Chartaque: Mächtiger Wachturm an befestigten Verteidigungslinien

Isabella Müller @isabella_muenchen Eppingen

Mein Ausflug in die Natur führte mich mitten in den Wald zu den Eppinger Linien. Dabei handelt es sich um befestigte Verteidigungslinien, die der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, auch Türkenlouis genannt, in den Jahren von 1695 bis 1697 von Weißenstein bei Pforzheim über Mühlacker, Sternenfels, Eppingen bis nach Neckargemünd errichten ließ. Die 86 Kilometer lange Strecke sollte französische Raubzüge im Pfälzischen Erbfolgekrieg unterbinden. Der Pfälzische Erbfolgekrieg wurde von dem französischen König Ludwig XIV., im Volksmund als Sonnenkönig bekannt, ausgelöst. Dieser erhob den Anspruch auf das Erbe der Liselotte von der Pfalz, der Frau seines verstorbenen Bruders, dem Herzog Phillip von Orléans. Aus diesen Gründen wurde ein Verteidigungswall errichtet. Ein wichtiger Bestandteil bei dem Verteidigungssystem waren Chartaquen. Dabei handelt es sich um Wachtürme, auf turmartig aufgebauten Blockhütten. Einen solchen Chartaque entdeckte ich am Wanderweg bei Mühlacker mitten im Wald. Dieser wuchtige Wachturm hat eine Grundfläche von 6×6 Meter und eine Höhe von 12 Metern. Er war von einem 1,5 Meter tiefen Graben umgeben. Die Palisaden, die im Graben verliefen, sorgten für zusätzliche Sicherheit. Für die Verständigung unter den Besatzungen sorgten akustische und optische Signale. Damals wurden für die Arbeiten an den Verteidigungslinien mit ihren Schanzen auch badische und durlasche Untertanen herangezogen, obwohl deren Herkunfstgebiete vor den Linien lagen und sie damit die französische Gewalt zu ertragen hatten. Die Franzosen drohten, die Dörfer niederzubrennen, wenn sie „Schanzer“ stellen würde, wohingegen die deutsche Generalität Exekution androhte, wenn nicht die geforderten „Schanzer“ gestellt würden. So war es nicht selten der Fall, dass den Menschen vor den Linien doppeltes Leid zuteil wurde. Der wuchtige Chartaque ist zwar ein Nachbau, aber wirklich beeindruckend. Er lässt ein Stück Zeitgeschichte wieder lebendig werden. Gegenüber von ihm befindet sich ein Wächter aus Holz. Von diesem Standort aus startet auch eine Route des Eppinger Linienwegs. Dieser kulturhistorische Wanderweg entlang des gut sichtbaren Wall-Graben-Systems führt von Eppingen über Mühlacker durch den Naturpark Stromberg-Heuchelberg. Dabei geben 18 Informationstafeln Auskunft zum Aufbau und Nutzen des Verteidigungswalls. Der Wachturm und die Geschichte hinter dem ausgeklügelten Verteidigungssystem der Eppinger Linien war sehr faszinierend und ich konnte zum ersten Mal einen Chartaque live sehen. Ein beeindruckender Wachturm und ein herrlicher Ausflug in die Natur, den ich mit einem Waldspaziergang verband. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos des Chartaque an der Eppinger Linie. 🙂

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