Als einer der genialsten Kunstfälscher der Nachkriegszeit gilt Wolfgang Beltracchi. Dieser fertigte perfekt imitierte Gemälde im Stil längst verstorbenen Maler an, dass selbst renommierte Kunsthändler und Galerien ihm auf dem Leim gingen, die ihm Millionen für seine Kunstwerke zahlten. Wolfgang Beltracchi erblickte am 4. Februar 1951 als jüngstes von 5 Kindern des Kirchenmalers und Restaurators Wilhelm Fischer und dessen Ehefrau Franziska, einer Lehrerin, in Höxter das Licht der Welt. Zunächst wuchs er in Altenbergen auf, bevor seine Familie nach Geilenkirchen zog. Wolfgang galt als Freigeist, der mit 17 Jahren vom Gymnasium flog. Auch die Werkkunstschule in Aachen brach er ab. Fortan führte er ein Vagabundenleben getreu dem Motto „Sex, Love & Rock n´Roll“. Wolfgang reiste durch Europa und Nordafrika, bis er sich auf einem Hof in Viersen niederließ. Anno 1992 lernte er seine heutige Ehefrau Helene Beltracchi kennen und lieben. Bereits ein Jahr später feierten beide ihre Hochzeit und Wolfgang nahm Nachnamen seiner Ehefrau an. Zwei Jahre später wanderten sie samt ihren Kindern nach Südfrankreich aus, wo sie sich in der Nähe von Montpellier niederließen, wo sie bis zu ihrer Verhaftung lebten. Helene unterstützte ihren Ehemann gemeinsam mit Otto Schulte-Kellinghans und einer weiteren Komplizin beim Verkauf der angefertigten Werke. Dies ging sehr lange gut, da die Kunstwerke meisterhaft gefälscht waren. Wolfgang malte Bilder im Stil von Heinrich Campendonk oder Max Ernst, um nur einige zu nennen. Bei seinen ersten Gemälde benutzte er Fotos verschollener Originale, später gestaltete er Eigenkreationen. Er achtete penibel darauf, dass der Malgrund zu der jeweiligen Epoche passte. Die Leisten der Rahmen wurden mit kopierten Aufklebern angesehener Galerien der Vergangenheit versehen. Die Gemälde wurden an Auktionshäuser verkauft, denen gefälschte Expertisen vorgelegt wurden. Dadurch wurden die Gemälde in der ganzen Welt für Millionensummen veräußert. Das Geld wurde auf Konten ins Ausland, zwischen Panama und Andorra überwiesen, wo es weitere Unterkonten in diversen Währungen gab. Dies bewies, dass Wolfgang auch ein äußerst raffinierter Finanzjongleur war. Insgesamt wurde auf diese Weise von der Kunstfälscher-Bande 20-50 Millionen Euro erbeutet, bis der ganze Schwindel 2010 aufflog. Denn 2010 überprüfte das Londoner-Kunstanalyse Unternehmen Art Analysis & Research das Werk „Rotes Bild mit Pferde“, das angeblich von Heinrich Campendonk stammte. Zur Analyse benutzte das Unternehmen modernste Methoden und dadurch kam ans Licht, dass Farbe mit Titandioxid verwendet worden war. Dummerweise gab es diese Farbe zur Lebenszeit von Campendonk nicht. Der Jahrhundertfälscher hatte nicht wie sonst üblich selbst die Farbe angemischt, sondern eine fertige Tube zinkweiß verwendet, die Spuren von Titanweiß enthielt. Wolfgang und seine Ehefrau Helene wurden am 27. August 2010 in ihrem Haus in Freiburg, das sie 2005 gekauft hatten, verhaftet. Am 27. Oktober 2011 startete der größte Kunstfälscherprozess seit Ende des Zweiten Weltkrieges wegen Urkundenfälschung und bandenmäßigen Betrugs vor dem Kölner Landgericht. Dabei erhielt Wolfgang eine Haftstrafe von 6 Jahren, seine Ehefrau Helene wurde zu 4 Jahren und Otto Schulte Kellinghans zu 5 Jahren Haft verurteilt. Den Verurteilten wurde Offener Vollzug gewährt. Darüber hinaus musste Wolfgang 2 Millionen Euro Schadenersatz an die von ihm geschädigte maltesische Firma des israelischen Unternehmens Vadim Shulman Trascteco Limited blechen. Diese hatte ein angebliches Campendonk-Gemälde im Auktionshaus Lemperk ersteigert. Zuvor hatte das Auktionshaus schon 800.000 Euro Kommissionsgebühren an das Unternehmen zurückgezahlt. Am 9. Januar 2015 wurde Wolfgang vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen, der heute in Meggen bei Luzern in seinem Atelier unter eigenem Namen Kunstwerke malt, die meist 1- 2 Millionen Euro kosten. Wolfgang und seine Ehefrau Helene sind mittlerweile wieder Multimillionäre, die so berühmt sind, dass diverse Streaming-Dienste eine Dokumentation über den Jahrhundertfälscher und dessen große Liebe Helene, die als Mastermind dahinter galt, produzierten. Auch in Zukunft wird es bestimmt reichlich Podcasts, Filme und Bücher über das spannende Leben des genialen Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi geben. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Freiburg, wo Wolfgang und Helene Beltracchi in ihrem Haus im Stadtteil Herdern 2010 verhaftet wurden. 🙂














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