Leipzigs verschüttetes Kulturdenkmal

Isabella Müller Leipzig @isabella_muenchen

Direkt im Herzen Leipzigs neben der Universität befindet sich noch ein Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die sogenannte Moritzbastei. Namens- und Auftraggeber war der Kurfürst Moritz von Sachsen, der sie in den Jahren von 1551 bis 1554 anstelle des schwer beschädigten Henkersturm unter dem regierenden Bürgermeister Hieronymus Lotter errichten ließ. Im Jahr 1632 passiert das Unfassbare und die bis dahin als unbezwingbar geltende Bastion wurde von dem schwedischen General Holtz erstürmt. Eine erneute Eroberung erfolgte im Siebenjährigen Krieg von 1796 bis 1834. Nach Ende des Kriegs wurde die Moritzbastei als Depot für Handelswaren genutzt und diente als Arbeitsstätte für Glockengießer, Schwefelzieher, Buchdrucker und andere Gewerke. Danach wurde auf ihren Mauern eine klassizistische zweiflüglige Anlage mit ovalem Mittelbau gebaut, die in den Jahren von 1796 bis 1834 die erste konfessionslose Bürgerschule Deutschlands beherbergte. Danach diente sie von 1812 bis 1814 während der Befreiungskriege als Lazarett für russische Soldaten. In den Jahren 1848 bis 1875 wurde wieder in der Bürgerschule unterrichtet, während ihr Keller als Depot für Weinhändler diente. Ab 1875 wurde die Bürgerschule in eine Höhere Schule für Frauenberufe umfunktioniert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schule zerstört und ihre Trümmer wurden im Kellergewölbe deponiert. Ihre Mauern verschwanden unter den angehäuften Schuttbergen. Erst 1973 entdeckten Studenten bei Grabungen per Zufall Reste der Mortizbastei und beschlossen diese wieder vollständig herzurichten. Dafür befreiten über 30.000 freiwillige Studenten die Moritzbastei von über 40.000 Kubikmeter Schutt. Die Moritzbastei wurde zur populärsten Schwarzbaustelle der DDR, da ihre Kosten längst alle Planungen überstiegen hatten. Im Jahr 1979 wurde der Oberkeller fertig gestellt und 1982 war es endlich soweit und das gesamte Gebäude ging in den Besitz der Leipziger Studentenschaft der Karl-Marx-Universität über. Ab 1993 bis heute bewirtschaftet die Moritzbastei Betriebs GmbH das Gebäude als Kulturzentrum und Café, in dem regelmäßig kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Die Mortizbastei ist Leipzigs bekanntestes Kulturzentrum, das perfekt historische Architektur und modernes Kulturleben auf einer Fläche von 1.400 Quadratmetern mit acht gewaltigen Gewölbekellern und zwei begrünten Innenhöfen verbindet. Ich mag dieses einzigartige Kulturdenkmal mitten im Herzen Leipzigs, das allein durch die freiwillige Arbeit von Studenten heute wieder in neuem Glanz erstrahlt. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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