Ein exzentrischer Baron, der es liebte, derbe Streiche mit seinen Mitmenschen zu spielen, war Gisbert von Romberg II., der am 20. Juli 1839 als ältester Sohn eines der reichsten Adelsfamilien im Königreich Preußen in Münster geboren wurde. Gisbert genoss eine standesgemäße Schulbildung, der 1866 als Offizier des Kürassier Regiments am Deutschen Krieg, der Fehde zwischen dem Deutschen Bund und Preußen teilnahm. Nach dem Tod seines Vaters 1869 übernahm Gisbert die Familiengeschäfte und errichtete während des Deutsch-Französischen Krieges in Brünninghausen, heute ein Stadtteil von Dortmund, wo die Familie seit über 450 Jahren ein Schloss und einen Park besaß, ein Lazarett für Kriegsverwundete. Doch Gisbert von Romberg, der Geld wie Heu hatte, war nicht nur ein Wohltäter, sondern auch für seine Eskapaden bekannt. Er war ein passionierter Pferdeliebhaber, der viel Geld für Pferderennen ausgab und stets zu skurrilen Scherzen aufgelegt war. Einmal wettete er, dass seine Schweine im Rennen gegen ein berühmtes Rennpferd siegen würden. Um die Wette zu gewinnen, trainierte er die Schweine und ließ diese hungern. Beim Rennen rannten die hungrigen Schweine im Galopp zum Futtertrog. Das Pferd hatte keine Chance gegen die Schweine. Auch sein Ritt über den Töpfermarkt vor der Dortmunder St. Reinoldikirche ist legendär, bei dem alle Töpferwaren zu Bruch gingen. Gisbert von Romberg konnte darüber nur lachen und bezahlte die wütenden Marktfrauen einfach für die kaputt gegangene Waren. Gisbert von Romberg war auch dafür bekannt, dass er sich einen Spaß machte, wenn er wildfremde Menschen in seiner Kutsche mitnahm. Wenn diese dankbar mitfuhren, ließ er die Pferde durchgehen, so dass die Kutsche in rasantem Tempo über Stock und Stein raste. Manchmal flog sogar der Insasse in hohem Bogen aus der Kutsche oder brach sich sämtliche Knochen. Gisbert von Romberg selbst überstand die Kutschfahrt unbeschadet, was vielleicht daran lag, dass er vor der Höllenfahrt stets einen intus hatte. Natürlich kam Gisbert für den entstanden Schaden auf. Auch seine Ehefrau musste diese Kutschfahrten ertragen, die danach mit einem Aufenthalt in einer Suite eines Hotels und schönen Kleidern entlohnt wurde. In Gasthäusern pflegte Gisbert alles kurz und klein zu schlagen. Champagnerflaschen köpfte er mit seinem Spazierstock, so dass die prickelnde Flüssigkeit über den Boden floss. Gisbert war ein Fan des Dortmunder Musikus Franz Giesenkirchen, den er nicht nur zu Festen auf sein Schloss einlud, um ihm dann als Dank einen Schlag auf dessen Zylinderhut zu verpassen, sondern er ließ diesen auch ein Konzert spielen, als er am Dortmunder Bahnhof ankam. Gisbert war für seinen Schabernack bekannt, den er zu zusammen mit seinem Freund dem Münsteraner Zoodirektor Hermann Landois genoss, da beide den „Liebesbund zur Vereselung der Welt“ teilten. Aufgrund seiner Eskapaden versuchten die Vettern Graf Gisbert von Wolf-Metternich und Freiherr Clemens von Romberg ab 1881 einen Entmündigungsverfahren wegen Trunkenheit und Verschwendung vor dem Amtsgericht Dülmen durchzuboxen, da das Familienerbe auf dem Spiel stünde. Doch Gisbert konnte durch seine Anwälte belegen, dass er das Vermögen trotz seines ausschweifenden Lebensstils sogar vermehrt hatte. Aufgrund seiner legendären Streiche wurde der Autor Josef Winckler 1923 zum Schelmenroman „Der tolle Bomberg“ inspiriert, der 1932 und 1957 verfilmt wurde. Dadurch entstand der Mythos vom exzentrischen Baron Gisbert von Romberg, dessen Abenteuer teilweise real und frei erfunden waren. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Münster, dem Geburtstort des tollkühnen Barons Gisbert von Romberg. 🙂


















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