Eine Frau, die reich, schön und zudem auch noch intelligent war, war die Französin Angélique-Nicole Carlier, besser bekannt als Madame Tiquet, die aufgrund ihres Prozesses und der daraus folgenden Hinrichtung Geschichte schrieb. Am 17. Juni 1657 wurde Angélique in Metz als Tochter des reichen Druckers und Buchhändlers Pierre Le Carlier und dessen Ehefrau Geneviéve Picot geboren. Angéliques Mutter verstarb kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Philippe. Als Angélique 15 Jahre alt war, verstarb auch ihr geliebter Vater Pierre, der seinen beiden Kindern jeweils eine halbe Million Lievre vermachte, was zur damaligen Zeit ein Vermögen war. Angélique war eine anmutige Schönheit, die aufgrund ihres Aussehens und ihres Vermögens zahlreiche Verehrer hatte. Einer dieser war Claude Tiquet, ein Berater des Pariser Parlaments. Dieser überhäufte Angéliques Tante, die nach dem Tod des Vaters deren Vormund war, mit Geschenken und gab ihr 40.000 Livre, damit diese Angélique überzeugte, ihn zu ihrem Mann zu nehmen. Claude war nicht nur Berater des Königs, sondern auch Stellvertreter des Generalstaatsanwaltes, der Alleinerbe des angesehenen Kaufmanns und Tuchmachers Jacques Tiquet war und ein beträchtliches Vermögen geerbt hatte, das er ins Werben um Angélique investierte. Der deutlich ältere Claude ließ keine Gelegenheit aus, um das Herz von der jungen Angélique durch teure Geschenke für sich zu gewinnen. An ihrem Geburtstag schenkte er ihr einen Strauß mit Diamantblumen im Wert von 15.000 Livre. Die Hochzeit ließ darauf nicht lange warten. Während Angélique von Claudes Vermögen geblendet war, war dieser von ihrer Schönheit verzaubert. Am 12. Februar fand die Hochzeit in Paris statt. Zu diesem Zeitpunkt war Angélique 18 Jahre alt. Die ersten 3 Jahre verlief die Ehe der beiden recht glücklich, was auch daran lag, dass Angélique alles kaufen konnte, was ihr Herz begehrte. In dieser Zeit brachte Angélique ein Mädchen und einen Jungen zur Welt. Alles schien perfekt, bis Angélique feststellte, dass das Vermögen ihres Mannes aufgebraucht war. Ab diesem Zeitpunkt störte sie nicht nur dessen mürrische Art, sondern auch sein hohes Alter. Als ihr Bruder Philippe ihr nichtsahnend den gutaussehenden und jungen Kapitän Mongeorges von der französischen Garde vorstellte, war es um Angélique geschehen. Sie begann eine Affäre mit dem Kriegshelden und machte keinen Hehl daraus ihrem Mann gegenüber. Dieser war ihr mehr als lästig mit seiner schroffen Art. Da sie mittlerweile von Gläubigern ihres Mannes gejagt wurde, beantragte sie zum Schutz ihrer Familie und ihres Vermögens die Gütertrennung. Sie vergaß, dass sie es war, die das Vermögen ihres Ehemannes durch ihre Verschwendungssucht ausgegeben hatte. Claude hatte zwischenzeitlich ein sogenanntes Gütesiegel erwirkt, mit dem er Angélique hätte verhaften lassen können. Doch dies brachte er nicht übers Herz. Er drohte ihr zwar mit diesem, aber Angélique warf das amtliche Dokument einfach ins Feuer. Claude war außer sich vor Wut und versuchte fortan verzweifelt einen zweiten Haftbefehl zu erwirken, aber vergeblich. Claude wurde als gehörnter Ehemann zum Stadtgespräch in Paris und am Hof, über den jeder spottete. Zwar hatte das Châtelet die Trennung ausgesprochen, aber dies genügte Angélique nicht, sie wollte ihren Ehemann für immer loswerden, um diesen endlich durch ihren Geliebten Mongeorges ersetzen zu können. Da das Paar noch im gemeinsamen Haus, aber in separaten Flügeln lebte, begegneten diese sich täglich, was Angélique ein Dorn im Auge war. Um ihren Ehemann aus dem Weg zu räumen, holte sie sich ihren Portier Jacques Moura als Komplizen ins Boot. Dieser heuerte für das Mordkomplott neben dem Diener Auguste Catelain einen Haufen Leute an. Diese bestanden aus dem Gardisten Claudius Desmarques, den Bediensteten des Hauses Philipp Complet und Claudius Roussel, den Kammerjungfern Jeanne Lammirant und Marie Lafort, dem verarmten Adeligen Jean Demarques , dem Kutscher Jean Loiseau und einigen Soldaten. Der Plan sah vor, Claude abends aufzulauern und zu erschießen. Aber in letzter Minute plagte Angélique das Gewissen, weshalb sie den Mordanschlag cancelte und viel Geld für das Schweigen der anderen zahlte. Schnell bereute diese den Mordversuch vereitelt zu haben, da Claude sie nach wie vor tyrannisierte. Angélique revanchierte sich, in dem sie ihren Geliebten ungeniert in ihrem Haus traf. Zwar hatte Claude diesem den Zutritt verboten, aber der Portier Jacques Moura ließ diesen trotzdem ins Haus, weshalb er gefeuert wurde. Daraufhin versuchte Angélique ihren Ehemann durch eine vergiftete Suppe ums Eck zu bringen, die ihm ihr Kammerdiener bringen sollte. Da dieser aber nicht Teil des Mordes werden wollte, stolperte dieser aus unerklärlichen Gründen, weshalb die Suppe auf dem Boden landete. Der Kammerdiener kündigte daraufhin. Nach diesem fehlgeschlagenen Attentat, plante Angélique nun erneut einen Meuchelmord, um sich ihres Gatten endgültig zu entledigen. Am 8. April 1699 hatte Claude wie üblich seine Nachbarin Madame Villemur besucht. Danach begab er sich auf seinen Nachhauseweg, wo ihn zwei Männer ansprachen, die mit einer Pistole auf ihn schossen. Durch den Lärm kamen Claude Diener zu Hilfe, die ihn in sein Haus bringen wollten. Doch Claude ließ sich in das Haus der Nachbarin bringen. Als Angélique davon erfuhr, eilte diese zu ihrer Nachbarin, die ihr den Zutritt ins Haus verweigerte. Claude hatte Glück, der den Mordanschlag auf ihn überlebte. Vier Tage nach dem Mordversuch an Claude wurde Angélique verhaftet und nach Châtelet gebracht. Auguste Catelain belastete Angélique schwer, der aussagte, dass sie schon einmal geplant hatte, ihren Ehemann ermorden zu lassen. Damals hatte sie ihm und dem Portier Jacques Moura viel Geld für die Ermordung ihres Ehemannes geboten. Jacques Moura wurde nach der Aussage ebenfalls verhaftet. Angélique beteuerte ihre Unschuld und berief sich auf eine Verschwörung ihres Ehemannes, der Catelain mit Geld zu einer Falschaussage bestochen hatte. Außer der Aussage von Auguste Catelain gab es keinerlei belastende Beweise gegen Angélique. Doch diese reichten aus, dass Angélique und ihr Portier Jacques Moura am 3. Juni 1699 zum Tode, während ihr Verräter Catelain zur ewiger Not verurteilt wurde. Dies war die Galeerenstrafe, in der die Sträflinge als Ruderer auf die Galeeren geschickt wurden. Angéliques Bruder Philippe und ihr Geliebter Mongeorges reichten viele Gnadengesuche ein. Aber der Erzbischof von Paris, Louis-Antoine de Noailles forderte vom König Ludwig XIV. mehr Strenge und Unnachgiebigkeit. Alle Begnadigungsversuche blieben erfolglos. Auch die von Claude, der sich in Versailles vor die Füße des Königs geworfen hatte und diesen um eine Begnadigung für die Mutter seiner Kinder gebeten hatte. Vor der Hinrichtung am 19. Juni 1699 führte der Leutnant Deffita bei Angélique, die immer noch ihre Unschuld beteuerte, eine Folter durch. Angélique erhielt eine grausame Wasserfolter, eine Question á léau. Bei dieser Prozedur musste sich das Opfer erst entkleiden und auf eine Bank setzten. Dann wurden diesem die Hände und Füße an zwei in der Mauer der Kammer übereinander befestigten eisernen Ringe gefesselt. Anschließend wurde dem Opfer ein Trichter in den Mund gesteckt, der nach und nach mit Wasser befüllt wurde. Bei der ordentlichen Folter waren dies vier volle Maß, bei der außerordentlichen 8 volle Maß. Bereits nach der ersten Maß gestand Angéliques alles. Anschließend wurde diese im weißen Kleid im Wagen mit Pferdegespann auf den Place de Grève, der Richtstätte von Paris, geführt wurde, wo sie vor Tausenden von Schaulustigen exekutiert werden sollte. Aber ein Gewitter verzögerte das Volksspektakel um eine halbe Stunde. In dieser Zeit bat sie ihren Komplizen Jacques Moura um Vergebung, der vor ihren Augen erhängt wurde. Danach wurde die erst 42 Jahre alte Angélique aufs Schafott geleitet, wo sie ihren Kopf auf den Block legte, bevor der Henker sie mit dem Schwert enthauptete. Dieser brauchte fünf Hiebe bis er den Kopf vom Rumpf abgetrennt hatte. Der Kopf wurde danach auf den Block mit Blick auf das Renaissance-Rathaus ausgestellt. Danach wurde sie auf dem Friedhof Saint-Sulpice beigesetzt. Sie wurde nach allen Ehren von ihrem Ehemann bestattet, der nun ihr Vermögen besaß. Ihr Geliebter Mongeorges wohnte der Hinrichtung nicht bei, er war in Versailles, wo er den König um einen achtmonatigen Urlaub bat, da sein Schmerz so groß war. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der französischen Hafenstadt Le Havre, die als Tor von Paris gilt. 🙂

















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