Ikarus mitten in der Altstadt

Isabella Müller Eppingen Heilbronn @isabella_muenchen

Die historische Stadt Eppingen liegt idyllisch zwischen den Hügeln des Kraichgaus und ist über die Landesgrenzen hinaus für ihre Fachwerkhäuser bekannt. Zwischen diesen alemannischen und fränkischen Häuserzeilen befinden sich seit dem 6. Februar 2020 zwölf große Skulpturen des Bildhauers Gunther Stilling. Parallel dazu fand bis zum 28. Juni 2020 die Ausstellung „Hand und Fuß“ mit Arbeiten des Bildhauers im Stadt- und Fachwerkmuseum „Alte Universität“ statt. Die zwölf Skulpturen in Bronze zieren noch die nächsten zwei Jahre die mittelalterliche Altstadt und machen so Kunst im öffentlichen Raum für jedermann erlebbar. So konnte ich bei meinem Stadtrundgang allerlei Hände, Füße und Köpfe entdecken. Besonders die Skulptur des Ikarus zog mich sofort in ihren Bann und ich musste unwillkürlich an die Sage aus der griechischen Mythologie denken. Ikarus war der Sohn des Daidalos, der Theseus mit Hilfe des Ariadnefadens half, aus dem Labyrinth mit dem mächtigen Minotaurus zu entkommen. Dieser war dort von König Minos auf Kreta gefangen gehalten worden. Als Strafe wurde Daidalos mit seinem Sohn Ikarus selbst in das Labyrinth gesperrt. Daidalos war jedoch erfindungsreich und bastelte für sich und seinen Sohn Flügel aus Federn und Wachs, um so aus dem Labyrinth fliehen zu können. Er mahnte dabei seinen Sohn, dass dieser nicht zu hoch fliegen sollte. Doch Ikarus war übermütig und flog zu nah an die Sonne, so dass das Wachs schmolz, er ins Meer stürzte und starb. Dieses Entsetzen und den Schrecken über den Absturz hat Gunther Stilling in die Gesichtszüge der Kopfplastik gelegt. Die Skulptur, die einen Helm trägt, an dem sich flügelähnliche Objekte befinden und der vor Schrecken geöffnete Mund, drücken die ganze Tragik des Geschehens aus. Die zwölf Skulpturen beflügeln nicht nur die Fantasie, sondern regen zum Nachdenken an. Das neuste Kunstwerk des Bildhauers befindet sich seit Anfang November 2020 am Ufer des Elsenzbächleins auf dem Gartenschaugelände. Die zwölf Meter lange und vier Meter breite Skulptur mit dem Titel „Styx“ ist dem antiken Mythos des Fährmanns gewidmet, der die Seelen der Verstorbenen über den Fluss des Leidens ins Reich der Toten bringt. Die Skulpturen des Bildhauers beleben nicht nur das Stadtbild Eppingens, sondern sind auch wunderbare Beispiele für Public Art. Ich war fasziniert von diesen außergewöhnlichen Kunstwerken und wünsche Euch viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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