Zug fahren mal anders: Mit der steilsten Standseilbahn der Welt durch den Thüringer Wald

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Zug fahren mal anders hieß es für mich auf der steilsten Standseilbahn der Welt zum Transport normalspuriger Eisenbahnwagen in Oberweißbach. Die Oberweißbacher Bergbahn ist das bekannteste Markenzeichen des Thüringer Waldes und nahm 1923 ihren Betrieb auf. Sie wurde vom Ingenieur Wolfgang Bäseler entworfen und steht unter Denkmalschutz. Ich startete von Obstfelderschmiede aus meine 1,4 km lange Fahrt nach Lichtenhain. Ich war auf die unglaubliche Naturkulisse des Thüringer Schiefergebirges während meiner Fahrt sehr gespannt und zugleich aufgeregt, da die Bergbahn auf ihrer rund 18-minütigen Fahrt mit 25 % Steigung einen Höhenunterschied von 323 Metern überwindet. Im Cabriowagen, der von Mai bis Oktober zum Einsatz kommt, ging meine Tour los. Eine frische Brise wehte mir um die Ohren und ich genoss die atemberaubende Landschaft. Meine Fahrt führte mich an Schluchten vorbei und ich hatte wunderschöne Aussichten auf den Thüringer Wald. Nach kurzer Fahrt kam ich oben an der Bergstation an. Dort bewunderte ich das Einfahrtsportal in Fachwerkbauweise. Im Maschinenhaus entdeckte ich die Antriebsanlage in moderner Drehstromtechnik mit Antriebsscheiben in europaweit einmaliger Anordnung quer zur Förderrichtung. Ein wahres technisches Meisterwerk. Ich war beeindruckt und setzte meine Tour durch den Thüringer Wald im historischen Triebwagen der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn fort. Von der Bergstation Lichtenhain über Oberweißbach nach Cursdorf führt eine 2,5 km lange elektrifizierte Flachstrecke in einem historischen Triebwagen der Baureihe 479, der seit 1960 in Betrieb ist. Ich stieg in den historischen Triebwagen ein, der zum Olitätenwagen umgebaut wurde. Olitäten sind Naturheilmittel aus Kräutern und Gewürzen, die eine lange Tradition in Schwarzatal haben. Von hier aus wurden sie von sogenannten Buckelapothekern seit Mitte des 18. Jahrhunderts in die ganze Welt verbreitet. Ich war neugierig auf mein Kräutererlebnis auf Schienen. Besonders gelungen war der Boden des Wagens, der aus Wiese bestand. Die Wände waren mit Abbildungen von Kräutern verziert. Daneben gab es Aktivelemente wie einen Duftkasten oder ein Kräutermemory, in dem ich auf spielerische Weise Wissenswertes über die Naturheilmittel erfuhr. Ich war begeistert über die freie Sicht auf den Himmel dank Glasdach. Ich liebte die Fahrt in diesem historischen Triebwagen und fühlte mich durch die glaslosen Fenster der Natur ganz nah. Ich ließ meinen Blick durch die installierten Ferngläser in die Ferne schweifen und genoss meine Fahrt in vollen Zügen. Ich kann nur Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer von der Augsburger Puppenkiste zustimmen: „So eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön!“ In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von Oberweißbacher Bergbahn und der Flachstrecke mit dem Olitätenwagen. 🙂

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