Die St. Annalinde: Der Todesbaum aus Sleepy Hollow

Isabella Müller @isabella_muenchen

Lindenbäume gehören in Deutschland zu den beliebtesten Laubbäumen und spielten schon im Mittealter und der Frühen Neuzeit eine bedeutende Rolle, sei es als Gerichtslinde oder als Platz der Gemeinschaft. Die Linde steht wie kein anderer Baum für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden, Heimat, Tapferkeit und Sieg. Sie gilt als Lieblingsbaum des Volkes und ist ein traditioneller Kult-Baum. Ein solcher Kult-Baum ist die Annalinde in Kirchhausen. Dieser über 400 Jahre alte Baum befindet sich auf einer Anhöhe zwischen den baden-württembergischen Gemeinden Kirchhausen, Frankenbach und Leingarten und um ihn rankt eine schaurige Legende. Mein Weg zu diesem mächtigen Baum führte mich von der Schlosstraße Kirchhausen in Richtung Konradsberg, dort zweigt nach links ein Feldweg ab. Nach wenigen Minuten erreichte ich den Winterlindenbaum mit seinen herzförmigen Blättern und seiner herrlich ausladenden Krone. Der Baum mit seinen 7 Meter breiten Stamm und seiner exponierten Lage erinnerte mich an den Todesbaum aus dem Horrorfilm Sleepy Hollow des US-amerikanischen Regisseurs Tim Burton, in dem der Hessische Reiter die abgeschlagenen Köpfe begrub. Ähnlich gruselig ist die Legende der St. Annalinde. Einst soll am Platz der Linde eine Kapelle gestanden haben, die der Heiligen Anna, der Mutter Marias gewidmet war. Ihr zu Ehren wurde jedes Jahr im Juli ein Fest gefeiert. Die Kapelle war von Ackerflächen umgeben und die Pächter dieser Ackerflächen waren verpflichtet jedes Jahr anlässlich des Festes der Kirchenheiligen sechs Wachskerzen „von der Dicke und Höhe eines wehrbaren rüstigen Mannes“ zu stiften. Doch die Bauern wollten sich dieser Last nach der Reformation entziehen und höhlten die Kerzen aus, um sie mit Schießpulver zu füllen. Als die Kerzen während des Festgottesdienstes am Namenstag der Heiligen Anna angezündet wurden, kam es zu einer gewaltigen Explosion. Der Priester und viele Gläubige fanden unter den Trümmern der zusammengestürzten Kapelle den Tod. Bis heute erinnert an die grauenvolle Untat ein Gedenkstein sowie das Annakreuz mit Bildstock der Anna und Maria. Seit 2011 halten 270 Stahlseile das Geäst der Annalinde im Inneren zusammen. Ich war beeindruckt von diesem gigantischen Baum, der seit 1941 unter Naturschutz steht. Der Ort, an dem er sich befindet strahlt etwas schaurig-schönes aus. Vielleicht weil er mich so sehr an den Todesbaum, dem Tor zur Hölle, aus Sleepy Hollow erinnerte. Ein mystischer Ort, idyllisch eingebettet von Feldern mit einem imposanten Lindenbaum, der seinesgleichen sucht. Ich war überwältigt von dem Naturwunder der riesigen, alten St. Annalinde, die trotz ihrer Abgeschiedenheit ein beliebtes Ausflugsziel ist und laut Überlieferungen wird der Ort an Vollmond gemieden, da Menschen dort schaurige Gestalten gesehen haben sollen, ob Wahrheit oder Legende, wer weiß das schon. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos der St. Annalinde in Kirchhausen. 🙂

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