Der Justizskandal

Isabella Müller @isabella_muenchen Wiesbaden Frankfurt am Main

Unschuldig verurteilt zu werden und hinter Gittern zu landen, ist der Albtraum für jedermann. Genauso ein Justizskandal passierte in der Nachkriegszeit in Bremen. Am 1. Mai 1971 machte sich die 17 Jahre alte Schuhverkäuferin Carmen Kampa gegen 23 Uhr von der Diskothek Miramichi in Bremen-Oslebshausen, die unweit vom Bahnhof Oslebshausen lag, auf ihren Heimweg. Doch plötzlich und völlig unerwartet wurde sie von einem unbekannten Mann überfallen, überwältigt, vergewaltigt, erwürgt und zu guter Letzt wurden ihr noch 4 Messerstichen in die Brust versetzt. Dies hatte ein Fahrgast vom Zug 4498 aus beobachtet. Andere Fahrgäste hatten laute Frauenschreie gehört, worauf die Polizei alarmiert wurde. Diese traf gegen 23.35 Uhr am Bahnhof Oslebshausen ein, aber fand niemanden vor. Erst am 4. Mai 1971 wurde gegen Mittag die blutüberströmte, halbnackte Frauenleiche von Carmen Kampa am Bahndamm gefunden. Die Kriminalpolizei verfolgte über 1000 Spuren und auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ wurde über den Mord an Carmen Kampa berichtet, jedoch ohne Erfolg. Nach 2 Jahren galt der alkohlabhängige Bauarbeiter Otto Becker als dringend Tatverdächtiger, obwohl dieser homosexuell war. Trotzdem wurde er am 13. November 1973 verhaftet und wenig später wurde er wegen dem Mord an Carmen Kampa angeklagt. Tatsächlich wurde der homosexuelle Otto Becker wegen dem Mord an Carmen Kampa zu einer Gefängnisstrafe von 12 Jahren und 3 Monaten verurteilt. Das einzige Glück, dass Otto Becker hatte, war sein findiger Anwalt. Da die Kammer in der Person eines Schöffen falsch besetzt war, legte Otto Beckers Anwalt Heinrich Hannover wegen Verfahrensfehler erfolgreich Revision ein. Am 30. Oktober 1975 wurde das erste Urteil gegen Otto Becker vom Bundesgerichtshof aufgehoben und am 4. November 1976 wurde der Prozess gegen Otto Becker erneut verhandelt. In diesem gelang es seinem Anwalt die Spurenakte 59, die im ersten Verfahren dem Gericht nicht vorgelegt worden war, zu präsentieren. Aus dieser ging hervor, dass ein zweiter Mann namens Helmut Harynek genauso tatverdächtig war wie der der homosexuelle Otto Becker. Dies führte dazu, dass Otto Becker am 28. November 1976 vom Landgericht Bremen von dem Vorwurf Carmen Kampa ermordet zu haben, freigesprochen wurde. Über 40 Jahre strichen ins Land bis Ende April 2011 der Staatsanwalt Uwe Picard mit einem Cold-Case-Team den Mordfall an Carmen Kampa erneut aufrollte. Während der Tathergang vom 1. Mai 1971 am Bahnhof Oslebshausen rekonstruiert wurde, untersuchte das Rechtsmedizinische Institut an der Universität Mainz die Haare, die an der Kleidung von Carmen Kampa gefunden worden waren auf DNA- Merkmale. Seit 1971 hatte das Bundeskriminalamt Wiesbaden diese aufbewahrt. Alle anderen Beweismittel waren auf Anordnung eines gedankenlosen Staatsanwaltes 1990 vernichtet worden. Bei der erneuten Untersuchung erweckte die Spurenakte 135 das Interesse der Ermittler. Diese enthielt Informationen über den Bremer Wachmann Hermann R., der in der Mordnacht eine Kontrolluhr bei einer Firma am Bahndamm hätte stechen müssen, was er aber die ganze Nacht nicht getan hatte. Ferner wurde ein Stofftaschentuch von ihm am Tatort gefunden. Das Ergebnis der DNA-Analyse ergab, dass die Haare auf Carmens Kleidung von Hermann R. stammten. Seine Schwester hatte eine Speichelprobe abgegeben, da ihr Bruder Hermann R. bereits 2003 an den Folgen seiner Alkoholsucht gestorben war. Nach über 40 Jahren konnte der Mord an Carmen Kampa endlich aufgeklärt werden. Der damals 35 Jahre alte Wachmann Hermann R. hatte Carmen Kampa erst sexuell missbraucht und dann grausam getötet. Besonders Carmens Mutter freute sich, dass der Mörder ihrer Tochter gefunden worden war, die dessen tödliche verlaufende Krankheit als gerechte Strafe für sein schreckliches Verbrechen ansah. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Wiesbaden, wo einst im BKA die Haare auf Carmen Kampas Kleidung aufbewahrt worden waren, die letztendlich Hermann R. als den Mörder von Carmen Kampa überführten. 🙂

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