Der eiskalte Parkplatzmörder

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Eine der spektakulärsten Raubmordserien Deutschlands ereignete sich Mitte der 80er Jahre. Auf abgelegenen Rastplätzen lauerte ein maskierter Mann einzelnen Männern auf, die er kaltblütig erschoss, um mit deren Pkws eine Bank zu überfallen. Das erste Mal schlug der Täter am 3. Mai 1984 auf einem Wanderparkplatz unweit des Klärwerks „Häldenmühle“ in Marbach am Neckar zu. Dort hatte der 47 Jahre alte Ingenieur und Handlungsreisende Siegfried Pfitzer eine kurze Pause eingelegt. Er wusste nicht, dass diese die letzte in seinem Leben sein würde. Denn plötzlich hielt ihm ein maskierter Mann eine Pistole zwischen die Augenbrauen und drückte ab. Anschließend fuhr der Täter mit dem Auto des Toten, einem BMW 520i, in die Bankfiliale Burgstetten-Erbstetten, wo er die Scheibe von der Kasse mit einem Vorschlaghammer zertrümmerte, was ihm den Namen Hammermörder in den Medien einbrachte. Bei dem Überfall hatte er 4790 Mark erbeutet. Die Polizei tappte bei ihrer Suche nach dem Täter zunächst völlig im Dunkeln. Einzig die Pistole, eine Walter P5, gab vielleicht den ersten Hinweis, dass der Täter womöglich auch aus den eigenen Reihen kommen könnte. Da ab 1979 die Polizei von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz diese als Dienstwaffe benutzten. Am 28. Dezember 1984 schlug der Hammermörder ein zweites Mal am Waldparkplatz Rohrbach zu. Diesmal erschoss er den 37 Jahre alten Engländer Eugene Wethey, der auf seinem Weg zum Skiurlaub in die Schweiz dort einen Stopp eingelegt hatte. Der Täter stahl den hellgrünen Golf des Toten und überfiel die Volksbankfiliale in Cleebronn, in dem er wieder seinen Vorschlaghammer schwang und schließlich 78 000 Deutsche Mark mitnahm. Noch am Abend rief die Polizei die Sonderkommission „Hammer“ ins Leben, die ihren Sitz im Schulzentrum Großbottwar hatte. Über 540 Hinweise gingen in den nächsten vier Monaten dort ein und mehr als 1000 Personen wurden überprüft. Selbst 37 Tonnen Erde wurden vom Parkplatz des ersten Tatorts abgetragen, um das Projektil zu finden. Auch ein Beitrag in der populären Fernsehsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ am 5. Juni 1985 wurde ausgestrahlt. Doch alles blieb ergebnislos. Das Morden und Rauben ging weiter. Am 22. Juli 1985 fiel der 26 Jahre alte Wilfried Schneider dem Hammermörder zum Opfer. Der Elektriker hatte eine Rast auf dem Wanderparkplatz an der L 1100 zwischen Ilsfeld und Flein eingelegt, als ihn plötzlich ein tödlicher Schuss traf. Der Täter flüchtete im schwarzen Golf GTI des Toten und fuhr zur Raiffeisenbank Spiegelberg. Doch als dieser den Schaltraum betrat, begrüßte ihn der Filialleiter mit den Worten „Der Hammermörder kommt“, daraufhin verließ der Täter wieder unverrichteter Dinge die Bankfiliale. Der Täter wechselte in sein eigenes Auto und geriet mit diesem in eine Polizeikontrolle, konnte aber nach dem Kontrollieren seiner Papiere weiter fahren. Zwei Monate später am 27. September 1985 überfiel der Hammermörder die Raiffeisenbank in Rosenberg, wo er 11 000 Mark erbeutete und mit dem Auto eines Bankangestellten flüchtete. Diesmal konnte ein Phantombild erstellt werden, das zu Nobert Pöhlke führte. Der zweifache und verheiratete 34 Jahre alte Familienvater war selbst ein Polizeibeamter im mittleren Dienst in Baden-Württemberg, der in einem Dorf in Strümpelbach im schicken Eigenheim wohnte, aber hoch verschuldet war. Nobert Pöhlke wurde vernommen. Doch aufgrund von Ermittlungsfehlern, verfolgte die Polizei seine Spur nicht weiter. Zwischenzeitlich wurde auch ein italienisch stämmiger Polizist verdächtig, was sich aber als Irrtum herausstellte. Nach über 4 482 überprüften Spuren geriet erneut der Polizeiobermeister und Diensthundeführer der Landesdirektion Stuttgart II, Nobert Pöhlke, ins Visier der Ermittler. Schon bald hatten diese Klarheit, ob Nobert Pöhlke der Täter war, da die Dienstwaffen aller Polizeiangehörigen im Raum Stuttgart mit den Projektilen aus den Tatwaffen überprüft wurden. Doch bevor die Handschellen klickten, erschoss Nobert Pöhlke am 13. Oktober 1985 in seinem Haus in Strümpelbach in der Ludwigsburger Straße 26 seine Ehefrau Ingeborg und seinen 7 Jahre alten Sohn Adrian. Dann flüchtete er zusammen mit seinem 4 Jahre alten Sohn Gabriel nach Italien. Er fuhr über 1 400 Kilometer bis er am Strand von Brindisi ankam, dort erschoss er zuerst Gabriel und dann sich. Erst nachdem Nobert Pöhlke am 18. Oktober 1985 nicht zum Dienst erschienen war und die Leichen im Haus gefunden wurden, war klar, dass Nobert Pöhlke der Hammermörder war. Die Raubmordserie begann nach dem Tod seiner Tochter Cordula, die im Alter von 4 Jahren im März 1984 an einem Gehirntumor gestorben war. Nobert Pöhlke gab sich insgeheim die Schuld am Tod seiner Tochter, da er ihr die Behandlung durch teure Privatärzte nicht ermöglichen konnte. Bis heute zählt diese Raubmordserie zu den aufsehenerregendsten Kriminalfällen in Deutschland, die Stoff für zahlreiche Filme und Bücher bot und bietet. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Wildparadies Tripsdrill in Cleebronn, in dessen Dorf einst Nobert Pöhlke die Volksbank überfallen und 78 000 Mark erbeutet hatte. 🙂

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