsekretär Erich Kiesl aus erster Reihe das Spektakel beobachten, da diese gerade im Restaurant „Käfer“ dinierten, das direkt gegenüber der Filiale lag. Da die Polizei keine Scharfschützen hatten, wurden drei Polizisten, die einen Jagdschein hatten, für diese Position auserkoren, die in einer Kiesgrube bei Riem das Zielschießen übten. Die Polizisten mit Gewehren bezogen ihre Posten in den umliegenden Wohnungen, um die Geiselnehmer beim Verlassen der Filiale durch die Schüsse kampfunfähig zu machen. Gegen 22 Uhr stellten die Polizisten zunächst Lebensmittel und Getränke in Essenskörben vor die Türen der Bank. Dann 1 Stunde später, um 23 Uhr wurde den Bankräubern das Lösegeld und ein BMW als Fluchtauto übergeben. Nach 40 Minuten wurde der junge Bankkassierer Ludwig Kelnhofer gemeinsam mit der erst 20 Jahre alten Ingrid Reppel aus der Filiale geschickt. Diese war eine von fünf noch übrig gebliebenen Geiseln, die sich freiwillig dafür gemeldet hatte. Ingrid war an den Händen gefesselt und trug eine Sturmhaube über ihrem Kopf. Ludwig setzte diese auf den Beifahrersitz und drückte ihr das Lösegeld in die Hand. Dann kehrte er in die Filiale zurück. Anschließend verließ Hans Georg Rammelmayr mit roter Sturmhaube und russischer Maschinenpistole die Filiale. Doch anstatt dass die Polizei sofort auf diesen schoss, konnte dieser sich ungestört ins Fluchtauto setzen. Erst jetzt eröffnete die Polizei das Feuer. Rammelmayr erwiderte dieses. Er starb im Kugelhagel. Doch er hatte drei Schüsse auf Ingrid abgefeuert, bevor er das Zeitliche segnete. Der Münchner Bürgermeister rannte nach der wilden Schießerei, in der 50 bis 200 Schüsse fielen zum Fluchtauto, um die junge Bankangestellte zu retten. Diese verstarb im Krankenhaus bei der Notoperation. Insgesamt war sie von 5 Projektilen getroffen worden, zwei stammten von der Münchner Polizei. Nach dem Feuergefecht stürmte die Polizei die Filiale. Zwar ballerte auch Todorov um sich, aber glücklicherweise wurde niemand verletzt oder getötet. Todorov konnte überwältigt und festgenommen werden. Er wurde am 13. Oktober 1972 wegen Freiheitsberaubung, räuberischer Erpressung und fünffachem Mordversuch zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Im Gefängnis holte er sein Abitur nach und studierte einige Semester Sozialwissenschaften. Nach 22 Jahren Haft wurde er 1993 auf Bewährung entlassen, der tatsächlich als erstes ein Bankkonto, in der überfallenen Bankfiliale eröffnen wollte. Makabererweise war der Schalterbeamte einer seiner ehemaligen Geiseln. Natürlich erhielt Todorov dort kein Bankkonto. Anno 1998 wurde dieser wegen Drogendelikten erneut zu einer Haftstrafe verurteilt. Im Jahr 2002 veröffentlichte dieser das Buch „22 Jahre Knast. Autobiographie eines Lebenslänglichen“. Der Banküberfall mit Geiselnahme sorgte nicht nur für großes Aufsehen, sondern auch dafür, dass 1971 der Straftatbestand des räuberischen Menschenraubs und der Geiselnahme stark modifiziert wurde. Darüber hinaus war er der Auslöser für die Einführung des „finalen Rettungsschusses“ in Bayern. Dabei handelt es sich um einen gezielten Schuss durch Polizisten, um den Täter zu töten, wenn alle anderen Mitteln der Deeskalation ausgeschöpft sind. Seit dem Banküberfall liegt die Führung nicht mehr bei der Staatsanwaltschaft, sondern der Polizei. Außerdem wurde ab 1972 mit dem Aufbau eines Spezialeinsatzkommandos begonnen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von München, wo sich der Banküberfall 1971 mit Geiselnahme ereignet hatte, bei dem zwei Menschen tragischerweise ums Leben kamen. 🙂












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