Haus „zum goldenen Becher“ im Herzen Wiens: Erinnerung an die Zeit der Gegenreformation im 16. Jahrhundert

Isabella Müller Wien @isabella_muenchen

Wenn ich in Wien unterwegs bin, entdecke ich immer wieder Gebäude, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben wie das Haus „zum goldenen Becher“. Dieses schmucke Haus befindet sich mitten im Herzen Wiens in unmittelbarer Nähe zum Stephansdom in der Ecke zur Singerstraße. Im Ladengeschäft unten ist das Café der berühmten Konditorei Aida mit ihren legendären Torten- und Krapfenkreationen untergebracht. Einst hatte dort die stadtbekannte Modistin Schoberlechner ihr Damenmodegeschäft „Zur schönen Wienerin“. In ihrem Schaufenster zeigte sie ab 1804 eine lebensgroße Wachsfigur, die die neuste Mode aus Paris präsentierte, was für die damalige Zeit für unglaubliches Aufsehen sorgte. Das heutige Haus wurde 1882 von Alexander Willemans erbaut. Unter der Aufschrift „zum goldenen Becher“ ist ein solcher in einer Nische, eingerahmt von Frauendarstellungen, die Szenen aus der Geschichte Österreichs zeigen, zu sehen. Dieser goldene Becher verweist auf eine Gräueltat aus dem 16. Jahrhundert und auf das Thema der Reformation und Gegenreformation. Im 16. Jahrhundert war die Stadtbevölkerung Wiens etwa zu 70 Prozent protestantisch. Die Spannungen zwischen den protestantischen Ständen und dem katholischen Kaiser und der Kirche nahmen zu. Es kam zu einer blutigen Gegenreformation, um den Protestantismus einzudämmen. Eine Legende besagt, dass vor dem Haus ein protestantischer Bäckergeselle namens Johann Heyn bei der Fronleichnamprozession am 27. Juni 1549 die Monstranz, einen kostbar verzierten goldenen Becher, eines katholischen Priesters aus den Händen gerissen und zu Boden geschleudert haben soll. Der katholische Priester ließ daraufhin am ehemaligen Richtplatz der Gänseweide den jungen Burschen beide Hände abhacken, die Zunge aus dem Mund reißen und lebendig verbrennen. An dieses Verbrechen erinnerte eine Säule, die Kaiser Ferdinand I. vor dem Haus mit einem Gitter umsäumt, anbringen ließ. Diese wanderte später in eine Fassadennische in Form der Darstellung des goldenen Bechers. Das Haus „zum goldenen Becher“ ist ein geschichtsträchtiges Gebäude, das an die Zeit der Reformation und der daraus resultierenden Gegenreformation erinnert und bewusst macht wie wichtig die Religionsfreiheit, sowohl in Österreich als auch in Deutschland ist und die es weltweit leider immer noch nicht gibt. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos des geschichtsträchtigen Gebäude im Herzen Wiens. 🙂

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