Ein Mann, der sein ganzes Leben lang gegen den Strom schwamm und dadurch berühmt wurde, dass er seinen Namen in die Zahl 1069 ändern wollte und tatsächlich erreichte, dass er sich One Zero Six Nine nennen durfte, war Michael Karl Herbert Holz. Dieser hatte im November 1945 in Hof das Licht der Welt erblickt. Im Alter von 5 Jahren gab ihn seine Mutter zur Adoption frei und Michael hatte Glück. Er wurde der Adoptivsohn einer stinkreichen, amerikanischen Familie, die einem deutschen Kind nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein liebevolles Zuhause mit der Chance auf eine rosige Zukunft bieten wollte. Michael, der fortan in New York lebte und den Nachnamen Dengler trug, verstand sich aber überhaupt nicht mit seinem Adoptivvater, weshalb er bereits mit 20 Jahren den Kontakt zu seinen Adoptiveltern komplett abbrach. Selbst sein Millionenerbe schlug er aus. Michael hatte seine eigenen Vorstellungen vom Leben, der einen großen Wunsch hatte, seinen Namen in 1069 ändern zu können. Diese arabischen Ziffern symbolisieren Zeit, Wesenheit, Universum und Natur. Da Michael nur noch mit dieser Zahl unterschrieb, brachte ihm das ständig Ärger mit den Behörden ein, weswegen er 1975 Klage in North Dakota einreichte, um sich fortan 1069 nennen zu können. Diese wurde abgelehnt. Aber Michael gab nicht auf. Er zog nach Minnesota und klagte dort erneut. Tatsächlich erreichte er 1979 beim Supreme-Court von Minnesota, dass sein Name „1069“ zwar nicht in Ziffern, dafür aber in Buchstaben „One Zero Six Nine“ in seinen Personalausweis eingetragen wurde. Dies sorgte für großes Medieninteresse in Amerika, selbst das Time Magazine widmete Michael 1977 einen Artikel und zahlreiche Interviews folgten, bis ein TV-Auftritt bei Tom Snyder alles änderte, da Michael sich verspottet vorkam. Seitdem mied er jegliche Art von Medien. Aufgrund seines Namens „One Zero Six Nine“ gestaltete sich sein Alltagsleben als äußerst schwierig. Nachdem in den 80-er Jahren auch seine zweite Ehe gescheitert war, kehrte er Anfang der 90-er Jahre Amerika den Rücken. Dort ließ er zwei Ex-Frauen und zwei Kinder aus erster Ehe zurück. Er fand bei Bekannten in Leipzig Unterschlupf. Seine Adresse wurde ein Postschließfach in der Hauptpost am Augustusplatz. Michael war zwar obdachlos, aber ein Überlebenskünstler, der irgendwo immer eine Übernachtungsmöglichkeit fand und als Native Speaker über 20 Jahre als Honorat Englisch an der Freien Schule im Leipziger Stadtteil Connewitz lehrte. Darüber hinaus verkaufte er die Straßenzeitung Kippe unter den Rathaus-Arkaden. Michael war zudem Stammgast in Leipzigs Kneipen, besonders die Kneipenmeile in der Karl-Liebknecht-Straße, Karli genannt, hatte es ihm angetan, wo er über Gott und die Welt philosophierte und manchmal im Alkoholrausch mächtig nerven konnte. Wenn er nicht in Kneipen oder in Leipzigs Straßen sein Lebensmotto: „Teile den Schmerz, umarme die Hoffnung, liebe das Leben“ verkündigte, besuchte der weißbärtige Michael mit seinem grauen langen Zopf, der stets Anzüge und edle Schuhe trug, sich manchmal aber wochenlang nicht wusch, gern die Gottesdienste der Leipzig English Church. Michael, der stets gegen das Establishment rebellierte, reiste 2001 noch einmal nach Amerika, um wieder Kontakt zu seiner Familie aufzunehmen. Doch beim Spazierengehen fuhr ihn eine Fahrerin namens „Charity“ mit ihrem Kleintransporter an. Insgesamt verbrachte Michael 4 Monate im Krankenhaus, wo ihn auch seine Tochter, allerdings zum letzten Mal besuchte. Danach kehrte er wieder in seine neue Heimat Leipzig zurück, wo er stadtbekannt war. Nachdem Michael durch eine Notoperation sein Leben gerettet worden war, hatte dieser danach die Diagnose erhalten, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Daraufhin nahm Michael wieder den Namen seiner Mutter an, der zuletzt als deutschstämmiger US-Amerikaner in einer Wohnung der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft lebte. Wenn ihn dort jemand anrief, nahm er den Hörer ab und trällerte erstmal ein Liedchen. Offiziell galt Michael als Asylbewerber, der Ende August 2015 kurz vor seiner Abschiebung stand. Doch dieses Schicksal blieb ihm erspart, da er am 6. August im Alter von 69 Jahren das Zeitliche segnete. Er wurde auf dem Leipziger Ostfriedhof unter großer Anteilnahme beigesetzt, war er doch schon zu seinen Lebzeiten zu einem echten Leipziger Original geworden. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Leipzig, der einstigen neuen Heimat von One Zero Six Nine alias Michael Holz. 🙂




















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