Ein dunkles Kapitel der Geschichte ist die grausame Hexenverfolgung in Europa, bei der bis ins 17. Jahrhundert unschuldige Frauen auf dem Scheiterhaufen ihr Leben ließen. Eine dieser Frauen war Anna Kramer, die 1619 in Leiße, heute Liesen im Sauerland, im Kurkölner Amt Medebach geboren wurde. Ihre Eltern waren der Tagelöhner Johann Kramer und Elisabet Reisthal. Annas Mutter verstarb früh an der grassierenden Pest. Nach deren Tod heiratete ihr Vater ein zweites Mal. Doch Annas neue Stiefmutter war eine strenge Frau, die keinen Hehl daraus machte, dass sie Anna nicht sonderlich mochte, weshalb Anna gegen geringes Kostgeld in die Obhut ihrer Tante, der kinderlosen Witwe Margareta Eitler kam. Als Anna 12 Jahre alt war, starb ihr Vater. Trotz dass Annas Tante kein Kostgeld mehr bekam, durfte Anna bleiben. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Truchsess-Scheerische Kompanie 1634 beschlossen ihr Winterquartier in Leiße zu verbringen. Annas Tante gewährte drei Männern der Kompanie in ihrem Haus Unterschlupf. Einer dieser Männer war Albert Kohler, in den sich Anna sofort verliebt. Die Hochzeit der beiden fand am 20. Februar 1635 statt. Nachdem Annas Ehemann im Herbst aus der Kompanie entlassen worden war, kehrten sie in seinen Heimatort Veringenstadt zurück, wo Alberts Mutter ihm die Badstube seines verstorbenen Vaters und Feldstücke übergab. Albert arbeitete fortan als Bader, weshalb Anna von den Einheimischen den Namen Bader-Ann erhielt. Die Ehe verlief glücklich, aus der 5 Kinder hervorgingen, bis Albert nach 21 Jahren Ehe das Zeitliche segnete. Ein Jahr später im Jahr 1657 heiratete die 37 Jahre alte Anna den 51 Jahre alten Hufschmied Andreas Endriß. Dieser war im Gegensatz zu ihrem ersten Ehemann ziemlich grob zu Anna. Es kam immer wieder zu lautstarken Auseinandersetzungen, die darin endeten, dass Andreas Anna grün und blau schlug. Da die Streitigkeiten öffentlich ausgetragen wurden, beschwerten sich die Einheimischen beim örtlichen Schultheiß über Anna und ihren Ehemann. Anna versuchte immer wieder aus der Ehehölle zu entkommen, in dem sie als Heilerin in der Umgebung tätig war. Dann wurde Anna von ihrer Nachbarin als Hexe denunziert. Diese hatte von Anna im Herbst 1668 einen Brei bekommen. Nachdem Verzehr erkrankte sie so schwer, dass sie daran fast gestorben wäre. Nachdem sich die Beschwerden gegen Anna häuften, kümmerte sich nun der fürstliche Vizekanzler Dr. Johann Kirsinger um den Fall, der alle Einheimischen verhören ließ. Da es sich um bloße Verdächtigungen handelte, wurden erstmal alle Vorwürfe gegen Anna ad acta gelegt. Allerdings wurde der Schultheiß beauftragt, allen Hinweisen nachzugehen. Dann behauptete der Maurer Mathias Allgaier, dass seine geliebte Ehefrau an einem Schadzauber gestorben und sein Sohn davon schwerkrank geworden sei. Sofort fiel der Verdacht auf Anna, die am 11. Mai 1680 verhaftet und in den Kerker gesteckt wurde. In der Zwischenzeit ließ der abergläubische Vizekanzler vom 10. bis 17. Mai 1680, also in 7 Tagen von 7 Kindern im Alter von 13 Jahren aus Leinen ein Hemd, spinnen, weben und nähen. In dessen Saum wurden Zettel mit magischen Sprüchen genäht, um das Böse zu bannen. Dieses Hemd mit seinen halblangen Ärmeln sollte Anna während ihres peinlichen Verhörs tragen. Am 16. Mai 1680 wurden 16 Zeugen angehört. Anna hatte laut einem Zeugen dessen Pferd angestarrt, dass daraufhin Krämpfe erlitt. Ein anderer Zeuge sagte aus, dass sein Bruder vor 15 Jahren ein schwarzes Kalb in Annas Stall gesehen hatte. Die 61 Jahre alte Anna sollte zu einem Geständnis gezwungen werden. Aber diese blieb standhaft. Doch ohne Geständnis gab es keine Verurteilung. Doch dann setzte der Vizekanzler im dritten Verhör einen Scharfrichter ein. Anna wurde das Hexenhemd angelegt und auf einen Marterstuhl gesetzt. Ihre Hände wurden auf den Rücken gebunden, während ihre Arme umgedreht und mit einer Seilwinde rücklings über den Kopf gezogen wurden, bis sie aus den Gelenken gerissen wurden. Insgesamt 10 Folterverhöre musste Anna über sich ergehen lassen, die erst nach 20 Tagen voller Qualen ein Geständnis am 5. Juni 1680 ablegte. Anna war eine gebrochene Frau, die sich in allen ihr zur Last gelegten Punkten für schuldig bekannte. Sie hatte vor 35 Jahren einen Pakt mit dem Teufel geschlossen und mit diesem Unzucht getrieben. Vom Teufel hatte sie eine böse Salbe bekommen und damit Menschen und Vieh krank gemacht. Mit andern Hexen hatte sie nachts getanzt. Sie hatte Ernten durch Hagel vernichtet, damit die Menschen Hunger leiden mussten. Natürlich war dieses Geständnis an den Haaren herbeigezogen. Doch Anna wurde aufgrund dessen am 8. Juni 1680 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zuvor hatte Maximilian von Hohenzollern-Sigmaringen ihr die Gnade gewährt, ihr vor dem Scheiterhaufen den Kopf mit dem Schwert abzuschlagen. Das Hexenhemd von Anna existiert bis heute, das als einziges Zeugnis der Hexenverfolgung im Heimatmuseum Veringenstadt zu sehen ist. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Bamberg, das wie der Landkreis Sigmaringen eine Hochburg der Hexenverfolgung war. 🙂



























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