Der Elternmord

Isabella Müller München @isabella_muenchen

Das ein Kind seine Eltern ermordet, ist zwar ein seltenes Phänomen, das weltweit nur 1 bis 5 Prozent aller Tötungsdelikte ausmacht, aber es kommt vor. Einer, der Parentizid beging, der Fachausdruck für Elternmord, war der erst 16 Jahre alte Joseph Apfelböck aus dem Münchner Stadtteil Haidhausen. Dieser ermordete nicht nur 1919 seine Eltern mit einer kleinkalibrigen Pistole, sondern er lebte nach deren Ermordung drei Wochen gemeinsam mit diesen in der Wohnung. Doch der Reihe nach. Am 18. August 1919 erstattete der Schreiner Josef Holmer zusammen mit dem Konditorlehrling Josef Zelmer auf der Wache der Schutzmannschaft des 15. Münchner Stadtbezirkes Truding-Riem Anzeige, da aus der Wohnung der Eheleute Josef und Maria Apfelböck in der Lothringergasse 11 ein entsetzlicher Gestank drang, der nach Verwesendem roch. Daraufhin fuhren die Polizeibeamten zum Mietshaus. Als sie das Treppenhaus betraten, stieg ihnen schon der bestialische Geruch in die Nase. Da niemand nach mehrmaligen Läuten die Wohnungstür aufmachte, öffneten die Polizeibeamte diese gewaltsam. Als sie die Wohnung betraten, entdeckten sie dort die Leichen von Josef und Maria Apfelböck. Die anschließenden Ermittlungen ergaben, dass die Hausbewohner das Ehepaar schon seit drei Wochen nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten. Nachdem der Gestank unerträglich geworden war, sprachen sie den 16 Jahre alten Sohn Josef an, der diesen auf verfaultes Fleisch schob. Um seine Aussage zu bekräftigen, hingen auf dem Balkon die Eingeweide und die Haut eines Stallhasen. Ferner kam ans Licht, dass die Hausbewohner mehrmals gesehen hatten, dass Josef auf dem Balkon übernachtet hatte. Nachdem Josef abermals vom 18. auf den 19. August auf dem Balkon geschlafen hatte und er gegen 6 Uhr morgens seinen Onkel Karl Apfelböck aufsuchte, klickten die Handschellen. Denn Josef galt als dringend tatverdächtig, seine Eltern ermordet zu haben. Auf dem Polizeirevier wurde Josef verhört, der zunächst alles abstritt. Doch irgendwann knickte der Teenager ein und legte ein vollständiges Geständnis ab. Am 29. Juli 1919 hatte er seine Mutter gegen 20 Uhr mit einem Schuss aus der Flobertpistole erschossen. Der banale Grund war, dass diese ihm verboten hatte, sich für eine Stelle als Filmvorführer im Kino zu bewerben. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt nicht Zuhause gwesen. Nachdem Mord durchsuchte er die Leiche seiner Mutter nach Geld und Wertgegenständen. Als sein Vater von Waldarbeiten in Hohenbrunn in die Wohnung zurückgekehrt war, schoss er diesen erst an, bevor er ihm ein Messer mehrfach in den Körper rammte. Auch seine Leiche tastete er nach Geld und anderen Wertgegenständen ab. Kurios war, dass Josef nachdem Mord an seinen Eltern sogar Besuch von seinen Freunden Josef Zelmer und Johann Gerbl empfangen hatte. Am 25. November 1919 wurde Josef Apfelböck von dem Volksgericht München am Mariahilfplatz zu 15 Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Dies war die Höchststrafe für Jugendliche. Am 20. Dezember 1919 trat Josef seine Strafe im Strafvollstreckungsgefängnis Landsberg am Lech an. Dort machte er eine Ausbildung zum Schneider. Nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, kehrte er in die bayerische Landeshauptstadt München zurück, wo er es tatsächlich schaffte, ein ganz normales Leben zu führen, ohne wieder straffällig zu werden. Der berühmte Autor Bertold Brecht nahm den Kriminalfall für seine Ballade „Apfelböck oder die Lilie auf dem Felde“ als Vorlage. Ebenfalls thematisierte er den Fall in der Erzählung „Die Erleuchtung“. Auch der Schriftsteller Robert Hültner erwähnte den Fall in seinem Kriminalroman „Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski.“ Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von München, wo Josef Apfelböck nach seiner Haftentlassung bis zu seinem Lebensende lebte. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!