Es war der 14. Juli 1910 als spielende Kinder in einem Gebüsch in der Binder-Au am Dürnkrutplatz im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt eine entsetzlich entstellte Leiche einer jungen Frau fanden. Diese war nicht nur halbnackt und blutüberströmt, sondern ihr Körper war regelrecht zerfetzt worden. Die anschließende Obduktion ergab, dass die Frau, deren Körper mit Dutzenden Messerstichen übersät war, durch einen Stich in den Hals getötet worden war. Die einzige Spur, die der Täter am Tatort zurückgelassen hatte, war ein Abdruck seines Handballens. Bei dem Opfer handelte es sich um die 20 Jahre alte Josefine Peer, die aus Lechen in der Steiermark stammte. Sie lebte in einer Wohnung in der Klosterneuburgstraße 43 im 20. Wiener Gemeindebezirk Brigittenau. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Dienstmädchen und Gelegenheitsprostituierte, die in den Donauen und einschlägigen Etablissements nach Freiern Ausschau hielt. Die Recherchen der Kriminalisten des Sicherheitsbüros führten schnell zu dem 32 Jahren alten Christian Voigt, der nicht nur in der Nähe des Opfers lebte, sondern auch deren Liebesdienste in Anspruch genommen hatte. Der Zimmergehilfe, stammte aus Tettau, wo er 1878 das Licht der Welt erblickt hatte. Er wuchs unter schwierigen familiären Verhältnissen auf. Nach der Volksschule, hatte er eine Lehre als Zimmermann begonnen, die er aufgrund eines heftigen Streits mit seinem Lehrherrn hinschmiss. Danach führte er zunächst in Deutschland, dann auch in Österreich und der Schweiz ein Vagabundenleben. Er wurde mehrfach wegen Bettelei und Landstreicherei verhaftet. Am 1. Juli 1887 hatte er einen Zimmermann angeblich in Notwehr niedergestochen, da er von 3 Zimmerleuten attackiert worden war. Jahre später fiel er erneut auf, da er in Bayern versucht hatte eine 20 Jahre alte Frau zu vergewaltigen und zu töten. Er wurde in die Irrenanstalt Hildburghausen eingeliefert. Im Mai 1902 wurde er in die Irrenanstalt Bayreuth verlegt, wo ihm im Juni 1902 die Flucht gelang. Schon im September 1902 beging er erneut einen Sexualmord. Da ihm ein Psychiater Geisteskrankheit diagnostizierte, wurde er abermals in die Irrenanstalt in Bayreuth eingewiesen. Zwar gelang ihm dort wieder die Flucht, doch diesmal konnte er schon kurz nach seinem Ausbruch aufgegriffen werden. Anno 1909 wurde er von dort als geheilt entlassen, was sich als tödliche Fehldiagnose herausstellte. Voigt zog in die österreichische Donaumetropole Wien, wo er eine Anstellung als Zimmergehilfe fand. Ein Jahr nach seiner Entlassung aus der Irrenanstalt ermordete er Josefine. Der Abdruck seines Handballens stimmte exakt mit dem am Tatort gefundenen überein. Am 17. August 1910 wurde Voigt verhaftet, der die Tat aufgrund der erdrückenden Beweise gestand. Am Abend des 13. August hatte er Josefine am Sportplatz getroffen. Diese wurde aufdringlich und dann ging alles ganz schnell. Voigt konnte sich an den Tathergang nicht mehr erinnern. Er wusste nur noch, dass er die Leiche zur Binder-Au geschleppt und im Gebüsch abgelegt hatte. Josefines Körper war mit Dutzenden Messerstichen übersät, ihre Brüste ließen sich fast abheben. Außerdem hatte sie einen tiefen Schnitt, der sich vom Bauch zwischen den Beinen hindurch zog und erst in der Nierengegend endete. Die Ärzte der medizinischen Fakultät der Universität Wien erstellten über Voigt ein Gutachten. Nach diesem war Voigt voll schuldfähig. Am 21. Oktober 1910 wurde Christian Voigt vom Geschworenengericht einstimmig des Mordes für schuldig gesprochen. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt. Sein Verteidiger versuchte verzweifelt die Hinrichtung aufgrund seiner Geisteskrankheit aussetzen zu lassen. Voigt hatte Glück, da sein Todesurteil durch einen Gnadenakt des Kaisers Franz Joseph am 19. Februar 1912 in eine lebenslange, verschärfte Kerkerstrafe umgewandelt wurde. Voigt saß seine Strafe im Zuchthaus Garsten in Oberösterreich ab, bis er 1930 vom Bundespräsidenten Wilhelm Miklas begnadigt wurde. In Freiheit zog er nach Bayern, wo er die Tochter eines Kaufmanns heiratete. Fortan arbeitete er im Geschäft seines Schwiegervaters mit. Voigt galt als resozialisiert, der ein großer Befürworter der NSDAP war. Eine Mitgliedschaft wurde ihm jedoch wegen seiner Vorstrafen verweigert. Anno 1939 starb Christian Voigt in Nürnberg, dem der österreichische Autor Robert Musil mit dem Roman „Mann ohne Eigenschaften“ ein Denkmal setzte. Der Protagonist des Romans, der geisteskranke Sexualmörder Moosbrugger, basiert auf Christian Voigt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Prater, der sich im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt befindet, wo Josefine Peer von Christian Voigt bestialisch im Blutrausch regelrecht mit einem Messer zerfleischt worden war. 🙂




















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