Die Kindsmörderin

Die erste Frau, die nach 90 Jahren wieder in der Weltmetropole Wien hingerichtet wurde, war die Kindsmörderin Juliane Hummel. Diese war die einzige und erste Frau, die unter der Regentschaft von Kaiser Franz Josef, der meist zum Tode Verurteilte begnadigte, öffentlich am Würgegalgen getötet wurde. Doch ihr Verbrechen an ihrer eigenen Tochter Anna war so abscheulich, dass dieser keine Gnade walten ließ. Am 9. März 1899 stellte ein Arzt in Wien den Totenschein für die 5 Jahre alte Anna Hummel aus. Aufgrund ihrer unzähligen Verletzungen und Narben an ihrem Körper befragte der Arzt die Eltern, die behaupteten, dass diese von Stürzen stammten. Der Arzt veranlasste eine Obduktion, deren Ergebnis am 11. März bewies, dass Anna, die nur noch 9 Kilogramm wog, nicht nur Riss- und Quetschwunden im Gesicht, sondern ein gebrochenes Schlüsselbein und gebrochene Rippen sowie Entzündungen bei den Bruchstellen, Hautabschürfungen und verkrüppelte Hände hatte. Daraus schloss er, dass Anna über einen längeren Zeitraum von ihren Eltern keine Nahrung bekommen hatte und misshandelt worden war. Aufgrund des erschütternden Obduktionsergebnisses wurden Annas Eltern verhaftet, die in einer kleinen Wohnung in der Paulinengasse 6 im 18. Wiener Gemeindebezirk Währing wohnten. Juliane hatte ihren Ehemann Josef, einen Tagelöhner, bereits im Alter von 15 Jahren kennengelernt, als sie von Bruck an der Leitha, wo sie bei einem Mann aufwuchs, in die Donaumetropole Wien gezogen war. Am 27. März 1894 wurde Anna als uneheliches Kind geboren. Ein Jahr nach ihrer Geburt heiratete das Paar. Die ersten zwei Jahre verbrachte Anna bei einer Pflegemutter. Erst 1896 als Juliane einen Sohn zur Welt brachte, kam Anna zu ihnen zurück, da Juliane nun nicht mehr arbeiten gehen konnte. Ab da begann der Leidensweg der kleinen Anna, die durch Schläge mit Fäusten, einem Rohrstock und einem Schürhaken sowie durch Nahrungsentzug, Verbrennungen der Hände in heißem Wasser täglich von ihren Eltern, besonders von ihrer Mutter Juliane gequält wurde. Anna hatte noch nicht einmal ein eigenes Bett. Sie musste in einem Holzkoffer oder auf dem nackten, kalten Fußboden schlafen. Die Nachbarn sahen in diesem Fall nicht weg und zeigten das Ehepaar bei den Behörden an. Diese besuchten das Paar viermal. Danach kam es am 8. Juni 1899 im Bezirksgericht Währing nur zu einer richterlichen Verwarnung. Im Schwurgerichtsprozess im November 1899 sagten viele Zeugen aus, dass Anna von ihren Eltern misshandelt worden war. Julianes Schwägerin, Christine Hummel sagte aus, dass Juliane nach der Verwarnung mit ihrem Ehemann ins Wirtshaus gegangen war, wo sie kundgab, dass sie Anna nun nur noch mit der Faust auf die Brust schlage, um blaue Flecken zu vermeiden. Sie bezeichnete dort ihre eigene Tochter als Kanaille, die laut einer anderen Zeugin ratenweise sterben sollte. Dabei war sie selbst die Kanaille. Vor Gericht gestand das Ehepaar teilweise die Misshandlungen, leugnete aber vehement eine Tötungsabsicht. Josef Hummel sagte aus, dass Juliana Anna nur deshalb geschlagen hatte, da sie den Jungen einfach lieber gehabt hatte. Am 14. November 1899 befanden die Geschworenen Juliane und Josef Hummel des Mordes an Anna Hummel einstimmig für schuldig. Beide wurden zum Tode durch den Strang verurteilt. Da seit 1809 keiner mehr hingerichtet worden war, ging das Ehepaar davon aus, dass sie von Kaiser Franz Josef einem Gegner der Todesstrafe, begnadigt werden würden. Doch nur bei Josef Hummel ließ der Kaiser Gnade walten, dessen Todesstrafe er in lebenslangen Kerker umwandelte. Juliane Hummel wurde am 2. Januar 1900 als einzige und erste Frau unter der Regentschaft von Kaiser Franz Josef im Alter von 29 Jahren im Hof des Landgerichts Wien hingerichtet. Die Hinrichtung am Würgegalgen führte der böhmische Scharfrichter Leopold Wohlschläger durch, der dafür extra nach Wien angereist war. Eine Dreiviertelstunde dauerte der Todeskampf von Juliane Hummel, deren Schädel man bis heute im Wiener Kriminalmuseum bewundern kann. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Türkenschanzpark im 18. Wiener Gemeindebezirk Währing, wo einst die kleine Familie Hummel bis zu Annas Tod gelebt hatte. 🙂

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