Ein grauenhafter Mord an einer jungen Frau ereignete sich im Sommer 2020 in Hannover, dem eine fast 2 Jahre lange Stalking-Geschichte vorausgegangen war. Dabei fing zunächst alles ganz harmlos an, als im Sommer 2017 die 23 Jahre alte Sophie N. dem 35 Jahre alten Patrick S. bei einem Nebenjob in einer H&M-Filiale in Dessau begegnete. Sophie, die nach ihrem Abitur eine Ausbildung zur Tourismus und Eventmanagerin begonnen hatte, war eine junge Frau voller Träume und Ambitionen. Doch dieses zufällige Treffen sollte für sie der Anfang eines schrecklichen Alptraums werden. Patrick studierte Wirtschaftsmathematik sowie Wirtschafts- und Politikwissenschaft, der bei seinen Eltern wohnte. Er galt als in sich gekehrter Mann, der sich sofort in Sophie verliebt hatte. Diese Liebe entwickelte sich schnell zu einer krankhaften Besessenheit. Trotz Sophies klarer Absichten, ihn nur als Freund zu sehen, versuchte Patrick immer wieder, sich in ihr Leben zu drängen. Als Sophie Mitte April während ihrer Lehre ein Praktikum in Barcelona machte, wurde sie von Patrick besucht. Sophie freute sich zunächst darüber, da sie Patrick als Freund lieb gewonnen hatte, doch mehr als einen Freund sah Sophie nicht in Patrick. Dieser reiste enttäuscht ab, besuchte sie aber im Juli in Barcelona abermals, wo ihm Sophie deutlich machte, dass sie kein Interesse an ihm hatte. Gekränkt reiste Patrick ab. Sophie beendete daraufhin den Kontakt zu Patrick und löschte seine Handynummer. Sie konnte nicht ahnen, dass dieser bereits eine sogenannte Stalking-App auf Sophies Smartphone installiert hatte. Mit dieser konnte er an Sophies gesamten Leben teilnehmen, ohne dass diese davon wusste. Patrick war besessen von Sophie. Diese Besessenheit verwandelte sich in eine dunkle und bedrohliche Kraft aus der Anonymität heraus. Er fing an, Sophie zu stalken und zu terrorisieren. Bombardierungen von täglichen Anrufen, nächtliche Klingelattacken an ihrer Tür und die Erstellung von rund 50 Fakeprofilen in sozialen Netzwerken waren nur einige seiner perfiden Aktionen. Patrick schreckte noch nicht einmal davor zurück einen GPS-Tracker an den vorderen Kotflügel des Autos von Sophies Mutter anzubringen, mit dem Sophie oftmals unterwegs war. Patrick besaß drei Handys, um 6 Personen aus Sophies Umfeld gleichzeitig zu überwachen. Er verfolgte Sophie heimlich auf Schritt und Tritt. Erschrocken und gequält zeigte Sophie den „unbekannten“ Stalker bei der Polizei in Hannover und Dessau an. Doch die Ermittler konnten den Täter nicht schnappen. Patrick bewegte sich geschickt durch die Schatten und überwachte Sophie mittels GPS-Sendern und Bewegungsprofilen. Er observierte das Objekt seiner Begierde so gründlich, stets darauf bedacht, nicht erkannt zu werden. Im November 2019 erreichte Patricks Obsession ihren Höhepunkt. Er plante akribisch, wie er Sophie töten würde. Er kaufte sich Waffen und Einbruchswerkzeuge im Internet und wartete auf den perfekten Augenblick. Wenige Tage vor ihrem Umzug von Hannover nach Wien, wo Sophie als Stewardess bei der Austrian Airline arbeiten sollte, entschloss er sich, seine grauenerregenden Pläne in die Tat umzusetzen. Am 11. Januar 2020 brach der dunkel gekleidete und vermummte Stalker mit Schutzbrille und Sturmhaube in die Wohnung der Stewardess in der Meterstraße in der Südstadt von Hannover ein. Ausgerüstet mit Messer, Pfefferspray, Elektroschocker und Kabelbinder versteckte er sich unter ihrem Bett. Über 24 Stunden verbrachte er unbemerkt in ihrer Wohnung, eher er zuschlug. Als Sophie gegen 21.30 Uhr ins Bad ging, setzte Patrick seinen Mordplan in die Tat um. Er sprühte ihr Pfefferspray in die Augen, zertrümmerte ihren Nasenknorpel, rammte ihr einen Elektroschocker ins Gesicht, bevor er ihre Halsschlagader und eine Drosselvene mit einem 9 Zentimeter langen Klappmesser zerschnitt. Die junge Frau hatte keine Chance gegen den brutalen Angriff, sie verblutete an Ort und Stelle. Nach dem Verbrechen fuhr Patrick zurück nach Dessau. Auf seiner Flucht war er in Hannover mit seinem Auto gegen den Außenspiegel eines anderen Fahrzeugs gefahren, was ein Zeuge beobachtet hatte. Aus Angst dieser hatte sein Kennzeichen notiert, stellte er sich am nächsten Tag der Polizei. Er erzählte den Polizisten im Polizeirevier Dessau, dass er eine Frau in Hannover erstochen habe. Die Kripo fand die Tatwaffe in seinem Auto, dazu Blutspuren an seiner Kleidung und persönliche Gegenstände des Opfers. Im Prozess vor dem Landgericht Hannover schwieg Patrick S., der sich nur dem psychiatrischen Gutachter an vertraute, dem gegenüber er die Tat beichtete. Sophies Mutter Christina, die als Nebenklägerin am Prozess teilnahm, schildert ihre unendliche Trauer: „Sie war mein einziges Kind, mein ganzes Glück, mein Lebensinhalt. Wissen Sie, wie es mir ergeht, wenn ich am Grab meiner Tochter stehe? Jeder Tag ohne meine Sophie ist ein verlorener Tag.“ Patrick S. zeigte keine Gefühlsregung auf der Anklagebank, duckte sich immer wieder weg und versteckte sein Gesicht hinter der Holzbrüstung. Zur Beerdigung von Sophie N. in Dessau ließ er Blumen schicken. Seine letzte Belästigung. Schließlich wurde Patrick S. zu einer lebenslangen Haftstrafe mit besonderer Schwere der Schuld vorm Landgericht Hannover verurteilt, damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Der Fall von Sophie wirft viele Fragen auf über die Tragik und Grausamkeit, die entstehen können, wenn Liebe in Besessenheit und dann weiter in unkontrollierte Gewalt umschlägt. Es zeigt auch die Notwendigkeit von umfassenden Schutzmaßnahmen gegenüber Stalking-Opfern und die Unverhältnismäßigkeit von menschlicher Grausamkeit, die durch Kränkung und Ablehnung ausgelöst werden kann. Sophie N. war eine junge, talentierte Frau, deren Leben brutal und unnötig beendet wurde. Ihre Geschichte ist eine Mahnung und ein Appell an die Gesellschaft, wachsam und unterstützend gegenüber denen zu sein, die bedroht und verfolgt werden. Möge sie in Frieden ruhen und möge ihre Familie und Freunde die nötige Unterstützung finden, um diesen unvorstellbaren Verlust zu bewältigen. Patrick S., ein Mann, der hinter dem Schleier der Normalität eine unkontrollierbare Dunkelheit verbarg, wurde letztendlich für seine Taten zur Verantwortung gezogen, somit schließt sich zwar ein düsteres Kapitel, doch die Narben bleiben zurück. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Dessau. 🙂








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