Eines der Wahrzeichen der Hansestadt Wesel am unteren Niederrhein, das von der einstigen Festung der Stadt zeugt, ist das Berliner Tor. Dieses barocke Prunktor der Festung wurde als Wesel zu Preußen gehörte im Auftrag von König Friedrich Wilhelm I. nach den Plänen des Berliner Hofbaumeisters und Kommandanten der Festung Wesel, Jean de Bodt, im Stil des preußischen Barocks nach dem Vorbild französischer Triumphbögen von 1718 bis 1722 an der Stelle der Dänischen Pforte aus rotem Backstein errichtet. Für die Bildhauerarbeiten wurde Guillaume Hulot engagiert, der schon für die Gärten des Schloss Versailles Skulpturen gestaltet hatte. Das Tor mit seinem reichen Skulpturenschmuck galt als Symbol der Macht für die Inbesitznahme der niederrheinischen Stadt durch Preußen, das damals die stattliche Summe von 70.000 Reichstalern kostete. Doch bereits während der Französischen Revolution 1792 wurde das Berliner Tor seines Skulpturenschmucks sowie der Attika mit Inschrift beraubt. Durch den Verlust der Bedeutung der Festung Wesel wurden stadtseitig die Seitenflügel mit Arkaden 1892 abgetragen, weshalb das Tor nun isoliert steht. Anno 1897 ließ Paul Clemen die Zierelemente rekonstruieren. So wurde an der Feldseite die Attika mit Krönungstrophäe des Kölner Bildhauers Ernst Altmann von 1898 bis 1899 vollständig nachgebildet. Doch Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 97 Prozent der historischen Bausubstanz von Wesel zerstört, auch die Stadtseite des Berliner Tores wurde stark beschädigt. Nach einer umfassenden Rekonstruktion 1996 wird das Portal von zwei dorischen Säulen, auf denen die überlebensgroße Göttin Minerva und der überlebensgroße Halbgott Herkules aus Sandstein stehen, flankiert. Über der Göttin Minerva ist ein Medaillon mit einem preußischen Adler, der zur Sonne fliegt zu sehen mit der Inschrift „Er weicht der Sonne nicht“, eine Anspielung auf den französischen Sonnenkönig, dem Friedrich Wilhelm I. die Stirn bot. Über dem Halbgott Herkules ruht im Medaillon ein Löwe mit der Inschrift „Selbst in der Ruhe zu fürchten“. Der Durchgang ist mit einem Relief versehen, das die Personifikation der Flüsse Rhein und Lippe darstellt. Gekrönt wird das Berliner Tor mit einer großen Trophäe mit Königlich-Preußischen Wappenschild, das von je einer den Ruhm Preußens verkündenden Fama-Figuren flankiert wird. Das Berliner Tor ist das einzige noch erhaltene von einst 13 Stadttoren, das als Wachgebäude, Gefängnis und Kommandantur genutzt wurde. Seit 2018 gehört es zur LVR-Niederrheinmuseum Wesel, in dem sich heute eine Pop-Up-Bar befindet. Das Berliner Tor in Wesel ist ein wichtiger Zeitzeuge, das als eines der bemerkenswertesten Baudenkmäler des weltlichen Barocks am Niederrhein gilt und mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂










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