Ein tschechischer Robin Hood, der in vielen beliebten tschechischen Liedern und Romanen des späten 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Beschützer der Armen gegen die Obrigkeit verehrt wird, war der Räuberhauptmann Wenzel Babinsky. Dieser war der Sohn eines Tagelöhners, der 1816 in den Militärdienst eingetreten war. Da Babinsky der militärische Drill nicht gefiel, täuschte er nicht nur eine psychische Erkrankung vor, sondern bedrohte auch andere Soldaten. Dadurch erreichte er, dass er in ein psychiatrisches Militärkrankenhaus in Tschechiens Hauptstadt Prag eingewiesen wurde, aus dem er 1824 entlassen wurde. Seitdem zog er als Landstreicher umher und bestritt mit Diebstählen seinen Lebensunterhalt. Dafür landete er 1825 und 1829 im Knast. Doch Babinsky hatte Glück, da seine Anklagen wegen Diebstahls fallen gelassen wurden. Fortan mobilisierte er eine kleine Bande aus Wegelagerern, zu der auch seine Geliebte Apolena Hoffmann gehörte. Seitdem zog die Bande raubend und mordend durchs Land. Am 24. März 1830 überfiel die Bande das Haus des Müllers Anton Heine, den sie und dessen Haushälterin fesselten und 500 preußische Taler stahlen. Dummerweise erlitt Heine dabei einen Herzschlag, an dem er verstarb. In der Nacht vom 1. Mai 1830 drang die Bande in das Haus von Jan Paul in Lysá nad Labem ein, wo sie dessen Frau niederschlugen und Paul ans Bett fesseln wollten. Aber diesem gelang die Flucht. Er konnte ins Dorf flüchten und dort Hilfe holen. Als er zu seinem Haus zurückkehrte, fehlten ihm lediglich Kleidungsstücke im Wert von 15 Goldstücken. In der Nacht des 15. Januar 1831 stieg die Bande in das Haus des Fährmanns Jan Krejza in Brozany ein, um dessen Ersparnisse für den Kauf eines Gasthauses zu stehlen. Insgesamt erbeuteten sie 2.500 Goldstücke und Loscoupons im Wert von 380 Goldstücken. Babinsky avancierte zu einem der meist gesuchtesten Räuber, der am 19. Januar 1832 bei einer zufälligen Kontrolle im Dorf Hühnerwasser vom Dorfschulzen festgenommen wurde. Diesem fiel nicht nur Babinskys gefälschter Pass auf den Namen Josef Schmid auf, den Babinsky ein korrupter Kanzleischreiber der Stadt Vrchnov ausgestellt hatte, sondern zu allem Unglück waren Apolenas zwei geladene Pistolen aus ihrem Rock gefallen. Zwar gelang Apolena die Flucht, aber Babinsky landete trotz heftiger Gegenwehr, in dem er den Dorfschulzen in den Daumen biss und zwei Gehilfen verletzte, im Gefängnis in Prag. Aus diesem konnte er nach vier Monaten ausbrechen. In Freiheit ließ er sich in der Gegend von Oberkamnitz nieder, wo er sein größtes Verbrechen beging. Am 4. Juli 1833 überfiel er im Wald bei Hasel den Webereifaktor Johann Gottfried Blumberg aus Hirschfelde, den er mit 8 Messerstichen tötete. Er konnte 200 Taler, einige Ellen Stoff sowie Kaffee erbeuten. Die Fahndung nach Babinsky lief auf Hochtouren, der sich nun in Łódź versteckte, bis er 1835 auf die wahnwitzige Idee kam, unter dem Namen Anton Müller seine Heimatstadt Leitmeritz aufzusuchen. Dort wurde er zusammen mit seiner Geliebten Apolena und vier Bandenmitgliedern verhaftet. Wegen 12 Verbrechen wurden sie vor dem Kriminalgericht in Prag angeklagt. Da Babinsky als Drahtzieher der Verbrechen oftmals im Hintergrund agiert hatte, konnte er von den Zeugen nicht identifiziert werden. Darüber hinaus bestritt Babinsky vehement die ihm vorgeworfenen Verbrechen, weshalb ihm nur 6 Verbrechen eindeutig nachgewiesen werden konnten. Babinsky wurde am 1. Dezember 1840 zu 20 Jahren schwerer Zuchthausstrafe verurteilt. Seine Geliebte Apolena Hoffmann erhielt 12 Jahre schwere Zuchthausstrafe. Doch nur 15 Tage nach der Urteilsverkündung verstarb Apolena an Blutsturz. Babinsky wurde am 10. Juni 1841 als Häftling Nummer 1042 in die Festung Spielberg bei Brünn eingeliefert, deren Kasematten für die gefährlichsten Verbrecher der Habsburgermonarchie bestimmt waren. Babinsky war ein Musterinsasse, der stets einen Rosenkranz bei sich trug und betete, weshalb er das Vertrauen des Kaplans und der Gefängnisleitung gewann. Deshalb durfte er Kranke betreuen, was ihm Vergünstigungen einbrachte. Als das Gefängnis in Spielberg 1855 aufgelöst wurde, wurde Babinsky in die Haftanstalt nach Kartouze bei Jilín verlegt, aus der er 1861 entlassen wurde. Babinsky, der 65 Jahre alt war, fand eine Anstellung als Gärtner im Frauengefängnis in Řepy, die er bis zu seinem Tod am 1. August 1879 ausübte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der tschechischen Hauptstadt Prag, in der Babinsky Stationen seines Lebens verbracht hatte. 🙂





































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