Trick or Treat, Süßes oder Saures, mit diesem legendären Spruch ziehen kostümierte Kinder und Erwachsene an Halloween von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu sammeln. Dies geschah auch am 31. Oktober 1974 als der Familienvater und Optiker Ronald Clark O´Bryan gemeinsam mit seinem 8 Jahre alten Sohn Timothy sowie seiner 5 Jahre alten Tochter Elizabeth gemeinsam mit seinem Nachbarn Jim Bates und dessen beiden Kindern um die Häuser zog, um Süßigkeiten abzustauben. Während Jim am Straßenrand wartete, ging Ronald gemeinsam mit den Kindern zu den Häusern. Als sie an einem nicht beleuchteten Haus ankamen und keiner öffnete, gingen die Kinder weiter, während Ronald noch wartete. Kurz darauf kehrte dieser tatsächlich mit 5 Pixy Stix, gefüllten Stangen mit Brausepulver, zurück die er von den Hausbewohnern des dunklen Hauses bekommen hatte. Ronald verteilte vier Stück an die Kinder und gab eines einem 10 Jahre alten Jungen, den er aus der Second Baptist Church kannte, wo er Diakon war. Nachdem er und die Kinder von ihrer Sammeltour nach Hause zurückgekehrt waren, machten sich die beiden Kinder bettfertig. Timothy fragte seinen Vater noch, ob er eine der Süßigkeiten vor dem zu Bett gehen vernaschen dürfe, Ronald wollte kein Unmensch sein und ließ Timothy sich eine Süßigkeit aussuchen. Dieser entschied sich für den Pixy Stix, der so fest mit einer Heftklammer verschlossen war, dass ihm Ronald beim Öffnen helfen musste. Genüsslich verschlang er das Brausepulver, das jedoch so bitter schmeckte, dass ihm Ronald eine Limonade bringen musste, um den galleartigen Geschmack herunter zu spülen. Wenig später wurde Timothy von heftigen Bauchschmerzen und Krämpfen geplagt, dass Ronald entschied, ihn ins Krankenhaus zu fahren. Noch während der Fahrt und eine Stunde nach dem er den Pixy Stix verzehrt hatte, verstarb Timothy. Da aus dessen Mund ein Mandelgeruch strömte, was typisch für das Gift Zyankali war, wurde eine Obduktion der Leiche des toten Jungen angeordnet. Die Autopsie ergab, dass Timothy eine so hohe Dosis Zyankali geschluckt hatte, an der 2 Erwachsene Menschen hätten sterben können. Schnell fand die Polizei heraus, dass sich das Gift in den Pixy Stix befunden hatte, die mit einer Heftklammer verschlossen worden waren. Sofort wurden die anderen 4 Brausestangen sichergestellt, die zum Glück noch nicht gegessen worden waren. Nachdem Bekanntwerden des Vorfalls brachten unzählige Eltern die an Halloween gesammelten Süßigkeiten zur Polizei. Zu groß war die Angst, dass auch diese vergiftet worden waren. Doch Fehlanzeige. Nun begann die fieberhafte Suche nach dem Giftmörder. Ronald wurde verhört, der aussagte, dass er die 5 Pixy Stix von Hausbewohnern eines dunklen Hauses bekommen hatte. Er konnte sich weder an deren Gesichter, noch an die Straße erinnern, obwohl er und die anderen nur zwei Straßen abgeklappert hatten, da es stark geregnet hatte. Die Polizei bekam immer mehr Druck von der Öffentlichkeit, die Ronald nochmals in die Zange nahm. Diesmal konnte er sich an die Adresse des Hauses erinnern. Da die Polizei den Hausbesitzer nicht antraf, fuhren sie zu dessen Arbeitsplatz und nahmen ihn fest. Doch es stellte sich heraus, dass der Mann ein hieb- und stichfestes Alibi hatte. Er war zum Zeitpunkt arbeiten gewesen, was seine Arbeitskollegen bezeugen konnten. Zwar war seine Ehefrau und Tochter an jenem Tag zu Hause gewesen, diese hatte jedoch die Beleuchtung ausgeschaltet und niemanden die Tür geöffnet, da sie keine Süßigkeiten im Haus hatten. Die Polizei glaubte den Aussagen des Mannes und konzentrierte sich fortan auf Ronald, der die Pixy Stix an die Kinder verteilt hatte. Dieser war als Optiker bei der Texas State Optical in Shapstown tätig. Er stand aufgrund des Verdachts von Diebstahl an seinem Arbeitgeber kurz vor der Kündigung. In den letzten Jahren hatte er 21 Mal den Job gewechselt. Außerdem hatte er Schulden in Höhe von 100.000 Dollar. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass Ronald bereits im Januar für seinen Sohn und seine Tochter eine Lebensversicherung von 10.000 Dollar pro Kind abgeschlossen hatte, die er einen Monat vor Halloween auf 20.000 Dollar pro Kind erhöht hatte. Die Polizei war sich sicher, dass Ronald der Giftmischer war. Bei der Hausdurchsuchung wurden Kunststoffreste gefunden, die auch an den präparierten Pixy Stix entdeckt worden waren. Ronald wurde am 5. November 1974 verhaftet, der wegen Mordes und versuchten Mordes in 4 Fällen angeklagt wurde. Die Presse stürzte sich auf den Fall und Ronald bekam den Spitznamen „The Candy Man“ wegen den vergifteten Süßigkeiten verpasst. Ronald plädierte auf unschuldig, dem angeblich jemand die vergifteten Süßigkeiten gegeben hatte. Dies war höchstunwahrscheinlich, hatte er jedoch zuvor einen Kurs am Harris County Community College besucht, wo er sich immer wieder beim Dozenten über die tödliche Wirkung von Zyankali erkundigt hatte. Darüber hinaus hatte er im Chemiegroßhandel laut Augenzeugen nach Zyankali gefragt. Am 5. Mai 1975 startete der Prozess in Houston, der am 3. Juni 1975 endete. In nur 46 Minuten wurde Ronald von der Jury in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Nach weiteren 71 Minuten wurde er zum Tode verurteilt. Ronald schöpfte danach alle Berufungsmöglichkeiten aus. Er ging zweimal vor den Obersten Gerichtshof, aber alle Einsprüche gegen das Urteil wurden abgelehnt, bis er am 31. März per Giftspritze hingerichtet wurde. Er starb wie sein Sohn durch Gift. Seine letzten Worte waren, dass er unschuldig sei und allen Menschen vergebe, die für seinen Tod verantwortlich seien. Über 300 Menschen hatten sich vor dem Gefängnis versammelt, darunter Befürworter und Gegner der Todesstrafe. Einige riefen dabei „Trick or Treat“. So endete das Leben von Ronald, der bis heute für reichlich Film- und Lesestoff sorgt. Dir wünsche ich ein schaurig schönes Halloween und viel Spaß mit meinen Fotos von Wiens gruseligem Foltermuseum im historischen Luftschutzbunker des Zweiten Weltkrieges. 🙂












































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