Ein historischer Kriminalfall aus Großbritannien sind die berüchtigten Giftmorde der Dorothea Waddingham. Diese wurde am 21. Juni 1899 in der englischen Stadt Hucknall geboren. Dorothea wuchs auf einer Farm in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie zunächst in einer Fabrik, bevor sie eine Stelle im Armenhauskrankenhaus von Burton-on-Trent in Staffordshire annahm. Dort erwarb sie beträchtliches medizinisches Wissen, während sie auf den Stationen tätig war, und gab sich später als Krankenschwester aus. Im Jahr 1925 heiratete sie den wesentlich älteren Thomas Willoughby Leech. Das Paar bekam während ihrer achtjährigen Ehe drei Kinder: Edwin, Alan und Mary. Noch während ihrer Ehe beging Dorothea mehrere Straftaten, weshalb sie drei Monate ins Gefängnis wanderte. Zwischenzeitlich war Thomas schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt, der 1933 das Zeitliche segnete. Nach Thomas Tod heiratete sie ihren ehemaligen 6 Jahre älteren Untermieter Ronald Joseph Sullivan, der aufgrund seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg mit einer Militärmedaille ausgezeichnet worden war. Das Paar bekam zwei Kinder und Dorothea richtete in Thomas Haus in der Devon Drive 32 in Nottingham ein Pflegeheim ein. Dieses wurde von den Behörden anerkannt, die Dorothea als kompetente Krankenschwester betrachteten. Am 12. Januar 1935 bat Miss Blagg vom Kreispflegeverband das Paar, neue Patienten für dreißig Schilling pro Woche aufzunehmen. Die Neuzugänge waren die 89 Jahre alte Witwe Louisa Baguley und ihre 50 Jahre alte Tochter Ada, die an Multiple Sklerose, der „schleichenden Lähmung“ litt. Im Februar 1935 starb Mrs. Kemp, eine weitere Bewohnerin des Pflegeheims. Diese hinterließ aufgrund ihrer Krankheit jede Menge Morphium und andere Medikamente, die nun in die Hände des Pflegeheims fielen. Ronald war Dorothea bei der Leitung des Pflegeheims eine große Hilfe. Doch das Geld war stets knapp. Am 4. Mai rief Ada ihren Anwalt, Mr. Lane, herbei und teilte ihm mit, dass sie ihr Testament ändern wollte. Sie wollte all ihre Ersparnisse, etwa 1.600 Pfund, Dorothea und Ronald unter der Bedingung vermachen, dass sie Louisa und sie für den Rest ihres Lebens pflegen würden. Es ist unklar, ob Ada von Dorothea zu diesem Schritt überredet oder gedrängt wurde oder ob sie selbst diesen Entschluss gefasst hatte. Es wurde vermutet, dass Dorothea gedroht hatte, die beiden Frauen ins Armenhaus zu schicken, da sie es sich nicht leisten konnte, sie weiter zu versorgen. Das Armenhaus wäre in Adas Vorstellung ein grauenvolles Szenario gewesen. Nur acht Tage später, am Sonntag, den 12. Mai, starb Louisa an vermeintlichen Herz-Kreislauf-Problemen. Bei einer Frau von fast neunzig Jahren weckte dies keinen Verdacht, und ein Totenschein zur Beerdigung wurde ausgestellt. Ada lebte weiterhin glücklich im Pflegeheim, die am 10. September 1935 von ihrer guten Freundin Mrs. Briggs besucht wurde, die sie in guter Stimmung vorfand. Am nächsten Morgen kontaktierte Dorothea Dr. Mansfield, Adas Arzt, und berichtete ihm, dass Ada ins Koma gefallen sei. Als er eintraf, war Ada bereits gestorben. Er glaubte, dass sie eine Hirnblutung erlitten habe. Dorothea zeigte ihm einen Brief, den sie am 29. August geschrieben hatte, in dem sie ihren Wunsch äußerte, eingeäschert zu werden. Dr. Mansfield stellte einen Totenschein sowie eine Bescheinigung zur Einäscherung aus. Die beiden Zertifikate zusammen mit Adas Brief wurden an das Krematorium gesandt, wo sie vom Medizinischen Gesundheitsbeamten Nottingham’s, Dr. Cyril Banks, gelesen wurden. Er bemerkte, dass die Worte „mein letzter Wunsch ist, dass meine Verwandten nichts von meinem Tod erfahren“ offenbar nachträglich eingefügt worden waren, da sie in einem veränderten Stil geschrieben waren. Ronald Sullivan hatte den Brief für Ada geschrieben, aber sie hatte ihn unterschrieben. Dr. Banks war mit dem Brief unzufrieden und meldete seine Bedenken dem Gerichtsmediziner Wilfred Rothera, der eine Autopsie anordnete. Diese wurde im Leenside-Leichenschauhaus von Dr. Leonard Taylor und Dr. O’Donovan durchgeführt. Einige von Adas Organen wurden zur toxikologischen Untersuchung geschickt und zeigten, dass Ada tatsächlich mit Morphium vergiftet worden war, wobei über 3 Korn gefunden wurden. Weitere Proben wurden von Dr. Gerald Roche Lynch, dem leitenden Analysten des Innenministeriums, untersucht, der die Morphium-Werte bestätigte. Nun wurden auch die Überreste von Adas Mutter exhumiert. Die Exhumierung nahm am 30. September 1935 Dr. Roche Lynch vor, der auch bei ihr Morphium fand. Eine formelle Untersuchung der beiden Opfer fand am 30. Januar 1936 statt, in deren Verlauf ein Mordurteil sowohl gegen Dorothea als auch Ronald ausgesprochen wurde, die sofort verhaftet und der Morde angeklagt wurden. Dorothea hatte kürzlich ihr fünftes Kind geboren und pflegte es während der Untersuchungshaft. Das Paar erschien am 24. Februar vor dem Richter Goddard vor dem Schwurgericht von Nottinghamshire. Mr. Norman Birkett führte die Anklage und Mr. J. F. Eales die Verteidigung. Ronald wurde am zweiten Tag des Prozesses aufgrund fehlender eindeutiger Beweise gegen ihn vom Richter entlastet, sodass Dorothea sich allein vor Gericht wegen den Morden verantworten musste. Das Gericht stützte sich bei der Anklage auf die forensischen Beweise der Morphiumvergiftung und die Aussagen von Mrs. Briggs und Dr. Mansfield. Die Verteidigung von Dorothea behauptete, Dr. Mansfield habe ihr Morphiumtabletten für Ada gegeben, für den Fall, dass sie Schmerzen habe. Dr. Mansfield stritt entschieden ab, Dorothea irgendwelche Tabletten für Ada gegeben zu haben, insbesondere Morphium. Dorothea beschrieb dem Gericht die letzten zwei Tage von Adas Leben. Laut Dorothea sei Ada depressiv gewesen und habe große Schmerzen gehabt, weshalb sie ihr innerhalb von zwei Tagen bis zu zehn Tabletten gab und sie am frühen Mittwochmorgen im Koma fand. Diese Informationen waren in einer Erklärung enthalten, die am 24. September nach bekannt werden des Autopsie-Ergebnisses der Polizei gegenüber gemacht wurde. Zuvor hatte Dorothea der Polizei berichtet, dass Ada am Dienstag ein großes Mittagessen eingenommen habe und gesund gewirkt hätte. Dorotheas Aussage war weniger überzeugend, ebenso wie ihr Auftreten im Zeugenstand. Sie gestand vor Gericht, die Flasche und das Medizinglas, welche Ada zuletzt benutzt hatte, weggeworfen zu haben. Am dritten Tag des Prozesses benötigte die Jury nur knapp 3 Stunden, um einen Schuldspruch zu fällen. Der Richter Rayner Goddard verurteilte Dorothea zum Tode. Der Innenminister, Sir John Simon, verkündete am 14. April, dass es keine Begnadigung geben würde. Nottingham hatte seit 1928 keine Hinrichtungsstätte mehr, daher wurde Dorothea in das Winson Green Gefängnis in Birmingham verlegt. Ihre Berufung wurde am 30. März abgewiesen und die Hinrichtung wurde für 8 Uhr morgens am Donnerstag, den 16. April 1936 angesetzt. Dorothea war die einzige Frau, die jemals in Winson Green gehängt wurde. Thomas Pierrepoint, assistiert von seinem Neffen Albert, führte die Hinrichtung durch. Es sollte Thomas letzte weibliche Hinrichtung und Alberts erste sein. Große Menschenmengen hatten sich am Mittwoch Nachmittag vor dem Gefängnis versammelt, um gegen die Hinrichtung einer Mutter von fünf Kindern zu protestieren, auch wenn sie zwei verletzliche Menschen aus finanziellen Gründen vergiftet hatte. Der Protest wurde von der bekannten Gegnerin der Todesstrafe, Mrs. Violet Van der Elst, geleitet. Bis Donnerstagmorgen war die Menge vor dem Gefängnis auf geschätzte 2.000 angewachsen und ihre Hymnen waren auch im Gebäude hörbar. Rund 500 Polizisten waren anwesend, um für Ordnung zu sorgen. Mrs. Van der Elst wurde von ihrem Chauffeur im Rolls Royce um das Gefängnis gefahren, gefolgt von zwei Lastwagen, die Lautsprecher mit Hymnen spielten und Plakate trugen mit der Aufschrift „Verhindert das Hängen einer Mutter“ und „Stoppt das schreckliche Verbrechen des Hängens der Mutter von fünf Kindern.“ Doch die Proteste konnten Dorotheas Hinrichtung nicht verhindern. Gegen Mittag wurde Dorotheas Leiche auf dem Gelände des Gefängnisses begraben, wie es üblich war. Die Geschehnisse rund um Dorotheas Leben und Tod werfen viel Licht auf die dunkleren Seiten der menschlichen Natur und die rechtlichen Systeme jener Zeit. Von ihrem Leben, das geprägt war von Verlusten und kriminellen Aktivitäten, bis zu ihrem dramatischen Ende bieten die Ereignisse zahlreiche Einblicke sowohl in die innere Zerrissenheit als auch in die Konsequenzen eines Lebens am Rande der Gesellschaft. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Nottingham. 🙂
















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