Ein waschechter Bayer und ein stadtbekannter Münchner war Joseph Huber alias der Finessensepperl, der 1763 als Sohn eines Kutschers in München geboren wurde und seitdem am Oberanger direkt in Münchens Altstadt lebte. Dank seines Erscheinungsbildes und seines Berufes war Joseph in ganz München bekannt. Denn was in der römischen Mythologie der Liebesbote Amor war, das war Joseph für die bayrische Landeshauptstadt München. Joseph war mit 1,50 Meter Körpergröße nicht nur klein von Wuchs, er hatte auch ein runzliges Weibergesicht und trug stets eine Kappe aus Leder, die er bis über beide Ohren gezogen hatte, so dass sein Haar vollständig verdeckt war. Darüber hinaus lief er tagein, tagaus in einem abgeschnittenen Spenzer herum. Sein wichtigstes Accessoires war jedoch sein geflochtener Korb, in dem er Liebesbriefe transportierte. Denn Joseph war ein Liebesbrief-Austräger. Schon frühmorgens kam seine Kundschaft zum Viktualienmarkt oder zum Fleischmarkt, um Liebesbriefe oder Botschaften zu bringen, die Joseph dann bei den betreffenden Personen abgab. Er war sozusagen ein „Postillion d´Amour“, der auch Dates vermittelte und Streits schlichtete. Joseph liebte seine Briefträgertätigkeit und trug immer einen Blechtopf bei sich. Dies hatte folgenden Grund. Wenn die Kunden ihn nicht mit Kleingeld bezahlten, nahm er gern Naturalien in seinem Blechtopf entgegen. Joseph galt als verschwiegen, der zwar über alles in München Bescheid wusste, aber nie ein Geheimnis verriet. Er hatte immer einen kessen Spruch auf den Lippen. So auch wenn ein Ehepartner Verdacht hegte, dass die andere Partie sich heimlich mit jemand anderen treffe, dann antwortete Joseph stets: „Nix Gwiss woas ma ned“. Diese Redewendung ist bis heute im bayrischen Sprachgebrauch tief verankert und brachte ihm den Spitznamen, Finessensepperl ein. Der Überbringer von Liebesbriefen war zu seinen Lebzeiten einer der prominentesten Männer in München, der mit der ebenfalls kleinwüchsigen „roten Nanni“ liiert war. Nach deren Tod wurde aus dem schlagfertigen Joseph, ein schmallippiger Mann, der sich nach einem brutalen Raubüberfall nur schwer erholte. Am 26. April 1829 verstarb der Finessensepperl, der drei Tage später auf dem Münchner Südfriedhof begraben wurde. Wenig später wurde dessen Grab allerdings geöffnet, um sein Skelett aufgrund seines Wuchses zu untersuchen. Dieses befindet sich heute als Ausstellungsstück im Pathologischen Institut in München. An den Finessensepperl erinnert auch ein Kragenkopf im Südwesteck am Mittelgewölbe des berühmten Karlstors. Hier sind 4 Münchner Originale als Steinplastiken verewigt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Bayerns Landeshauptstadt München, der Heimat des legendären Finessensepperls. 🙂
















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