Ein rätselhafter Mordfall, der bis heute für Gänsehaut sorgt, ereignete sich am Abend des 12. März 1893 in Salmdorf bei München. An jenem Abend wurde die 57 Jahre alte Witwe Anna Reitsberger zusammen mit ihren drei Töchtern Kreszenz, Anna und Marie auf ihrem Bauernhof brutal ermordet. Danach zündete der Täter den Hof an, um alle Spuren zu verwischen. Einwohner hatten gegen Mitternacht Flammen am Neuhauser-Hof bemerkt, der 100 Meter entfernt vom 100-Seelendorf Salmdorf an der Straße nach Ottendichl lag. Sofort hatten diese die Feuerwehr alarmiert. Als diese am Hof eintrafen, mussten sie zunächst die verschlossenen Türen gewaltsam aufbrechen. Im Haus suchten sie nach den vier Frauen. Sie fanden die Witwe und ihre 23 und 16 Jahre alten Töchter Kreszenz und Anna mit eingeschlagenen Schläfen in ihren Betten liegend vor, während die 14 Jahre alte Marie neben ihrem Bett hockte. Doch die Rettung kam zu spät, denn alle vier Frauen erlagen bis zum Morgen ihren schweren Verletzungen. Auch der Hof konnte nicht gerettet werden, der bis auf die Mauern niederbrannte. Nun ging die Suche nach dem Mörder los. Die Polizei ging nicht nur von einem Raubmord aus, sondern vermutete den Täter auch unter den Dorfbewohnern, da dieser offenbar über Ortskenntnisse verfügte. Die Witwe und ihre drei Töchter galten als ehrwürdige Familie, die vor dem schrecklichen Vierfachmord noch die heilige Messe besucht hatten. Die Tat ereignete sich am Rosensonntag, einem katholischen Feiertag. An diesem Tag fand auch der traditionelle Jahrmarkt statt, weshalb in Salmdorf Trubel herrschte. Der Vierfachmord mit Raub und Brandstiftung war ein gefundenes Fressen für die Presse, der nicht nur wochenlang die Schlagzeilen beherrschte, sondern auch viele neugierige Münchner nach Salmdorf lockte, um sich den Ort des grausamen Verbrechens anzusehen. Schnell gerieten zwei junge Männer unter dringenden Tatverdacht, die am brennenden Hof vorbeigekommen waren, ohne Hilfe zu holen. Diese wurden aufsehenerregend in einem Wirtshaus mit heftiger Schlägerei verhaftet. Aber aus Mangel an Beweisen, musste die Polizei die jungen Männer wieder laufen lassen. Ein halbes Jahr nach der Tat geriet der Tagelöhner Jakob Roßberger ins Visier der Ermittler, da bei ihm Schmuckstücke gefunden wurden, die aus dem Haus der ermordeten Frauen stammten. Darüber hinaus konnte er aber nicht mit dem Vierfachmord und der Brandstiftung in Verbindung gebracht werden. Auch diese Spur verlief im Sande. Dann kam die Wendung als nach Jahren ein Mann, die Tat gestand. Doch dieser war nicht nur als Trunkenbold, sondern auch als notorischer Lügenerzähler bekannt, der nachweislich nichts mit dem Verbrechen zutun hatte. Auch die berüchtigte Schmanderer-Bande wurde des Raubmordes bezichtigt, aber auch diesmal fehlten stichfeste Beweise. Jahre strichen ins Land bis es 1922 zum Sechsfachmord im Bauernhof Hinterkaifeck nahe Schrobenhausen kam. Auch bei diesem Verbrechen wurde eine Familie brutal umgebracht, in dem man ihnen die Köpfe eingeschlagen hatte. Auch hier gibt es bis heute keine Hinweise auf den Täter. Der Mordfall wies starke Parallelen zu dem Vierfachmord in Salmdorf auf. Beide Verbrechen sind bis heute ungelöst. Nach dem Brand in Salmdorf wurde an der Stelle des Bauernhofs eine Kapelle errichtet, die 1964 unter Protest der Dorfbewohner abgerissen wurde. Ein Wegkreuz wurde dort platziert und eine Marmortafel in der Salmdorfer Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt erinnert bis heute an den Tod der Familie Reitsberger. Der Vierfachmord in Salmdorf und Sechsfachmord in Hinterkaifeck gelten als eine der bekanntesten Cold Cases Bayern, die womöglich für immer ein Rätsel bleiben werden. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Bayerns Landeshauptstadt München. 🙂

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