Das personifizierte Böse

Isabella Mueller @isabella_muenchen Glasgow

Am 24. September 2006 verschwand die 23 Jahre alte polnische Studentin Angelika Kluk in Glasgow. Fünf Tage später wurde ihre Leiche in einem Hohlraum unter dem Fußboden in der St. Patricks´s Church in Glasgow gefunden, wo sie als Putzfrau nebenbei gearbeitet hatte, um ihr Sprachstudium an der Danziger Universität zu finanzieren. Schnell gerieten 3 Männer ins Visier der Ermittler. Einer von ihnen entpuppte sich später tatsächlich als Angelikas Mörder. Dieser war der schmächtige 60 Jahre alte Pat McLaughin, der kleine Handwerksarbeiten in der Kirche erledigte. Im Polizeiverhör hatte er ausgesagt, dass er am Tag des Verschwindens von Angelika noch mit dieser einen Schuppen gestrichen hatte. Nach dieser Aussage tauchte Pat McLaughin unter. Die Polizei fahndete daraufhin mithilfe der Medien nach ihm. Denn dieser war in Wirklichkeit Peter Tobin, ein verurteilter Sexualstraftäter, der 1994 wegen der Vergewaltigung von zwei 14 Jahre alten Mädchen in Hampshire zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war. Nach 10 Jahren wurde er entlassen und kehrte zunächst nach Renfrewshire, seinem Geburtsort zurück. Laut Obduktion war Angelika gefesselt, geknebelt und vergewaltigt worden. Darüber hinaus war sie mit einem Holzstock geschlagen worden und 16 Mal wurde ihr mit einem Messer in die Brust gestochen. Die am Tatort gefundene DNA ergab eine Übereinstimmung in der UK National Criminal Intelligence Database und dies war Peter Tobin. Dieser war nach Angelikas Ermordung nach London gezogen, wo er unter falscher Identität lebte. Als er dort ein Krankenhaus aufsuchte, wurde er von einer Patientin erkannt und kurz darauf von der Polizei verhaftet. Nach einer sechs Wochen langen Verhandlung wurde er im Mai 2007 vor dem High Court in Edinburgh von einer Jury des Mordes an Angelika Kluk für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Da er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte, erhielt er eine weitere Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Eine Mindestdauerhaft von 21 Jahren wurde zudem festgelegt. Die Ermittler gingen davon, dass Angelika Kluk nicht das einzige Mordopfer von Peter Tobin war. Deshalb rief die Polizei von Strathclyde die verdeckte Operation Anagram ins Leben. Diese konzentrierte sich unter der Leitung von Detective Superindendent Swindle auf Peter Tobins Leben. Am 27. August 1946 hatte Peter Britton Tobin als Sohn eines Ingenieurs als jüngstes von sieben Kindern in Renfrewshire das Licht der Welt erblickt. Die meiste Zeit seiner Kindheit verbrachte Peter in Kinderheimen. Bereits im Teenageralter begann seine Karriere als Kleinkrimineller, der sich auf Diebstahl und Urkundenfälschung spezialisiert hatte und 1970 deswegen verurteilt worden war. Im Zeitraum von 1969 bis 1990 ging er drei Ehen ein, die alle aufgrund seiner Gewalttätigkeit zur Scheidung führten. Insgesamt lebte Tobin ein Nomadenleben. Er zog über 60 Mal um und besaß unzählige Handy-SIM-Karten. Bei den Nachforschungen über Peter Tobin stießen die Ermittler auf zwei Cold Cases. Am 10. Februar 1991 war die 15 Jahre alte Vicky Hamilton als sie auf den Bus nach Redding wartete verschwunden. Mehrere Monate danach war die 18 Jahre alte Dinah McNicol, die per Anhalter von dem Musikfestival Torpedo Town in Liphook nach Hause trampte, verschwunden. Damals lebte Peter Tobin unweit von beiden Tatorten in einem Haus in Margate. Als die Ermittler das Grundstück des Hauses untersuchten, entdeckten sie die zerstückelten Leichen der beiden jungen Frauen, die in schwarzen Müllbeuteln von Peter Tobin dort begraben worden waren. Er hatte beide Frauen wie auch die Studentin Angelika gefesselt, geknebelt und missbraucht. Im Dezember 2008 wurde er wegen dem Mord an Vicky Hamilton abermals zu lebenslanger Haft mit einer Mindestfreiheitsstrafe von 30 Jahren verurteilt. Außerdem wurde er am 16. Dezember 2009 vor dem Chelmsfort Crown Court wegen dem Mord an Dinah McNicol zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Peter Tobin wurde im Zusammenhang mit weiteren Morden gebracht, unter anderem auch mit einer Mordserie, die sich Ende der 1960er in Glasgow ereignete. Der Serienkiller wurde als Bible John bezeichnet, der 3 Frauen auf ihrem Nachhauseweg vom Tanzclub Barrowland Ballroom in Glasgow ermordet hatte. Doch eindeutige Beweise, dass es sich um Peter Tobin handelte, gab es nicht. Peter Tobin, dem die Opfer wortwörtlich scheißegal waren, galt in den Medien als das Personifizierte Böse, der am 8. Oktober 2022 mit Handschellen an seinem Krankenbett in Edinburgh verstarb. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Glasgow, wo einst durch den Leichenfund der polnischen Studentin Angelika Kluk, Peter Tobin als eiskalter Serienmörder entlarvt wurde. 🙂

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