Der ausgetrickste Räuberhauptmann

Ein berüchtigter Räuberhauptmann, der fast ein Jahrzehnt lang mit seiner Räuberbande für Angst und Schrecken in Niederösterreich, Böhmen und Mähren sorgte, war Johann Georg Grasel, der von allen nur „großer Hansjörgel“ genannt wurde. Der 1,70 Meter große, schlanke Johann mit grauen Augen, dunkelbraunen Haaren und bleichem Gesicht, der stets eine Pistole, Messer, Stilett und Terzerole bei sich trug, erblickte am 4. April 1790 als Sohn des Schinderknechts Thomas Grasel und dessen Ehefrau Regina in Neu-Serowitz in Mähren das Licht der Welt. Im Mittelalter war der Beruf des Schinders, auch Wasenmeister oder Abdecker genannt verpönt, obwohl diese durch die Tierköderverwertung die Verbreitung von Krankheiten und Seuchen verhinderten. Thomas Grasel, der ein Trunkenbold war, verübte genauso wie seine Ehefrau Regina Diebstähle, um so die Familie über Wasser zu halten. Johann wurden die kriminellen Gene quasi in die Wiege gelegt. Als Georg 2 Jahre alt war, wurde sein Vater wegen diverser Strafdelikte zu 10 Jahren Kerker verurteilt, die er im berüchtigten Gefängnis Spielburg in Brünn absitzen musste. Regina musste sich in dieser Zeit allein um Johann und dessen Schwester Anna Maria kümmern. Durch Betteln sicherten diese sich ihren Lebensunterhalt. Johann und seine Schwester waren Analphabeten, die nie eine Schule besuchten. Bereits mit 9 Jahren wurde Johann wegen Diebstahl und Herumtreiberei festgenommen und ins Schlossgefängnis Drosendorf gebracht. Anno 1803 siedelte die Familie in die ungarische Stadt Veszprém um. Dort betrieb Thomas Grasel eine Wasenmeisterei. Nach drei Jahren kehrte die Familie wieder nach Niederösterreich zurück, wo Thomas Grasel 1806 erneut verhaftet und ins Gefängnis nach Spielburg gebracht wurde. Die Familie setzte daraufhin ihre Betteltour fort, um zu überleben. Im März 1806 musste Johann auf Anweisung seiner Mutter bei einem Einbruch in Raabs an der Thaya Schmiere stehen, als der gesuchte Verbrecher namens „Klampfererwastl“ einen Einbruch verübte. Als Johanns Vater 1809 vorzeitig aus dem Gefängnis Spiegelburg in Brünn entlassen wurde, ging dieser mit Johann auf Diebestour. In den darauffolgenden Jahren scharrte Johann immer mehr Kriminelle um sich, mit denen er auf Raubzüge ging. Seinen größten Coup landete er im August 1814 als er einen Kaufmann in Groß-Siegharts überfiel und Wertgegenstände in Höhe von 5.000 Gulden entwendete. Allein 1814 beging Johann mit seiner Räuberbande 71 Straftaten. Das abscheulichste Verbrechen von Johann war der Raubmord an der 66 Jahre alten Anna Marie Schindler in der Nacht auf den 19. Mai 1814 in Zwettl, die mit einer Eisenstange brutal erschlagen wurde. Um diesen zu Lebzeiten schon prominenten Räuberhauptmann des Waldviertels und Südböhmens zu fassen, wurde am 7. November 1815 in Niederösterreich eine Personenbeschreibung von Grasel veröffentlicht, dessen Ergreifung mit 4.000 Gulden belohnt wurde. Schon im Februar hatte das Kreisamt Krems eine Ergreiferprämie von 1.000 Gulden ausgesetzt, die nun auf 4.000 Gulden erhöht worden war. Über 800 Soldaten suchten nach Johann Georg Grasel, der häufig seine Identität durch falsche Namen wie Frey, Haller, Schönau, Eigner und Kohl versuchte zu verschleiern und nicht nur eine Schwäche für Tanz, sondern auch für schöne Frauen hatte. Letztere wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Johann wollte nach dem Fahndungsaufruf nach Schlesien fliehen. Doch er wollte dies nicht ohne seine geliebte Freundin Resi Hamberger tun, die aber dummerweise in Drosendorf im Gefängnis saß. Angespornt von der hohen Belohnung schmiedeten der Drosendorfer Justiziar Franz Joseph Schopf und der Polizeispitzel David Mayer einen Plan, um den gesuchten Grasel dingfest zu machen. Sie benutzten dessen Freundin Resi als Köder und sperrten zu dieser in die Zelle ihre gemeinsame Bekannte Therese Penkhart. Diese freundete sich mit Resi an, die schon bald erzählte, dass Grasel sie aus dem Gefängnis befreien und mit ihr flüchten werde. Doch wenige Tage danach befreite nicht Grasel Resi, sondern der Polizeispitzel Mayer täuschte einen Gefängnisausbruch vor, in dem er Therese und Resi befreite. Als Grasel über den Gefängnisausbruch informiert wurde, arrangierte dieser ein Treffen mit Mayer, Therese und Resi in einer Wasenmeisterei in Horn. Da es spät war, wollte sie in der Nacht zum 20. November 1815 im Gasthaus in Mörtersdorf übernachten, wo Grasel verhaftet werden sollte. Dies hatte Mayer mit dem Justiziar Schopf ausgeheckt. Da dieser nicht Vorort war, fasste Mayer kurzerhand Plan B, in dem ihm der Wirt und die Gäste helfen sollten, Grasel dingfest zu machen. Aber als Mayer mit Grasel die Wirtsstube betrat, verließ diese der Mut, worauf Mayer versuchte Grasel allein zu überwältigen, der sich heftig wehrte. Schließlich eilten zwei Soldaten Mayer zu Hilfe und Grasel konnte dadurch überwältigt werden. David Mayer erhielt die Ergreiferprämie von 4.000 Gulden und Therese Penkhart wurden 400 Gulden als Belohnung zugesprochen. Grasel wurde nach Horn gebracht und von dort als Gefangener nach Wien transportiert, wo er wegen 205 Straftaten, die er von 1806 bis 1815 in Niederösterreich, in Böhmen und Mähren begangen hatte, vor das Militärgericht gestellt wurde, dessen Kommission aus 14 Mitgliedern ihn und seine Komplizen Jakob Fähding und Ignatz Stangel am 28. Januar 1818 zum Tode durch den Strang verurteilten. Am 31. Januar 1818 um 8 Uhr früh wurde der erst 28 Jahre alte Johann Georg Grasel gemeinsam mit seinen beiden Komplizen vor den Augen Tausend Schaulustiger auf dem Glacis vor dem Neutor in Wien exekutiert. Vor seiner Hinrichtung küsste Grasel noch das Kruzifix, den Geistlichen und Henker, dessen letzte Worte angeblich waren: „Jessas so vül Leit!“ Damit endete zwar das Leben des Räuberhautmannes, aber bis heute liefert dieser viel Lese- und Filmstoff. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Österreichs Hauptstadt Wien, wo Johann Georg Grasel einst öffentlich durch den Strang hingerichtet wurde. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!