Vor fast 30 Jahren erschütterte ein schockierender Mordfall die Weltmedien, dessen Geschehnisse bis heute nicht vergessen sind. Im Jahr 1997 wurde das erst 19 Jahre alte britische Au-pair-Mädchen Louise Woodward für den Mord an dem acht Monate alten Matthew Eappen in den USA verurteilt. Ihre Verurteilung wegen Mordes wurde später aufgehoben, stattdessen wurde sie des Totschlags für schuldig befunden und zu 279 Tagen Gefängnis verurteilt, der Zeit, die sie bereits hinter Gittern verbracht hatte. Louise war vor dem Tod an Matthew ein unbeschwertes junges Mädchen, das sich nach ihrem Abitur 1996 für ein Auslandsjahr in den USA entschied. Sie zog aus ihrem Elternhaus in Elton aus, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten als Au-pair-Mädchen zu arbeiten und das Leben in der Großstadt Boston voll auszukosten. Über die Agentur EF Au Pair aus Boston bekam sie eine Au-pair-Familie vermittelt, die sie jedoch wegen der Ausgangssperre ab 23 Uhr wieder verließ. Daraufhin wurde sie an das Ärzteehepaar Sunil und Deborah Eappen vermittelt. Sie sollte sich um deren 8 Monate alten Sohn Matthew kümmern. Louise war erst 10 Wochen bei den Eappens, die sie bereits wegen diversem Fehlverhalten verwarnt hatten, als Louise am 4. Februar 1997 den Notruf rief, nachdem Matthew aufgehört hatte, zu atmen. Matthew wurde sofort in das Kinderkrankenhaus in Boston eingeliefert, wo er ins Koma fiel und am 9. Februar an den Folgen eines Schädelbruchs und Hirnblutungen verstarb. Die Ärzte des Krankenhauses, die bei Matthew auch einen älteren Bruch des Handgelenks festgestellt hatten, stellten Netzhautblutungen fest, die als typisch für das Schütteltrauma-Syndrom gelten. Louise wurde bereits am 5. Februar wegen Körperverletzung verhaftet. Nach Matthews Tod wurde sie wegen Mordes angeklagt. Louise stand unter Verdacht, den kleinen Matthew zu Tode geschüttelt zu haben, da sie bei der Polizei angegeben hatte, dass sie Matthew auf einen Stapel Handtücher geworfen habe. Die Anschuldigungen lauteten auf Schütteltrauma-Syndrom, doch ihr Verteidigungsteam argumentierte, dass der Tod durch eine frühere Kopfverletzung verursacht worden sein könnte. Louise Woodward, die nach Bekanntwerden vom Tod des kleinen Matthew in der Öffentlichkeit nur „Killer-Nanny“ genannt wurde, bekam von ihrer Agentur ein sehr prominentes Verteidigungsteam an die Seite gestellt, das stolze 750.000 Dollar kostete. Die Agentur hoffte auf einen Freispruch, damit sie gegen künftige Zivilklagen der Eltern geschützt war. Louise selbst, die tränenreich ihre Unschuld beteuerte, unterzog sich einem Lügendetektortest, der für sie positiv ausfiel. Louises Fall erregte weltweit Aufsehen. Während die Staatsanwaltschaft behauptete, Matthew war an den klassischen Symptomen des Schütteltraumas gestorben, argumentierte die Verteidigung, dass der Tod von Matthew durch Verletzungen verursacht worden war, die er sich schon vor Wochen zugezogen hatte. Louise hatte ein unglaublich gutes Verteidigungsteam, das die Schütteltrauma-Theorie eindrucksvoll mit Gegengutachten widerlegte. Die Strategie des Verteidigungsteams war es, dass die Jury nicht die Option erhalten sollte, Louise wegen Totschlags zu verurteilen, sondern entweder freizusprechen oder sie wegen Mordes zu verurteilen, was sich später als fatal herausstellte. Louise willigte ein, die fest an einen Freispruch glaubte, jedoch während des Prozesses wenig reumütig wirkte. Die Verteidigung war sich siegessicher, doch alles kam ganz anders. Denn am 30. Oktober 1997 befand die Jury, bestehend aus 9 Frauen und 3 Männern nach einer 26-stündigen Beratung Louise des vorsätzlichen Mordes für schuldig. Louise wurde am folgenden Tag vom Richter Zobel zu lebenslanger Haft mit Mindeststrafe von 15 Jahren verurteilt. Dies war ein absolutes Schock-Urteil für Louise, die bei der Urteilsverkündung einen Zusammenbruch erlitt. Zwei Tage nach dem Urteil stellte sich heraus, dass die Geschworenen sich nicht einig waren, ob Louise vorsätzlich gehandelt hatte. Doch sie hatten nur die Möglichkeit auf Freispruch oder Mord. Am 10. November 1997, zehn 10 Tage nach Louises Verurteilung, hob Richter Zobel bei der Anhörung für eine Wiederaufnahme des Verfahrens das Urteil auf. Louise wurde wegen Totschlags verurteilt. Louises Strafe wurde auf die Zeit reduziert, die sie bereits verbüßt hatte, das waren 279 Tage. Der Richter führte das Geschehen auf Louises „Verwirrung, Unerfahrenheit und Frustration sowie etwas Wut, aber keinen Vorsatz“ zurück. Doch die Entscheidung von Richter Zobel wurde im Juni 1998 aufgehoben, da er sein gesetzliches Ermessen missbraucht habe. Der Fall landete schließlich vor dem Obersten Gerichtshof, der das Urteil wegen Totschlags und reduzierter Strafe bestätigte, so dass Louise endlich nach Hause fliegen konnte. Nach ihrer Freilassung kehrte Louise nach Großbritannien zurück, wo sie versuchte, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Sie studierte Jura an der London South Bank University, gab ihre juristische Karriere jedoch auf, um Tanzlehrerin zu werden. 2013 heiratete sie Anthony Elkes, Chef einer LKW-Vermietung, und gründete mit ihm eine Familie. Trotz ihrer Bemühungen, ein normales Leben heute unter dem Namen Louise Elkes zu führen, bleibt der Fall in Amerika ein emotionales Thema. Louises Name tauchte immer wieder in den Medien auf, und sie wurde sogar als „berüchtigtste Kriminelle von Massachusetts“ bezeichnet. Ihre Tochter wurde 2014 geboren, und obwohl Louise weiterhin ihre Unschuld beteuert, verfolgen die Ereignisse von damals sie und ihre Familie noch heute. Der Fall wurde 2022 in einer neuen dreiteiligen Dokumentation von Channel 4, „Louise Woodward: Bösewicht oder Opfer?“, erneut beleuchtet. Diese Dokumentation untersuchte die unterschiedlichen Perspektiven des Falls und warf neue Fragen zur Gültigkeit der Schütteltrauma-Theorie auf. Ein neues Licht auf das Geschehen warf auch Patrick Barnes, ein Kinderarzt und Radiologe, der während des Prozesses als Zeuge der Anklage auftrat. In einem Interview im Jahr 2011 sagte Barnes, dass er seine damalige Aussage heute nicht mehr machen würde. Er erklärte, dass es in den letzten zehn Jahren große Fortschritte beim Verständnis von Kopfverletzungen gegeben habe – einige dieser Verletzungen könnten auch durch andere medizinische Umstände wie Infektionen oder Schlaganfälle verursacht werden, die früher fälschlicherweise als Schütteltrauma diagnostiziert wurden. In der Zwischenzeit hat Louise versucht, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Familie ein stabiles und glückliches Leben zu führen. Trotz der andauernden Aufmerksamkeit in den Medien und der gemischten Gefühle gegenüber ihrer Person, ist sie entschlossen, ein normales Leben zu führen. Die Eltern von Matthew gründeten 1 Jahr nach dessen Tod die Matty Eappen Foundation, die sich der Aufklärung und Prävention des Schütteltraumas widmet. In einem Interview, das Louise später gab, gab sie zu, Matthew „leicht geschüttelt“ zu haben. Am Ende bleibt die Frage bestehen: Ist Louise Woodward eine unschuldige junge Frau, die ein Opfer der Umstände wurde, oder verbirgt sich hinter der mütterlichen Fassade immer noch eine dunkle Wahrheit? Die Dokumentation versuchte, genau diese Frage zu beantworten und die Zuschauer dazu anzuregen, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Mit der Veröffentlichung der neuen Dokumentation wurde dieser Fall erneut ins Rampenlicht gerückt. Während Louise Elkes weiter ihr Leben lebt in Shropshire, ist Matthew tot, dessen Eltern bis heute mit dem Verlust ihres geliebten Sohnes zu kämpfen haben. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Großbritanniens Hauptstadt London. 🙂















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