Ein spektakulärer Anschlag auf den Luxuszug „Wien-Ostende-Express“, der täglich von Wien nach Ostende fuhr, ereignete sich am 10. April 1934. An jenem Tag, an dem es heftigen Schneeregen und Sturmböen gab, fuhr der aus Wien kommende Schnellzug gegen 01.15 Uhr in der Früh mit einigen Minuten Verspätung aus dem Linzer Hauptbahnhof. Um die Verspätung wieder wettzumachen, beschleunigte der Lokführer Anton Allmer auf 90 Stundenkilometer, bis er plötzlich einen lauten Knall zwischen den Ortschaften Niederbachham und Mitterbachham vernahm. Denn die Lok war aus den Gleisen gesprungen und umgestürzt, die beiden tonnenschweren Postwaggons dahinter hatten sich zusammengeschoben und waren die 2,5 Meter hohe Böschung herunter gerutscht. Zum Glück hatte sich der hintere Teil des Zuges mit den Schlafwaggons und den 8 Schnellzugwaggons nur verkeilt, aber die Postwaggons waren Schrott. Insgesamt wurden über 30 Menschen teils schwer verletzt und ein Todesopfer gab es zu beklagen. Dieses war der Heizer Ludwig Ranzenberger, der von den Kohlen erdrückt worden war. Wie konnte es nur zu dieser Katastrophe kommen? Dieser Frage gingen die Beamten des Gendarmeriepostens Hörsching nach. Kurz nach dem Unglück hatte das Bundesherr den Unfallort abgesperrt. Schnell stellten die Ermittler fest, dass die Bahnstrecke sabotiert worden war, in dem eine 25 Meter lange Eisenbahnschiene am Gleisbett entfernt worden war. Das Zugunglück war also kein Unfall, sondern wurde absichtlich herbeigeführt. Aber warum? War dieses ein politisches Zeichen der aufstrebenden Nationalsozialisten? Zwar liefen die Ermittlungen auf Hochtouren, doch monatelang gab es keine heiße Spur. Bis sich im September ein Mann bei der Polizei meldete. Dieser hatte bei der „Bachabkehr“, der Säuberung des trocken gelegten Bachbetts eines Mühlbaches unweit des Zugunglücks, einen unbekannten Mann beobachtet, der fieberhaft etwas im Bachbett suchte. Als er ihn ansprach, war dieser panikartig geflüchtet, ohne sein Fahrrad mitzunehmen. Dieses stellte sich als gestohlen heraus, dass einem Bauern aus der Umgebung von einem Mann entwendet worden war. Als die Polizei die Bachstelle daraufhin aufsuchte, fand sie Klauen- und Steckschlüssel. Mit diesem Werkzeug waren die Schraubmuttern an der Eisenbahnschiene gelockert worden. Dann strichen über 2 Jahre ins Land, ohne dass es irgendwelche Hinweise auf den oder die Täter der Zugkatastrohe gab, bis ein Zufall der Polizei zu Hilfe kam. Am 19. Dezember 1936 machte der Polizeibeamte Martin Krottenauer vom Posten Weißkirchen gegen 5 Uhr morgens seinen üblichen Kontrollgang, als er einen Mann auf einem Fahrrad ohne Licht bemerkte, der auf eine Brücke fuhr. Als er sich diesem näherte, bemerkte er, dass aus dessen Rucksack eine Eisenstange herausragte. Er stoppte den Radfahrer und wollte dessen Ausweispapiere sehen. Der Mann griff in seine rechte Hosentasche, aber nicht um seinen Ausweis herauszuholen, sondern er zückte einen Revolver, mit dem er sofort auf den verdutzten Polizisten schoss. Dann flüchtete er. Zwar schoss Krottenauer noch auf den flüchtenden Mann, aber er traf ihn nicht. Krottenauer hatte sich bei der Schießerei eine Schussverletzung im Oberarm zugezogen. Aber er konnte sich an den Mann erinnern, den er nur wenige Tage zuvor in den Traunauen gemeinsam mit dem Förster von Weißkirchen gesehen hatte. Der Förster wurde zu dem Mann befragt, der sich als sein Hilfsarbeiter Alois Strigl entpuppte. Der Mann mittleren Alters war ein gelernter Mauer, der arbeitslos war und sich seinen Lebensunterhalt durch Diebstähle finanzierte. Nach dieser Information statteten die Beamten Alois Strigl einen Besuch ab, in dessen Wohnung sie Diebesgut und Einbruchswerkzeug fanden. Unter der erdrückenden Last der Beweise gestand Alois Strigl, dass er gemeinsam mit dem Linzer Fabrikarbeiter Josef Scheinecker, einem gelernten Sattler, seit einigen Jahren Einbrüche verübt hatte. So auch am 19. Dezember 1936, in dem sie in den Pfarrhof in Sipbachzell eingebrochen waren. Auf seinem Rückweg war er dem Polizeibeamten Martin Krottenauer in die Arme gelaufen, auf den er dann geschossen hatte. In den folgenden Verhören stellte sich heraus, dass das Einbrecher-Duo auch für das Attentat des Ostende-Express am 10. April 1934 verantwortlich war. Bereits im Herbst 1932 hatten sie geplant den Schnellzug zu überfallen. Sie wollten die Geldsäcke aus den beiden Postwaggons stehlen. Denn hinter der Lok und dem Kohletender befanden sich zwei Postwaggons, in denen Postbeamte Briefe und Päckchen sortierten und Geldsäcke bewachten. Doch ihre Versuche waren daran gescheitert, dass die Streckengeher jedes Mal das gelockerte Gleisbett bemerkten. Deshalb schraubten sie die Schiene an jenem Tag im April erst 28 Minuten vor dem Eintreffen des Zuges ab, das sie im Gebüsch versteckten. Als der Zug entgleiste, aber der Schaffner und die Passagiere mit Laternen aus dem Zug stiegen, bekamen sie Angst, dass sie entdeckt werden würden, weshalb sie die Flucht ergriffen. Den Klauen- und Steckschlüssel warfen sie unterwegs in den Mühlbach. Alois Strigl, der wusste, dass dieser jährlich gereinigt wurde, machte sich bei der sogenannten Bachabkehr auf die Suche nach dem Werkzeug, musste aber aufgrund des wachsamen Anwohners flüchten. Während Alois Strigl ein umfassendes Geständnis ablegte, gab dessen Komplize nur das zu, was die Polizisten ihm tatsächlich nachweisen konnten. Während des Prozesses versuchte das Verbrecher-Duo sich dadurch zu retten, in dem sie das Attentat aus politischen Gründen verübt hatten, da beide der Partei der Nationalsozialisten angehörten. Doch diesem Motiv schenkte das Gericht keinen Glauben. Alois Strigl und Josef Scheinecker wurden am 8. Januar 1937 zum Tode durch den Strang verurteilt. Dieses Urteil wurde kurz danach im Hof des Linzer Landgerichts vollstreckt. Josef Scheineckers Bruder Franz, der das Werkzeug für das Eisenbahnattentat besorgt hatte, wurde zu 10 Jahren schweren Kerkers und zur Zahlung von 115.000 Schilling an die Bundesbahn verurteilt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Österreichs Hauptstadt Wien, von wo aus der Schnellzug seine Fahrt, bis zum Attentat begonnen hatte. 🙂


















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