William MacDonald – „ Der Verstümmler“

Am Abend des 31. März 1962 lag eine unheimliche Stille über den Straßen von Darlinghurst, einem Stadtteil von Sydney. Der Grund dafür war eine Welle puren Terrors, die über East Sydney hinweggefegt war. Ein brutaler Mörder war auf freiem Fuß und versetzte die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken. Dieser hatte es auf Männer abgesehen, die er grausam mit einem langen Messer verstümmelte. Zwar war Mord in Darlinghurst nichts Neues; das Viertel war berüchtigt für seine dunklen Geschichten. Doch die Stadt hatte noch nie etwas so Grausames erlebt: einen Serienmörder, der Männer nicht nur abstach, sondern deren Genitalien entfernte. Die schreckliche Mordserie begann bereits im Mai 1961 in Brisbane mit dem Mord an dem 52 Jahre alten Amos Hugh Hurst, dessen Tod jedoch als Unfall eingestuft wurde, weshalb der Verstümmler auf freiem Fuß blieb und dieser nun seine Mordserie in Sydney fortsetzte. Das erste Opfer in Sydney wurde am 4. Juni 1961 der 41 Jahre alte Alfred Greenfield, der tot in den Toiletten der Domain Baths aufgefunden wurde. Dem Mann war über dreißig Mal in Gesicht und Hals gestochen worden. Sein Körper war nackt, und seine Genitalien fehlten. Später fanden Taucher diese verstümmelten Körperteile in der Woolloomooloo Bay, einer Bucht im Hafenbereich in Sydney. Ein ähnlicher Mord ereignete sich Monate später, am 21. November 1961. Diesmal war das Opfer der 37 Jahre alte Ernest Cobbin, der in einer Toilette gegenüber dem Bat and Ball Hotel in der South Dowling Street gefunden wurde. Auch ihm war mehrfach brutal in sein Gesicht und seinen Hals gestochen sowie seine Genitalien entfernt worden. Doch der Fall, der die gesamte Stadt Sydney in Panik versetzte, war der Mord an Frank McLean. Es war der Abend des 31. März 1962, als ein junges Paar in der Nähe des Saint Margaret’s Hospital spazieren ging und einen regungslosen Mann auf der Straße entdeckte. Atemlos und blutüberströmt war McLean kaum noch bei Bewusstsein. Der Anblick war schockierend: Seine Hose war heruntergezogen, sein Körper war mit Stichwunden übersät, und seine Genitalien fehlten vollständig. Die Polizei vermutete, dass der Täter während der Tat gestört worden war – möglicherweise von dem Paar – und sich versteckt hatte. Nachdem diese gegangen waren, kehrte er zurück, um die Tat zu vollenden. Die Presse taufte den Täter aufgrund seiner grausamen Vorgehensweise auf den Spitznamen „Der Verstümmler“. Die ganze Stadt war in höchster Alarmbereitschaft, und die Polizei verstärkte ihre Präsenz in den Straßen von Darlinghurst und Surry Hills. Orte, die für heimliche Treffen unter Männern bekannt waren, standen unter besonders strenger Überwachung. Dennoch gelang es dem Mörder, den Kontrollen zu entgehen und seine Spuren zu verwischen. Im November 1962 wurde ein weiteres Opfer entdeckt, diesmal weit entfernt von den früheren Jagdrevieren des Täters. Ein übler Geruch führte die Behörden zu einem verlassenen Laden in Concord, wo sie unter den Dielen eine verwesende Leiche fanden, die sie für den Ladenbesitzer Alan Edward Brennan hielten. Zunächst deutete der Zustand der Leiche nicht auf ein Verbrechen hin, und sein Tod wurde in der Zeitung gemeldet – bis eine seltsame Begegnung die Ermittlungen wieder anfachte. Im April 1963 begegnete John McCarthy, ein ehemaliger Postbeamter, zufällig Alan Edward Brennan in Melbourne – dem Mann, der offiziell schon seit Monaten tot war. McCarthy meldete die Begegnung der Polizei, doch zunächst glaubte man ihm nicht. Erst als ein Zeitungsartikel in der Daily Mirror mit dem Titel „Fall der wandelnden Leiche“ erschien, gewann der Fall an Dynamik. Die Behörden nahmen sich nun der Sache an und exhumierten die Leiche von dem angeblichen Alan Edward Brennan und nahmen dessen Fingerabdrücke. Bald schon stellte sich heraus, dass es sich bei dem Verstorbenen nicht um Alan Edward Brennan handelte, sondern um Patrick Joseph Hackett. Dieser entpuppte sich nach nähren Untersuchungen, bei denen sowohl Stichwunden, als auch Verstümmelungen an Hoden und Penis festgestellt wurden, ebenfalls als ein Opfer des „Verstümmlers“. Die Polizei in Sydney ließ ein Phantombild anfertigen, das landesweit in allen Zeitungen erschien. Kurz darauf konnte die Polizei von Melbourne einen Mann namens David Allan festnehmen, der von seinen Kollegen bei der Eisenbahn in Melbourne als die gesuchte Person erkannt worden war. Was folgte, war die vollständige Aufdeckung eines der grausamsten Serienmordfälle Australiens. Bei seiner Festnahme gab Alan Brennan zu, dass sein richtiger Name William MacDonald war. Dieser wurde am 7. Juni 1924 als Allen Ginsberg in Liverpool als zweites von drei Kindern einer jüdischen Familie geboren. MacDonald wuchs in einer wohlhabenden, aber lieblosen Familie auf. Er war ein introvertiertes Kind und wurde von seinen Eltern vernachlässigt. Im Alter von 19 Jahren trat er in die britische Armee ein, doch dort erlitt er ein traumatisches Ereignis: Ein Kamerad namens Alexander Rice vergewaltigte ihn brutal – eine Erfahrung, die ihn für sein Leben prägen sollte. Nach seiner Entlassung im Jahr 1947 wurde MacDonald in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen, wo er mit Elektroschocktherapie behandelt wurde. Später wurde er wegen homosexueller Handlungen in einer öffentlichen Toilette – damals noch eine Straftat – verhaftet und von seiner Familie verstoßen. Um seiner Vergangenheit zu entfliehen, änderte MacDonald seinen Namen und wanderte 1955 nach Australien aus. Kurz nachdem er in Adelaide angekommen war, wurde er verhaftet, da er einen Polizisten in einer öffentlichen Toilette unsittlich berührt hatte, weshalb er eine 2-jährige Bewährungsstrafe erhielt. Doch seine inneren Dämonen verfolgten ihn weiterhin. Er entwickelte eine makabre Faszination für Mord, angeheizt durch seine Bewunderung für Jack the Ripper. Seine Mordserie begann schließlich 1961 in Brisbane, als er Amos Hugh Hurst tötete. Zunächst machte er Hurst mit Alkohol betrunken, bevor er ihn erwürgte und den Tod so inszenierte, dass er wie eine natürliche Todesursache aussah. Mit jedem weiteren Mord wurde MacDonald brutaler: Er suchte sich gezielt Männer in East Sydney aus und bevorzugte ruhige Parks und dunkle Toilettenanlagen, wo er zuschlug und seine grotesken Trophäen sammelte. Im September 1963 stand MacDonald vor Gericht. Sein Geständnis und die detaillierte Schilderung seiner Verbrechen waren so grauenhaft, dass mehrere Geschworene während des Prozesses in Ohnmacht fielen. Trotz des Versuchs, sich auf Unzurechnungsfähigkeit zu berufen, wurde er des Mordes für schuldig befunden. Die Richter verurteilten ihn zu fünfmal lebenslanger Haft und empfahlen, ihn niemals aus dem Gefängnis zu entlassen. William MacDonald verbrachte insgesamt 50 Jahre im Gefängnis – länger als jeder andere Häftling in der Geschichte von New South Wales. Ihm wurde mehrmals Bewährung angeboten, doch er lehnte stets ab. „Ich habe kein Verlangen danach, draußen zu leben. Ich würde nicht einmal fünf Minuten überleben“, sagte er. Selbst im hohen Alter gab MacDonald zu, dass seine Mordlust nie verschwunden war und er stets den Drang verspürte, weitere Morde zu begehen. Am 12. Mai 2015 starb William MacDonald im Alter von 90 Jahren im Long Bay Hospital. Bis zu seinem Tod blieb er ein Symbol des Bösen – ein Mann, dessen Leben und Verbrechen die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche offenbarten. Die Geschichte von William MacDonald, alias „Der Verstümmler“, bleibt eine der erschütterndsten in der australischen Kriminalgeschichte. Sie wirft nicht nur ein Licht auf die Psyche eines gestörten Mörders, sondern auch auf die sozialen Umstände, die ihn zu dem machten, was er war. Von der Ablehnung seiner Sexualität über die Traumata der Vergangenheit bis hin zu einer pathologischen Besessenheit ist dies eine wahre Horrorgeschichte. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von Sydney, wo einst William MacDonald Jagd auf Männer machte. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!

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