Als der erste Massenmörder in der schwedischen Kriminalgeschichte gilt Tore Hedin, der in der Nacht vom 21. auf den 22. August 1952 in der ländlichen Region Skåne ein entsetzliches Blutbad anrichtete, das jede Vorstellungskraft übersteigt. Mit insgesamt zehn Opfern und einer Vielzahl von Verbrechen, die aus Hass und kaltblütiger Berechnung begangen wurden, sind die sogenannten „Hurva-Morde“ bis heute ein Synonym für unvorstellbare Grausamkeit und Schande. Doch wer war dieser Mann, der einst als Polizist für Gerechtigkeit eintreten sollte, um sich später in einen der berüchtigtsten Mörder des Landes zu verwandeln? Tore Hedin wurde am 7. Januar 1927 als Sohn von Per Alfred und Hulda Marie Hedin in Stora Harrie in der Gemeinde Kävlinge geboren. Als Tore gerade einmal 1 Jahr alt war, erwarb sein Vater einen Bauernhof in Annelöv mit Kühen, Pferden und Schweinen. Schon früh zeichnete sich ab, dass Hedins Leben von Dunkelheit und Isolation geprägt sein würde. Sein Schulleiter beschrieb ihn als fleißig, aber schwach und oft apathisch wirkend. Er war ein Einzelgänger, der selten mit anderen Kindern spielte, da er seinem Vater bei der Arbeit helfen musste. Hinzu kam die körperliche Misshandlung durch seine Eltern, die ihn regelmäßig eine Ohrfeige verpassten, wenn er weinte. Dieses feindselige Umfeld und die finanziellen Nöte seiner Familie hinterließen unweigerlich ihre Spuren. Während des Zweiten Weltkriegs verschlechterte sich die finanzielle Lage der Familie weiter. Als Hedin 1943 im Alter von 16 Jahren in die örtliche Brauerei Gustavshills einbrach, um Futter für die hungernden Pferde zu stehlen, legte er absichtlich ein Feuer, um seine Spuren zu verwischen. Diese Methode – Feuer einzusetzen, um seine Taten zu verbergen – sollte später zu einem prägenden Merkmal seiner brutalen Verbrechen werden. Die Methode ging auf. Niemand verdächtigte Tore. Doch trotz seines Einbruchs, musste sein Vater den Bauernhof veräußern. Die Familie zog in ein kleineres Haus in Kvärlöv, wo sein Vater als Bauarbeiter arbeitete, während sich Tores Mutter um den Gemüsegarten kümmerte. Trotz seiner düsteren Vergangenheit strebte Hedin nach Anerkennung und Ordnung. Er absolvierte die militärische Ausbildung, blieb aber sein Leben lang einfacher Unteroffizier, da er für höhere Ränge nicht geeignet war. In jener Zeit stibitze er ein Fahrzeug, das im Kasernenhof stand. Dies brachte ihm nicht nur 10 Tage Arrest, sondern auch einen Eintrag ins Strafregister ein. Nach seinem Ausscheiden aus dem Militär bewarb er sich mehrmals erfolglos bei der Polizeiakademie, wurde jedoch wegen seines Eintrags im Strafregister wiederholt abgelehnt. Tore nahm zwischenzeitlich eine Stelle als Busfahrer an, wo er ebenfalls eine Uniform tragen konnte, was er liebte. Danach arbeitete er als Pflegehelfer in der Nervenheilanstalt St. Lars in Lund, bevor er schließlich eine Stelle als Aushilfspolizist in dem kleinen Dorf Tjörnarp erhielt. Sein großer Traum Polizist zu werden, schien sich aufgrund des Personalmangels und des geringen Gehalts als Hilfssheriff endlich zu erfüllen. Als Dorfpolizist in dem 600-Seelen-Ort Tjörnarp war er in erster Linie für die Steuererhebung zuständig, was ihm den Respekt und auch Unmut der Dorfbewohner einbrachte. Trotzdem war Tore äußerst beliebt, da er den Menschen dort Ratenzahlungen zur Begleichung ihrer Schulden anbot. Doch hinter dieser Fassade hatte der moralische Verfall des jungen Polizisten bereits begonnen – ein Vorbote seiner späteren Blutgier. Am 28. November 1951 beging Tore Hedin eines der schockierendsten Verbrechen jener Zeit: den Mord an Allan Nilsson, dem reichsten Mann in Tjörnarp. Mit einer versteckten Axt und einer Flasche Paraffin bewaffnet, suchte Hedin Nilsson auf, angeblich zu einer Partie Poker. Doch Hedin hatte andere Pläne. Er schlug Nilsson brutal zu Tode und nahm ihm nicht nur sein Geld in Höhe von fast 5.000 Kronen ab, die Nilsson am nächsten Tag in die Sparkasse einzahlen wollte, sondern auch dessen Schweizer Armbanduhr. Um den Mord zu vertuschen, steckte er das Haus des Opfers in Brand. Als die Polizei 30 Minuten später eintraf, um das Feuer zu löschen, stand schon das ganze Haus in Flammen. Tore war der erste Polizist vor Ort, der todesmutig versuchte ins Haus zu gelangen. Nachdem der Brand gelöscht worden war, fand man Nilsson tot in seinem Bett. Die Obduktion ergab, dass ihm mit einer Axt der Schädel zertrümmert worden war. Tore spielte als Polizeibeamter eine Schlüsselrolle bei den Ermittlungen in dem Fall, gab Interviews in den Medien und führte sogar eine Séance mit einem Medium namens Olle Jönsson durch, um den Täter aufzuspüren. Die Dreistigkeit, mit der Hedin die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, ist ein klares Zeichen für seine psychische Entgleisung – er schwelgte in der Faszination, die seine eigenen Taten auslösten, und fühlte sich lange Zeit unantastbar. Zwar hatte ein Zeuge namens Erhold Håkansson kurz nach der Brandstiftung einen großen, blonden Mann in Uniform am Haus vorbeigesehen, aber niemand verdächtigte Tore, der noch nicht einmal ein stichhaltiges Albi hatte, da er im Bett gelegen hatte, was niemand bezeugen konnte. Nur der Journalist Karl Anders Adrup und der Fotograf Stieg Eldh verdächtigten Tore, da er der einzige Einheimische mit Uniform war, doch ihnen wollte niemand glauben. Der Gedanke, dass ein Polizist einen Mord begangen habe, erschien allen absurd. Nachdem Gras über die Sache gewachsen war, kaufte sich Tore einen grünen Renault CV4 und eine Hütte am Bosarpa-See. Wenig später verliebte sich der 25 Jahre alte Tore in Ulla Östberg, die im Altenheim Hurva lebte und arbeitete. Im März 1952 verlobte sich Hedin mit Ulla Östberg. Die Beziehung zerbrach jedoch bald aufgrund seines aggressiven Wesens und seines unmoralischen Verhaltens während ihrer ersten gemeinsamen Urlaubsreise durch Schweden. Nachdem Östberg die Beziehung endgültig beendet hatte, entwickelte Hedin eine obsessive und hasserfüllte Fixierung auf sie. Am 19. August drohte er ihr mit Gewalt und hielt sie über Nacht gefangen. Er legte Ulla Handschellen an, knebelte sie mit einem Taschentuch, dass er ihr in den Mundsteckte und vergewaltigte sie. Erst am Morgen ließ er Ulla wieder frei, die den Vorfall ihrer Chefin Agnes Ludin erzählte. Diese drängte Ulla zu einer Anzeige bei der Polizei, doch aus Angst vor Tore, der ihr mit dem Tod gedroht hatte, ließ sie davon ab. Doch Agnes informierte den Dorfpolizisten von Hurva, der die Landespolizeizentrale in Malmö kontaktierte. Dies hatte zur Folge, dass Tore am nächsten Tag von seinem Chef in seiner kleinen Hütte aufgesucht wurde, der ihn suspendierte und seine Dienstwaffe sowie seinen Ausweis abnahm. Damit war Tores Lebenstraum wie eine Seifenblase geplatzt, der nur noch ein Ziel hatte, Rache zu üben. Die Nacht des 21. August markierte den Höhepunkt von Hedins unkontrolliertem Hass und seiner inneren zerstörerischen Wut. Zunächst tötete er seine eigenen Eltern, um ihnen die „Schande“ seiner Verbrechen zu ersparen, in denen er ihnen die Köpfe mit einer Axt spaltete. Danach brach er mit der Axt bewaffnet in das Pflegeheim ein, in dem Östberg arbeitete, und tötete sowohl sie als auch die Heimleiterin Agnes Lundin. Anschließend setzte er das Gebäude in Brand und versperrte die Ausgänge, wodurch vier weitere unschuldige ältere Bewohner in den Flammen ums Leben kamen. Ein fünftes Opfer, das schwer verletzt war, erlag später seinen Verbrennungen. Nach den Morden floh Tore Hedin zu einem See in der Nähe von Bosarpasjön. In seinem Auto hinterließ er einen ausführlichen Abschieds- und Geständnisbrief. Darin legte er alle seine Verbrechen offen und rechtfertigte seine Morde mit Rache, Versagensgefühlen und tiefsitzendem Hass. Er erklärte, dass er es bereue, nie ein erfolgreicher Kriminalbeamter geworden zu sein, und bat um Verständnis und Vergebung, bevor er sich in den See stürzte. Seine Leiche wurde später gefunden, mit Gewichten beschwert, um sicherzustellen, dass sein Leben endgültig beendet war. Die Enthüllung, dass Tore Hedin nicht nur der Mörder von Allan Nilsson, sondern auch der Täter der Hurva-Morde war, löste landesweit Entsetzen aus. Die Presse veröffentlichte seinen Abschiedsbrief und spekulierte über seinen Geisteszustand. Litt Hedin an einer psychischen Erkrankung, oder handelte es sich um einen bewussten Racheakt gegen eine Welt, die ihn im Stich gelassen hatte? Das Medium Olle Jönsson heizte die Stimmung weiter an, indem er fälschlicherweise behauptete, den Täter identifiziert zu haben. Hedin selbst hatte sich lange Zeit sicher gefühlt – doch am Ende holte ihn seine eigene Hybris ein. Der Fall Tore Hedin offenbart die dunkle Seite der menschlichen Natur. Die Ironie, dass ein Polizist – der für Recht und Ordnung steht – der Täter solch grausamer Taten ist, versetzte Schweden in einen Schockzustand. Während seine Geständnisse ein gewisses Maß an Einsicht zeigten, bleiben seine Taten letztlich unerklärlich und abscheulich. Bis heute erinnert Hedins Geschichte daran, dass die tiefsten Abgründe oft dort lauern, wo man sie am wenigsten erwartet. Dir wünsche ich trotz dieser verstörenden True Crime Story viel Freude mit meinen Fotos von Lund. 🙂







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