Als Eingangstor zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gilt die beschauliche Kleinstadt Barth mit ihren rund 9.000 Einwohnern, die auch den Beinamen Vineta-Stadt trägt. Diese war eine sagenumwobene Stadt der Superlative, die durch eine verheerende Sturmflut für immer im Meer versank. Um dieses Atlantis des Nordens rankt eine uralte Sage. Am Ostermorgen hütete ein Schäferjunge nahe am Strand der Ostsee seine Herde, als er plötzlich eine Stadt mit einem prunkvollen Tor aus dem Meer aufsteigen sah. Er glaubte zuerst, dass ihm sein Gehirn einen Streich spielte, aber dem war nicht so. Der Junge lief zum Eingang der Stadt, der von Wächtern mit langen Bärten, Spießen und Hellebarden bewacht war. Diese ließen ihn ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, das Tor passieren. Als er durch das Tor gegangen war, stand er auf einem großen Platz, auf dem Kaufleute Handel mit allerlei Waren trieben. Während die Männer lange Mäntel mit Pelz und mit federverzierten Barettes trugen, waren die Frauen in Samt und Seide gekleidet. Um ihren Hals trugen sie goldene Ketten mit glitzernden Edelsteinen. Alles in der Stadt schien prunkvoll. Die Häuser hatten bunte Glasfenster, weiße Marmor- und Alabastersäulen, reich verzierte Giebel und vergoldete Ziegel. So etwas hatte der Schäferjunge noch nie in seinem Leben gesehen. Doch alles passierte in der märchenhaften Stadt, ohne jegliches Geräusch, was dem Jungen Angst machte. Dann winkte ihm einer der Kaufleute zu, der ihm stumm prächtigen Stoff anbot. Doch der Schäferjunge war arm wie eine Kirchenmaus und konnte nichts kaufen. Nun winkten ihm auch die anderen Kaufleute zu, die ihm ihre kostbaren Waren feilboten. Der Kaufmann zeigte dem Jungen ein kleines Geldstück und wies nochmals auf den Tisch mit den wertvollen Waren. Verzweifelt kramte der Schäferjunge in den Taschen seines alten Anzuges, doch er konnte keinen einzigen Pfennig finden. Die Kaufleute waren darüber sehr traurig, weshalb der arme Schäferjunge die Flucht ergriff und durch das Tor zurück zum Strand eilte. Als er sich nach der Stadt umdrehte, war diese in den Fluten verschwunden. Betrübt setzte sich der Schäferjunge an den Strand. Da kam ein alter Fischer auf ihn zu, der ihm folgendes erzählte. Wenn er ein Sonntagskind sei, dann würde am Ostermorgen die Stadt Vineta aus dem Meer emporsteigen, die vor vielen Jahren versunken ist. Der Schäferjunge erzählte dem Fischer, dass er diese soeben gesehen und sogar hautnah erlebt hatte. Daraufhin erzählte ihm der Fischer, dass er diese hätte erlösen können, wenn er nur einen einzigen Pfennig dabei gehabt hätte. Dann wäre Vineta an der Oberfläche geblieben. Einst war Vineta die größte Stadt Europas, deren Einwohner allesamt stinkreich waren und die mit allen Völkern der Erde Handel trieben. Ihre Schiffe brachten aus aller Welt nur die kostbarsten Waren nach Vineta, deren Stadttore aus Erz und die Glocken aus Silber waren. Die Kinder spielten auf der Straße mit Silber- und Goldtalern das Pfennig-Spiel. Die Bewohner aßen nur die exquisitesten Speisen mit goldenem Besteck und tranken ihren Wein nur aus Bechern aus Gold und Silber. Selbst die Schweine fraßen aus einem Trog, der aus purem Gold war. Der Reichtum verdarb die Bewohner, die übermütig wurden, was den Untergang der Stadt zur Folge hatte. Denn drei Monate, drei Wochen und drei Tage bevor diese unterging, erschien über dem Meer mit allen Gebäuden und Menschen der Stadt ein farbiges Luftgebilde. Die alten Einwohner rieten die Stadt zu verlassen. Denn wenn man eine Stadt, Schiffe oder Menschen doppelt sähe, dann bedeute dies deren Untergang. Aber die Bewohner von Vineta ignorierten die Warnung und so kam, was kommen musste. Im November fegte eine Sturmflut über die Stadt, die alle Menschen und Häuser unter sich begrub. Seitdem hoffen deren Bewohner auf Erlösung. Denn alle 100 Jahre am Ostermorgen kann diese wieder aus dem Meer emporsteigen, wenn man für ihre Waren bezahlt. Dies hatte der Schäferjunge nicht gewusst. Der alte Fischer warnte diesen, dass am Johannistag zur Mittagsstunde aus der Tiefe die silbernen Glocken der Stadt ertönen. Diese müsse er ignorieren, denn wenn man diesen lauscht, wird man von ihrem Klang magisch angezogen und man folgt dem Klang in die Tiefe des Meeres bis in die versunkene Stadt, wo man fortan sein Dasein fristet. So lautet die Vineta-Sage, die einen wahren Fantasy-Run auslöste. In Barth ist diese Sage nicht nur im Vineta-Museum, sondern auch auf der Spielstätte der Vorpommerschen Landesbühne, dem Theater Barther-Bodden-Bühne, hautnah erlebbar, wenn diese die Vineta-Sage während des Theater-Sommer-Spektakels aufführt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der Vineta-Stadt Barth. 🙂























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