Eine der schönsten Städte der Niederlande, die durch malerische Grachten durchzogen ist und am IJsselmeer, der höllandischen Küste liegt, ist Enkhuizen. Diese Stadt, die sich durch den Handel mit den Ostseeländern entwickelte und in der nicht nur die VOC, die Niederländische Ostindien-Kompanie, sondern auch die Westindien-Kompanie vertreten, verfügte zudem über die größte Heringsflotte der Niederlande mit rund 400 Booten, weshalb sie bis heute den Beinamen „Heringsstadt“ trägt. Erst durch den Wegzug der Kaufleute nach Amsterdam sowie der Zerstörung der Heringsflotte im Jahr 1625 und der Versandung des Hafens begann der Niedergang der einst so florierenden Hafenstadt, die mit der Erbauung des Abschlussdeiches ab 1927 endgültig an Bedeutung verlor. Doch von dem Goldenen Zeitalter als wohlhabende und einflussreiche Hafenstadt zeugen bis heute zahlreiche historische Bauwerke, die einem ins 17. Jahrhundert zurückversetzen, als ob die Zeit einfach stehen geblieben ist. Eines dieser Bauwerke, das als architektonisches Meisterwerk des Amsterdamer Architekten Steven Vennekool gilt, ist das Stadhuis. Das imposante Rathaus mit einer Höhe von 14 Metern und seiner prächtigen Sandsteinfassade wurde von 1686 bis 1688 im Stil des Klassizismus nach dem Vorbild des Königspalastes am Damplatz, der Hauptattraktion von Amsterdam, erbaut. Mit seinem kostbaren Interieur, das weitgehend erhalten geblieben ist, stellte es in erster Linie ein Statussymbol von Enkhuizen als blühende und reiche Stadt dar. Im ersten Stock befindet sich neben dem Ratssaal aus dem Jahr 1705, der mit Utrechter Samt ausgekleidet wurde, der Bürgermeistersaal mit den wertvollen Gemälden von Romeijn de Hooge. Hier befindet sich auch der Alderman´s Room, ein populärer Ort für Hochzeiten. Links vom Eingang steht die 1551 in der königlichen Kanonengießerei in Mechelen gegossene Bronzekanone „Het Roode Paert“, auf deren Kanonenrohr das Wappen Karl V. und dessen Leitspruch „Plus oultre“, „immer weiter“ zu sehen ist. Ihr Name leitet sich davon ab, dass diese auf einem rot lackierten Rollpferd saß, um sie transportieren zu können. Anno 1622 widersetzte sich der Enkhuizer Kapitän Volckaert Kanonijx den Kosaren von Dünkirchen. Während eines Feuergefechts explodierte der Freibeuter und die feindliche Kanone landete auf dem Deck des Enkhuizer Kapitäns Volkaert Kanonijx, der diese als Trophäe mitnahm. Der Dichter Joost van den Vondel beschreibt dieses Ereignis in einem Gedicht, das über der Kanone hängt. Über dem Balkongerüst steht auf einem Giebelfeld „Candide et Constante“, was soviel wie rechtschaffen und standhaft wollen sie sein bedeutet. Im aufgeschlagenen Gesetzbuch auf dem Balkon wird auf die Verleihung der Stadtrechte an Enkhuizen am 4. April 1356 durch Wilhelm V. Graf von Holland hingewiesen. Das beeindruckende Rathaus, das von 1980 bis 1982 restauriert wurde, in dem die Fassade abgerissen und neu aufgebaut wurde, dient bis heute als Rathaus. Auch ich kam bei meinem Besuch von der pittoresken Hafenstadt Enkhuizen an diesem faszinierenden architektonischen Juwel vorbei, mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂










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