In den verwinkelten Gassen Brüssels, wo Waffeln und Schokolade zur täglichen Kost gehören, thront ein kleiner Schelm, der die Herzen von Touristen und Einheimischen gleichermaßen erobert: Manneken Pis. Diese ikonische Statue eines pinkelnden Jungen ist nicht nur ein Brunnen, sondern auch ein Wahrzeichen, das mit seiner schalkhaften Pose und vielen lustigen Legenden die Menschen in seinen Bann zieht. Der Ursprung des Manneken Pis reicht bis ins Jahr 1388 zurück, als an der Ecke von Stoof- und Eikstraat ein Brunnen mit der Steinstatue „Julianekensborre“ existierte. Allerdings ist kein Bild dieser Statue erhalten, sodass wir spekulieren müssen, ob sie tatsächlich urinierte oder einfach nur traurig dreinschaute. Ein Dokument von 1452 erwähnt bereits „daer dmenneken pist“ und damit war der Weg für unseren kleinen Freund geebnet. Dies war eine frühe Erwähnung des pinkelnden Knaben, der die Windeln in den Ruhestand geschickt hat. Die heutige Bronzestatue, die wir bewundern, wurde 1619 von dem talentierten Bildhauer Jérôme Duquesnoy geschaffen und misst stolze 61 Zentimeter. Ursprünglich für seine Drolerie, was so viel heißt wie „Schabernack“ bekannt, hat sich der Manneken Pis im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verwandelt. Nicht nur in seiner äußeren Gestalt, sondern auch in seinem Wasserspiel. An festlichen Tagen ließ er statt Wasser Bier oder Wein sprudeln, was ihn zum Liebling am burgundischen Hof machte. Natürlich blieb unser kleiner Held nicht von Dieben verschont. Seine Statue wurde mehrmals gestohlen und beschädigt, und das Original wird heute, sofern es tatsächlich das Original ist, im Kaufmannshaus Maison du Roi am Grand-Place aufbewahrt. Gerüchte besagen, dass die Statue von 1817 eine Kopie sein könnte, die Peter Pan des Brüsseler Kunstlebens ersetzt hat. Ob dies der Wahrheit entspricht, wer weiß das schon? Die Forscher graben jedoch tiefer als Manneken Pis selbst, der, wie wir wissen, nie aufhört, seine Geschäfte zu verrichten. Doch nicht nur den Forschern geht die Statue durch den Kopf. Der eigentliche Spaß sind die Geschichten und Mythen, die sich um unseren kleinen Wasserspender ranken. Eine liebenswerte Sage erzählt, wie ein kleiner Junge namens Julian die Stadt vor dem Untergang rettete. Als Feinde versuchten, die Mauern mit Schießpulver zu sprengen, bemerkte Julian die Zündschnur und löschte diese, in dem er auf sie urinierte. Ein kleiner Held mit einer großen Blase! Die „Hexe-Geschichte“ hingegen ist eine etwas dunklere Erzählung, in der ein kleiner Bursche seine Notdurft vor der Tür einer Hexe verrichtete. Sie warf ihm einen Fluch an den Kopf, so dass dieser für immer urinieren musste. Doch kein Grund zur Sorge! Ein mutiger Mann sprang ein, um diesen armen Jungen durch eine Statue zu ersetzen, die für alle Zeiten sein Geschäft verrichten würde. Ein echter Glücksgriff für den kleinen Julian. Und dann haben wir die bewegendste Geschichte von allen. Bei einem Fest in Brüssel verloren die Eltern ihren Sohn in der Menge. Nach zwei Tagen voller Sorge fand der Vater ihn gerade in dem Moment, als er pinkelte. Ein seltsames Wiedersehen, das mit den Worten „Endlich bist du wieder da!“ gefeiert wurde. Daraufhin ließ der Vater einen Brunnen mit dem Bild seines Sohnes anfertigen. Hier könnte man sagen, dass der Sohn zwar aus dem Schneider war, aber der Brunnen nun für alle Zeit an die Freude des Wiedersehens erinnert. So sprudelt der Manneken Pis unermüdlich und hat sich seinen Platz im Herzen der Menschen erobert, während er weiterhin jeden Tag 1500 bis 2500 Liter Wasser in den Kanal leitet. Eine wahre Wasserkunst! Eine Neuerung, die 2019 eingeführt wurde, sorgt dafür, dass er nun über ein geschlossenes System verfügt. Wer hätte gedacht, dass ein solcher kleiner Schelm so viel Wasser verschwenden könnte? Aber das ist eben Brüssel, in dem kein Quell trocken gelassen wird. Und während wir die Geschichte des Manneken Pis erzählen, mag der Gedanke an seine „geschlossenen Systeme“ in den Hintergrund rücken, aber eins bleibt gewiss. Sein schelmisches Antlitz und die Geschichten um seine Person sind so lebendig wie eh und je. In jeder Pfütze, in jedem Lachen und in jedem Becher Bier, den die Menschen in den nahegelegenen Cafés heben, lebt er weiter, der kleine Urinator, der die Stadt Brüssel bewacht und bis heute mit seiner charmanten Anarchie alle Generationen begeistert. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos des Manneken Pis im belgischen Designer-Outlet Maasmechelen Village, der mit einer Größe von 6 Metern der größte in Belgien ist. 🙂





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