Ein echtes Münchner Original war die legendäre Kneipenwirtin Katharina Kobus, die von allen nur Kathi genannt wurde. Doch bis dahin war es ein weiter und steiniger Weg. Kathi wurde am 7. Oktober 1854 in Niklasreuth am Irschenberg als Tochter des Pferdehändlers, Lohnkutschers und Gastwirt vom Traunsteiner Gasthaus „Zu den drei Rosen“ Joseph Kobus und dessen Ehefrau Theresia geboren. Kathi, deren Spitznamen Kobusfuchs war, da sie listig wie ein Fuchs war, war ein schönes junges Mädchen, das sich im Alter von 17 Jahren in den adeligen Nachbarsjungen Ferdinand verliebte. Doch dessen Mutter verbot die nicht standesgemäße Beziehung, die das junge Liebespaar heimlich weiterführte, bis Kathi schwanger wurde. Ihr Vater Joseph war außer sich vor Wut. Er enterbte Kathi nicht nur, sondern verbannte sie auch aus seinem Haus. Hochschwanger zog Kathi in die bayerische Landeshauptstadt München, wo sie sich ihren Lebensunterhalt als Modell für Maler und Kellnerin verdiente. Ihr Kind, ein Junge, verstarb bereits 3 Monate nach seiner Geburt. Nachdem Tod von Kathis Vater kam auch ihre Mutter nach München, um dort zu leben. Diese hatte Kathi immer heimlich finanziell unterstützt. Doch erst im Alter von 41 Jahren schien Kathi endlich die Sonne ins Gesicht zu scheinen. Sie bekam eine Stelle in der angesagten Kneipe und Brettlbühne „Dichtelei“, die besonders in der Münchner Künstlerszene beliebt war. Kathi, die stets ein Chiemgauer Dirndl trug, wurde dank ihrer ungestümen Art bei den Gästen schnell zum Publikumsliebling. Unter den Gästen befanden sich prominente Künstler und Literaten, die Kathi ermutigten endlich eine eigne Lokalität zu eröffnen. Diese fand sie in der Türkenstraße 57, die unweit von der Dichtelei in der Adalbertstraße entfernt lag. Das ehemalige Weinrestaurant „Café Kronprinz“, das aus zwei engen Räumen mit Podium und Klavier bestand, sollte die neue Künstleradresse Münchens werden. Angeblich zog Kathi in der Walpurgisnacht mit ihren Gästen aus der „Dichtelei“ dorthin um. Der Legende nach führte der berühmte Schriftsteller und Schauspieler Frank Wedekind die illustre Gesellschaft Laute spielend an. Kathi hatte sich für ihre Kneipe den Namen „Neue Dichtelei“ auserkoren. Dies führte natürlich zu Ärger mit der „Dichtelei“, die Kathi verklagten. Diese änderte dann den Namen in „Simplicissimus“. Der Name stammte von der gleichnamigen Münchner Satirezeitschrift, die Albert Lange, ein Stammgast der „Dichtelei“ herausgab. Die rote grimmig blickende Dogge mit Sektflasche zwischen den gefletschten Zähnen des Karikaturisten Thomas Theodor Heine, das Logo der Satirezeitschrift Simplicissimus, wurde fortan auch Kathis Logo. Das „Simplicissimus“, auch „Alter Simpl“ genannt, avancierte rasch zum Treffpunkt der Schwabinger Boheme. Hier gaben sich Künstler wie Thomas Mann, Frank Wedekind und Ludwig Thoma die Klinke in die Hand. Auch Hans Bötticher, der als Dichter Joachim Ringelnatz bekannt wurde, wurde ihr entdeckt. Kathi hatte es geschafft, dass ihr Lokal zum Epizentrum der Münchner Kulturszene wurde, die zwar mit dem Dichter Ludwig Scharf verlobt war, aber diesen nie heiratete, da dieser mit einer ungarischen Gräfin durchbrannte. Kathi gab das „Simplicissimus“ jedoch auf, da sie 1912 eine Villa in Wolfratshausen für 25.000 Mark gekauft hatte, wo sie ein Ausflugslokal betrieb. Doch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eröffnete sie das „Simplicissimus“ wieder, das sie bis zu ihrem Tod 1929 führte. Im Juli 1929 war Kathi auf Verdacht auf Paratyphus ins Schwabinger Krankenhaus eingeliefert worden, das sie auf eigenen Wunsch am 7. August verließ. Sie kehrte in ihre Wohnung in der Türkenstraße 13 zurück, wo sie noch in derselben Nacht einen Herzstillstand erlitt und verstarb. Sie wurde auf dem Münchner Nordfriedhof bestattet. Auf ihrem Grabmal ist folgende Inschrift zu lesen: „Hier ruht Fräulein Kathi Kobus Gründerin der Künstlerkneipe Simplicissimus“. Auch eine Straße wurde nach Münchens berühmtester Kneipenwirtin benannt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von München, der einstigen Heimat von Kathi Kobus. 🙂
















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