Der große Goldschmuggel

Isabella Müller @isabella_muenchen Darmstadt Hessen Germany

Der größte deutsche Goldschmuggelprozess endete am 8. Dezember 1972 vor der 9. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt. Insgesamt waren 7 Männer angeklagt, die von Januar 1970 bis März 1971 unglaubliche 6.476 Kilogramm Goldbarren im Wert von 28,6 Millionen Mark aus der Schweiz per Flugzeug in die Bundesrepublik Deutschland gebracht hatten. Dies geschah ohne Zollanmeldung und somit ohne Zahlung von 11 Prozent Einfuhrumsatzsteuer. Dem Fiskus entgingen 2,9 Millionen Mark. Dieses illegale Gold erwarb die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt in Frankfurt, kurz Degussa genannt, über ihre Hamburger Niederlassung. Das Unternehmen zahlte dabei nicht nur den Goldpreis in Höhe von 28,6 Millionen, sondern auch die 11 Prozent Steuerabgabe, die scheinbar von den Verkäufern vorausbezahlt worden waren. Diese hatten die Steuer aber gar nicht bezahlt. Die Schmugglerbande agierte folgendermaßen. Der 31 Jahre alte Exportkaufmann Armin Krieger flog nach Zürich, um das Gold bei der Schweizerischen Kreditanstalt auf dem Flughafen Kloten zu kaufen, die er beim Zoll korrekt deklarierte. Danach flog Krieger mit einer gemieteten Maschine, die der Hobbypilot Bernd Cimadom flog, der vom Flugleiter Gerold Fischer begleitet wurde nach Rhein-Main, wo Krieger das Gold in Schließfächern deponierte. Ohne sein Handgepäck passierte er die Zollkontrolle. Erst danach wurden die Goldbarren aus dem Flughafen gebracht, in dem der Gepäckträger Otto Klee die Koffer mit den unverzollten Goldbarren aus dem Auslands-Ankunftstrakts des Flughafen in den Abfertigungsraum brachte, ohne dass er vom Zoll kontrolliert wurde. Damit alles reibungslos verlief, hatte Armin Krieger sowohl den Speditionskaufmann Lothar Fuchs, der auf dem Frankfurter Flughafen arbeitete und Blankozollformulare besorgte sowie den Zollhauptsekretär Walter Körber, der den Dienststempel für Zollerklärungen beschaffte, bestochen. Damit konnten diese den Degussa Goldkäufern die amtlich gültigen, gefälschten Papiere vorzeigen. Der Goldschmuggel im großen Stil flog dadurch auf, dass Gerold Fischer unangemeldet im Kleinflughafen Ockstadt gelandet war, wo Krieger mit dem Auto schon wartete um die Goldbarren zu verladen. Dies fiel einem Flugplatzangestellten auf, der aufs Rollfeld eilte, wo sich das Flugzeug und das Auto blitzschnell aus dem Staub machten. Der Angestellte hatte sich jedoch das Autokennzeichen notiert. Als Krieger zu Hause in Rüsselsheim ankam, wo der 29 Jahre alte Rainer Proest Kunststoff-Kleinfabrikant wie gewöhnlich auf ihn wartete, um die Goldbarren in Empfang zu nehmen und weiter zu verkaufen, wartete nicht nur dieser, sondern auch die Polizei auf ihn. Beide wurden verhaftet und 150 Kilogramm Goldbarren in Kriegers Kofferraum sichergestellt. Nachdem der Schmugglerring aufgeflogen war, dessen Leitspruch: „Gold komm her zu mir, ich öffne alle Arme dir“ war, kam es zum Prozess. In diesem wurde Armin Krieger zu 4 Jahren Gefängnis und 160.000 Mark Geldstrafe verurteilt. Rainer Proest wurde zu 4 Jahren und 3 Monate Haft sowie ebenfalls 160.000 Mark Geldstrafe verurteilt. Lothar Fuchs erhielt 3 Jahre Haft und 25.000 Mark Geldstrafe. Der Zollhauptsekretär Walter Körber bekam 7 Monate Haft und 1.000 Mark Geldstrafe. Der Gepäckträger Otto Klee wurde zu 2 Jahren und 3 Monate Gefängnis und einer Geldstrafe von 20.000 Mark verurteilt. Der Privatpilot Bernd Cimadom und der Flugleiter Gerold Fischer erhielten 10 und 9 Monate Haft und je 3.000 Mark Geldstrafe. Die Freiheitsstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Damit endete der größte Goldschmuggelprozess der Bundesrepublik Deutschland. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Darmstadt, in dem der Prozess einst stattfand. 🙂

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