Marie-Louise Victorine Bessarabo, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Héra Mirtel, war eine faszinierende, jedoch auch schockierende Figur der französischen Literatur und Gesellschaft. Geboren am 24. Oktober 1868 in Lyon, war sie nicht nur eine talentierte Schriftstellerin, sondern auch eine leidenschaftliche Feministin und eine umstrittene Persönlichkeit, die die Grenzen von Moral und Ehrgeiz auf eine Weise überschritt, die zur Legende wurde. Die Umstände ihres Lebens und der Mord an ihrem zweiten Ehemann Georges Bessarabo, dessen Leiche in einem blutigen Koffer gefunden wurde, werfen noch heute Fragen auf. Marie-Louise Grouès, die Tochter eines reichen französischen Geschäftsmannes, wuchs in einer Zeit auf, in der Frauen oft in den Hintergrund gedrängt wurden. Dennoch setzte sie sich unermüdlich für die Rechte der Frauen ein und veröffentlichte zahlreiche Publikationen, die sich mit feministischen Themen befassten. Ihr Engagement in der Literatur war bemerkenswert. Sie schrieb Romane, Gedichte und zahlreiche Artikel für verschiedene Zeitungen und Magazine. Ihre Arbeit war geprägt von ihren eigenen Erfahrungen als Frau in einer patriarchalen Gesellschaft. Anno 1892 war Marie-Louise nach Mexiko gereist, wo sie zahlreiche Liebesbeziehungen mit diversen Männern pflegte, bis sie 1897 Pierre Paul Antoine Jacques, einen reichen Seidenhändler mit florierendem Geschäft ehelichte, der doppelt so alt war wie sie. Nach der Hochzeit zog das frisch vermählte Paar nach Paris, wo ihre beiden Töchter Paule und Louise zur Welt kamen. Die Ehe verlief turbulent, da Marie-Louise ihrem Ehemann untreu war und ihn oftmals schikanierte. Im Januar 1914 bat sie ein Dienstmädchen ihrem Ehemann eine Suppe in sein Arbeitszimmer zu bringen. Das Dienstmädchen warnte ihren Arbeitgeber, da sie beobachtet hatte, wie Marie-Louise ein weißes Pulver hineingemischt hatte. Pierre aß die Suppe nicht und ließ den Suppeninhalt durch einen Chemiker analysieren. Tatsächlich enthielt diese ein tödliches Gift. Doch Pierre brachte dies nicht zur Anzeige, er liebte seine Ehefrau viel zu sehr. Am 3. Mai 1914 wurde er tot im Schlafzimmer aufgefunden. Er hatte sich mit einem Revolver in die rechte Schläfe geschossen. Die Polizei ging von Selbstmord aus. Marie-Louise reiste danach wieder nach Mexiko, wo sie 1915 Ishmael Jacob Providence Weissmann ehelichte. Dieser war ein Rumäne mit einer dubiosen kriminellen Vergangenheit, der sich selbst Georges Bessarabo nannte. Nach ihrer Heirat lebten beide in Paris. Mirtel konsumierte während ihrer zweiten Ehe nicht nur Drogen, sondern hatte auch zahlreiche Affären mit anderen Männern. Sie genoss es Georges zu dominieren. Dann geschah am 31. Juli 1920 das Unfassbare: Marie-Louise alias Héra Mirtel erschoss ihren zweiten Mann, Georges Bessarabo, in ihrer Wohnung in Paris. Ihre Tochter Paule war zur gleichen Zeit im Haus und hörte den Schuss. Was dann geschah, verwandelte sich in einen der spektakulärsten Kriminalfälle Frankreichs. Mirtel stopfte den Körper ihres Mannes in einen Koffer und ließ ihn von Paris nach Nancy transportieren, wo er schließlich in einem Bahnhof entdeckt wurde. Die Beweisführung gegen Mirtel war erdrückend. In der Kofferraumabfertigung des Bahnhofs hatte ein Beamter Blut gesehen, das durch den Koffer sickert. Die Polizei stellte fest, dass die Leiche sorgfältig zusammengefaltet war, als wäre es eine ganz alltägliche Aufgabe gewesen, und das wies auf eine gewisse Planung hin. Am 15. Februar 1921 fand der Prozess gegen Mirtel statt, die zusammen mit ihrer Tochter Paule wegen des Mordes an Georges Bessarabo vor Gericht gestellt worden war. Ihre Tochter Paule wies jegliche Schuld von sich und lastete den Mord ihrer Mutter an. Héra Mirtel verteidigte sich vehement: „Ich bin eine Schöpferin, ich kann nicht zerstören!“ Diese Worte zeigen ihren inneren Konflikt und die paradoxen Überzeugungen, die sie über ihre Identität hatte, während sie gleichzeitig den grausamsten Akt beging. Der Prozess von Madame Bessarabo erregte großes Aufsehen und wurde von zahlreichen Zeitungen begleitet. Berichten zufolge strömten Journalisten in Scharen zu den Gerichtsverhandlungen, um über die Theatralik der Ereignisse zu berichten. Mirtel wurde als Femme Fatale dargestellt, deren Leben mehr wie ein Roman als die Realität schien. Ein besonders skandalöser Aspekt des Prozesses war die Behauptung, dass Mirtel, als sie die Tat beging, möglicherweise unter dem Einfluss einer okkulten Macht stand. Sie leitete spirituelle Sitzungen mit verschiedenen prominenten Persönlichkeiten und hatte eine Vorliebe für die mystischen Praktiken, die in ihrem Salon in Paris stattfanden. Die Vorstellung, dass ein Geist sie zu ihrem Verbrechen verleitet haben könnte, war sowohl absurd als auch faszinierend. Es gibt immer wieder Spekulationen über die Motive, die Mirtel zu ihrem schrecklichen Akt führten. Finanzielle Schwierigkeiten könnten eine Rolle gespielt haben, da ihr Ehemann gerade eine große Summe aus Ölgeschäften in Mexiko verdient hatte. Es wurde berichtet, dass er am Morgen seiner Ermordung eine beträchtliche Geldsumme bei der Bank hinterlegt hatte. Mirtel könnte die Möglichkeit gesehen haben, sich durch den Tod ihres Mannes von den finanziellen Zwängen zu befreien. Doch die Frage bleibt: War es wirklich nur Geld? Mirtels Leben war von einer ständigen Suche nach Macht und Kontrolle geprägt. Sie war nicht nur eine literarische Ikone, sondern auch eine Frau, die mit den Erwartungen und Zwängen ihrer Zeit zu kämpfen hatte. Vielleicht war die Tat eine verzweifelte Geste, um sich von einer Beziehung zu befreien, die sie als erdrückend empfand. Mirtel wurde schließlich trotz ihres Starverteidigers Vincent de Moro-Giafferi zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, während ihre Tochter Paule freigesprochen wurde. Nach Jahren im Gefängnis gab es 1929 einen neuen Antrag auf Revision des Prozesses, nachdem Mirtels Tochter Paule zugab, gelogen zu haben. Héra Mirtel war kurz davor, bedingt entlassen zu werden, als sie am 21. März 1931 im Gefängnis starb. Sie wurde neben ihrem ersten Mann in Saint-Paul-sur-Ubaye beigesetzt, und die Geschichte, die sie hinterließ, blieb nur in Fragmenten lebendig. Der Fall von Madame Bessarabo ist nicht nur eine Geschichte über Mord und Betrug, sondern auch eine Reflexion über das Leben einer außergewöhnlichen Frau, die trotz ihrer dunklen Taten nie ganz aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwand. Ihre Schriften und ihr Engagement für feministische Anliegen bleiben ein bedeutender Teil der französischen Literaturgeschichte, während die Tragödie ihres Lebens weiterhin Fragen aufwirft, die weit über den schockierenden Mord hinausgehen. In vielerlei Hinsicht symbolisiert Héra Mirtel die Komplexität weiblicher Identität, die Herausforderung an soziale Normen und die Möglichkeiten der Selbstbestimmung in einer Welt, die häufig Frauen in passive Rollen zwingt. Das Erbe, das sie hinterließ, ist sowohl tragisch als auch inspirierend und lädt dazu ein, über die dunklen Ecken der menschlichen Natur und die Macht der Worte nachzudenken. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der französischen Hafenstadt Le Havre. 🙂




































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