Invergordon – Tor zu den Highlands

Auf meiner Schottlandrundreise kam ich auch ins schottische Küstenstädtchen Invergordon, das bis in die 1970er Jahren dank des Ölbooms eine florierende Stadt war. Durch ihre Nähe zu den Ölfeldern der Nordsee entwickelte sie sich zu einem idealen Ort für die Schwerindustrie zur Herstellung von Ölplattformen. Die Küstenstadt wuchs und 1971 entstand aufgrund ihrer preiswerten Elektrizität aus dem nahe gelegenen Kernkraftwerk Hunterston eine Aluminium-Industrie. Doch die Ölkrise brachte den Wandel und Invergordon wurde zum „hurting town“, wie die Zeitung Daily Record & Sunday Mail schrieb. Ein weiterer schwerer Schlag war der Weggang der Aluminium-Industrie 1982. Invergordon wurde zu einer Art Geisterstadt, die bis heute sinnbildlich ums Überleben kämpft. Die kleine Hafenstadt ist Ziel vieler Kreuzfahrtschiffe, denn sie ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Highlands mit ihrer spektakulären Landschaft, ihren wunderschönen Burgen und tiefblauen Seen. Die Küstenstadt am Cromarty Firth ist eine Stadt in der schottischen Council Area Highland und liegt in der Grafschaft Ross-Shire. Ich machte mich zu Fuß auf diese kleine Küstenstadt zu erkunden, die im äußersten Norden Schottlands liegt. Dabei zeigte sich mir Invergordon mit stürmischen Regenwetter von seiner allerbesten Seite. Die Hauptstraße der Stadt, die High Street, offenbarte schonungslos mit ihren vielen verlassenen Geschäften den Verfall der einst so blühenden Stadt. Ich entdeckte zwei Supermärkte und blickte in Schaufenster, die Dekorationen von längst vergangener Zeit beherbergten. Die Zeit schien hier stehen geblieben zu sein. Beim Schlendern durch die Hauptstraße fielen mir die vielen Wandmalereien auf, die als „Invergordon Mural Trail“ bezeichnet werden. Diese Wandmalereien wurden von den Einwohnern selbst gestaltet. So sollte zum einen die Gemeinschaft gestärkt und zum anderen die Häuserfassaden verschönert werden. Statt tristen Fassaden entstanden so bunte Häuserwände, die wirklich schön anzusehen sind. Ich wanderte die High Street weiter entlang und kam an der „Parish Church“ an. Hier wurde ich von den Bewohnern der Stadt herzlich empfangen und ich konnte mich bei einer heißen Tasse Tee wärmen. Die Kirche wurde 1861 erbaut und feierte im Jahr 2011 ihren 150. Geburtstag. In Invergordon ist jeder willkommen und trotz wirtschaftlicher Tiefschläge haben die Bewohner ihre Herzlichkeit behalten. Natürlich ist das Stadtbild geprägt von verlassenen Ölbohrplattformen am Cromarty Firth oder leeren Öltanks am Stadtrand, die einst von der Royal Navy, als diese dort stationiert waren, genutzt wurden. Invergordon ist mit Sicherheit kein touristisches Highlight, aber wer die Highlands kennenlernen möchte, sollte auch diese Seite davon gesehen haben. Denn die Highlands sind nicht nur geprägt von ihrer wunderschönen grünen Hügellandschaft mit tiefblauen Seen und Highland-Ponys, sondern auch von Kraftwerken, Ölplattformen und Küstenstädten. Wer Lust hat hinter den Highlandmythos zu schauen, der spaziert durch das kleine Städtchen und kehrt im Crazy Horse in der Highstreet auf eine Tasse Tee ein oder gönnt sich in „Invergordon´s Distilleries“ einen schottischen Whisky. Invergordon hat seinen eigenen Charme und die Bewohner, die dort geblieben sind, lieben ihr kleines Küstenstädtchen und leben voller Stolz die schottischen Traditionen. So wurde ich von einer Highland-Folklore-Truppe, die den typischen Schottenrock trugen, mit traditioneller Dudelsackmusik verabschiedet. Was für ein krönender Abschluss auf meiner Schottlandrundreise. Ich wünsche Euch nun viel Freude mit meinen Fotos vom kleinen Küstenstädtchen Invergordon, dem Tor zu den Highlands.

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