In der beschaulichen schwedischen Stadt Falun mit ihren knapp 40.000 Einwohnern ereignete sich im Juni 1994 eine der schlimmsten Massenschießereien in der Geschichte Schwedens, die in den schwedischen Geschichtsbüchern als eines der brutalsten Gewaltverbrechen vermerkt wurde. Begangen wurde diese von dem erst 24 Jahre alten Offiziersanwärter Mattias Flink, der am 8. März 1970 in Falun das Licht der Welt erblickte und wie die Stadt zwei Gesichter besitzt. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné schrieb bereits 1740 über Falun: „Es ist die Hölle auf Erden.“ Auf der einen Seite wird die Stadt durch ihre dunkle Bergbautradition geprägt. Die Kupfergruben gehören seit dem 7. Jahrhundert zum UNESCO-Weltkulturerbe, die im 16. Jahrhundert für zwei Drittel der weltweiten Kupferproduktion verantwortlich waren. Doch deren Abgase und Abfälle führten zu einer verseuchten Umgebung, die den Boden unfruchtbar machten. Hier dominierte ein raues Lebensgefühl unter den Arbeitern, das nicht zuletzt auch zu einem hohen Alkoholkonsum führte. Im Jahr 1850 wurde der Verkauf von Alkohol verstaatlicht, um die Exzesse zu kontrollieren. Auf der anderen Seite präsentiert sich Falun mit seinen malerischen Villen und seiner schönen Landschaft als ein idyllisches Fleckchen Erde, das im klaren Kontrast zur industriellen Vergangenheit steht. Diese zwei konträren Seiten zeichnen auch Mattias Flink aus, der in einer typisch schwedischen Familie aufwuchs. Sein Vater war Waffenschmied, und das Handwerk zog sich durch die Generationen. Nach der Scheidung seiner Eltern, als Mattias neun Jahre alt war, lebte er fortan zusammen mit seinem Vater im Haus, während seine Mutter nur wenige hundert Meter entfernt von ihnen in einer Wohnung lebte. Die Trennung seiner Eltern hinterließ tiefe emotionale Narben bei Mattias. Seine Jugend verbrachte er aktiv im Pfadfinderbund. Nach erfolgreichem Abschluss der High School mit dem Fokus auf „Elektromechanik“, wurde er 1993 als Soldat in die schwedische Armee eingezogen. Er verpflichtete sich Offizier der schwedischen Armee zu werden und wurde beim Dalarna Regiment eingesetzt. Doch trotz dieser scheinbar stabilen Grundlagen kämpfte er schon früh mit seinen inneren Dämonen. Im Frühling 1994 verschlechterte sich Mattias psychische Gesundheit dramatisch. Er litt unter Paranoia, aggressiven Ausbrüchen und Schlafstörungen, die zu einem Nervenzusammenbruch führten. Die nahe Beziehung zu seiner Freundin Eva begann zu bröckeln, was ihn weiter destabilisierte. Es war der 11. Juni 1994 als Mattias mit Eva eine Diskothek besuchte. Mattias konsumierte reichlich Alkohol, was zum Streit mit seiner Freundin führte. Als er Eva schließlich attackierte, wurde er vom Türsteher vor die Tür befördert. Voller Wut kehrte er in die Kaserne zurück, wo er sich seine Uniform anzog, um danach zur Waffenkammer zu gehen. Dort holte er sich sein schwedisches Sturmgewehr AK 5 und 150 Schuss Munition. Damit machte er sich auf den Weg in die Stadt, wo er sein eigenes Leben und das Leben anderer unwiderruflich verändern sollte. Auf seinem Weg ins Stadtzentrum traf er auf 5 junge Soldatinnen, die auf dem Weg zurück zur Kaserne waren. Mattias eröffnete das Feuer auf die unschuldigen Frauen. Dabei starben vier Frauen sofort, die fünfte Frau verstarb im Krankenhaus. Wenige Minuten später schoss er auf zwei Männer, die in einem Auto saßen. In einem grausamen Amoklauf erschoss Mattias sieben Menschen innerhalb von wenigen Minuten. Insgesamt drückte er 47 Mal ab, jede Kugel fand ihr Ziel. Mattias flüchtete danach und versuchte, sich auf einem Baukran zu verstecken. Es war fast surreal, wie Mattias dort zwei Stunden lang wartete, während die Polizei alarmiert wurde. Als ihm die Aussicht zu langweilig wurde, kletterte er herunter und versuchte, sich heimlich davonstehlen. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Die Polizei entdeckte ihn schließlich als er einem still gelegten Eisenbahngleis folgte. Als die Polizeistreife ihn aufforderte sich zu ergeben, schoss Mattias auf den Wagen. Es kam zu einem wilden Schusswechsel, wobei Mattias an der Hüfte getroffen wurde und zusammenbrach. Dadurch konnten ihn die Polizisten überwältigen und verhaften. Die folgende Gerichtsverhandlung war geprägt von Diskussionen über seine geistige Gesundheit. Während seine Verteidigung argumentierte, dass Mattias zu der Zeit psychisch krank gewesen sei, betonte die Staatsanwaltschaft die Schwere seiner Taten. Schließlich wurde Mattias vom Obersten Gerichtshof Schwedens zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Dieses Urteil setzte einen Präzedenzfall in Schweden. So kann ein Alkoholrausch, auch wenn er selbstverschuldet ist, zu schweren Straftaten führen, die schwerwiegende Konsequenzen haben. Dadurch konnten Menschen für Verbrechen, die durch eine alkoholbedingte Psychose verursacht worden war und während dieser ausgeübt wurden, zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Mattias lebenslange Haftstrafe wurde letztendlich auf 30 Jahre reduziert wurde. Am 11. Juni 2014, exakt 20 Jahre nach Mattias abscheulichen Amoklauf, wurde er auf Bewährung zum Entsetzen der Familien der Opfer entlassen. Mattias lebt nun unter neuer Identität in der Nähe von Falun. Mattias Taten haben nicht nur mehrere Familien zerstört, sondern auch das schwedische Rechtssystem und die Gesellschaft als Ganzes beeinflusst. Das Land, bekannt für seine relative Sicherheit, sah sich plötzlich mit der Realität brutalster Gewalt konfrontiert. Die Angst, die in der Bevölkerung entstand, war greifbar und führte zu tiefgreifenden Diskussionen über Waffenbesitz und psychische Gesundheit. Die schwedische Stadt Falun mit ihren zwei Gesichtern verdeutlicht, dass selbst in einer Stadt mit einer so reichen Geschichte aus Schönheit und Trauer auch immer Platz für Hoffnung und Veränderung bleibt. So wie der Fluss Faluån, der durch die Stadt fließt, bleibt auch die Erinnerung daran bestehen, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse oft fließend sind. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos von Schwedens Hauptstadt Stockholm. 🙂




















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