Das schönste Rokokoensemble Münchens

Isabella Müller München @isabella_muenchen

Das schönste Rokokoensemble Münchens, das Asamhaus und die Asamkirche, befindet sich in der Sendlinger Straße im Herzen Münchens. Das Asamhaus wurde wie auch die Asamkirche von den Brüdern Asam, dem Baumeister und Stuckateur Egid Quirin und dem Maler Cosmas Damian, errichtet. 1729 erwarben sie das Asamhaus und gestalteten es in den Jahren von 1733 bis 1734 zu ihrem Wohnhaus mit einzigartiger Barockfassade um. Das figurale Stuckdekor der Fassade diente als Vorzeigeobjekt für ihre eigenen Arbeiten. Direkt neben dem Asamhaus befindet sich die Asamkirche, die sie von 1733 bis 1746 errichteten, um ihr Seelenheil abzusichern. Die acht Meter breite und 22 Meter lange Kirche gilt heute als Meisterwerk der spätbarocken Architektur und die Gebrüder Asam zählen zu den wichtigsten Künstlern Münchens, die das Stadtbild Münchens entscheidend mitgestalteten und den bayerischen Barock prägten. Die Asamkirche wurde dem heilig gesprochenen Johann Nepomuk geweiht und darum lautet ihr offizieller Name auch St. Johann-Nepomuk- Kirche. Die Wahl auf Sankt Nepomuk soll der Sage nach darauf zurückzuführen sein, dass die Brüder bei einer Schifffahrt auf der Donau zum Kloster Weltenburg, dem sie kostbare Skulpturen bringen wollten, in Seenot gerieten. In ihrer Verzweiflung das Schiff könnte kentern, riefen sie den heiligen Nepomuk, Schutzpatron für Brücken, Städte und Bauwerke an, ihnen zu helfen. Tatsächlich blieben sie vom Unglück verschont und weihten ihre Kirche daraufhin dem heiligen Nepomuk. Die Kirche war zwar als Privatkapelle gedacht, wurde aber aufgrund der Proteste der Bevölkerung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ich muss gestehen, dass ich beim Anblick der Asamkirche überwältigt war. So wachsen aus dem Säulenkapitell des Eingangs zwei wuchtige Felsen. Besonders beeindruckend ist die Statue des heiligen Nepomuks, der von Engeln am Ostfenster umrahmt wird. Auf dem Giebel sind die göttlichen Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung dargestellt. Durch eine imposante Holztür mit vier Reliefs und zwei goldenen, sternenförmigen Verzierungen gelangte ich ins Kircheninnere. Dieses erschlug mich fast mit seinen zahlreichen Stuckaturen und Ornamenten, deren Vorbild italienische Kirchen waren. Dies mag daran liegen, dass die Gebrüder ihre Lehrzeit an der Accademia di San Luca unter dem italienischen Meister Lorenzo Bernini verbrachten. Die Gestaltung dieses prunkvollen Innenraums war nur möglich, da es sich um einen Privatbau handelte, der keine Auflagen hatte. Ein weiterer Augenschmaus ist der Chorbereich, dessen Dreifaltigkeitsfiguren durch versteckte Fenster indirekt illuminiert werden. Den Mittelpunkt der Kirche bildet der herrliche Hochaltar, auf den Egid Quirin Asam von seinem Schlafzimmerfenster aus direkt blicken konnte. Dieser wird bekrönt von Gottvater, der auf einem dreidimensional dargestellten Gnadenstuhl mit dreifacher, päpstlicher Tiara thront. Als genauso bemerkenswert empfand ich das riesige Deckenfresko, das Szenen aus dem Leben des heiligen Nepomuks darstellt. Der Kirchenraum gliedert sich vertikal in drei Bereiche auf. So gehört dem Besucher der untere Teil mit Sitzbänken, der das irdische Leid symbolisiert. Der mittlere Bereich in Weiß- und Blautönen gehalten, ist dem Kaiser vorbehalten, während der obere Bereich, dessen Licht auf das Deckenfresko gelenkt wird, Gott gewidmet ist. Der zweigeschossige Innenraum mit seinen unzähligen Malereien, Plastiken und Stuckarbeiten ist einzigartiges Gesamtkunstwerk, dessen Einweihung 1746 Cosmas Damian nicht mehr erleben konnte, da er bereits verstorben war. Die Asamkirche wurde während des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört, jedoch danach wieder detailgetreu restauriert. Das wundervolle Ensemble bestehend aus Asamkirche und Asamhaus mit seiner viergeschossigen Fassade und den aufwendigen Stuckarbeiten zählt zurecht zu den bedeutendsten Bauwerken im Stil des Spätbarocks, die mich immer wieder aufs Neue begeistern. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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