Der Theresienturm in Heilbronn: Vom Bunkerhotel zum Denkmal

Isabella Müller Heilbronn Baden Württemberg Deutschland @isabella_muenchen

In Heilbronn, der siebtgrößten Stadt des Bundeslandes Baden-Württemberg, befindet sich am Rande der Theresienwiese ein ehemaliger Luftverteidigungsturm. Dieser wurde ein Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs fertiggestellt. Seit Beginn der NS-Zeit wurde die Bevölkerung auf den Luftkrieg vorbereitet. Maßnahmen für den Luftschutz wurden propagiert und im gesamten Stadtgebiet mussten private Keller vorbereitet werden. In der Altstadt wurden sie häufig durch Gänge miteinander verbunden. Luftschutzspritzen, Gasmasken und Sandsäcke gehörten zur Standardausrüstung. In Heilbronn wurden jedoch nur drei moderne Bunkeranlagen mit den entsprechenden Schutzeinrichtungen neu gebaut. Sehr große Weinkeller wie der Keller des Schöntaler Hofs oder der Klosterkeller wurden öffentliche Luftschutzräume. In den Außenbezirken entstanden etliche Stollen. Der Luftschutzverteidigungsturm an der Theresienwiese wurde von der Wehrmacht beauftragt, um Heilbronn vor Luftangriffen zu schützen. Eine Flugwehrkanone, Flak, befand sich auf dem Dach, die angreifende Flugzeuge zu bekämpfen. Die Mannschaftsräume im Inneren waren für eine Besatzung von knapp 250 Mann ausgelegt. Der Heilbronner Turm gehört dabei zur seltenen Bauart „Dietel“. Charakteristisch war die innere Erschließung über eine entlang der Außenwand laufende Spiralrampe. Außergewöhnlich war die Verblendung mit Heilbronner Sandstein. Der Turm war zudem autark. So konnte ein Stromaggregat ihn mit Elektrizität versorgen, ein Brunnen lieferte Wasser und eine Belüftungsanlage verhinderte das Eindringen von Giftgas. Der Luftverteidigungsturm auf der Theresienwiese bekam erst einige Zeit nach seiner Fertigstellung einen Namen und hieß „General-Wever-Turm“. Geehrt wurde damit ein Wehrmachtsgeneral, der schon im Ersten Weltkrieg der Obersten Heeresleitung angehörte. Wever setzte seine militärische Laufbahn in der Weimarer Republik fort. In der NS-Zeit stieg er zum Chef des Führungsamtes des Luftfahrtministeriums auf. Am 1. März 1935 ernannte ihn Hermann Göring zum Generalstabschef der Luftwaffe. Walter Wever verlor sein Leben am 3. Juni 1936. Der Turm behielt seinen Namen bis ins Jahr 2016 und heißt heute aufgrund seiner Lage an der Theresienwiese Theresienturm. Der wuchtige Bunkerturm wurde damals für die Allgemeinheit geöffnet, als die Luftangriffe auf Heilbronn zunahmen. Bis zu 1000 Menschen konnten hier Zuflucht finden, auch beim großen Angriff am 4. Dezember 1944. Die Menschen campierten in diesen Wochen auf der Spiralrampe. Viele Anwohner verließen den Turm nur, um etwas zu Essen zu holen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bot der Turm Schlafstellen für viele Menschen auf der Durchreise, auf der Flucht und ohne Obdach. Tausende waren unterwegs wie entlassene Soldaten, ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Wohnungslose, Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten. Nach dem Beginn des Wiederaufbaus nahm der Bedarf für solche Unterkünfte ab. Außerdem war die Zugangsrampe zu niedrig und wurde gesprengt. Seit der Sprengung der Zugangsrampe 1951 war der Turm verschlossen. Er bewahrte sein originales und weitgehend unverfälschtes Erscheinungsbild bis heute. In den 1960er Jahren bekam der Turm eine Werbebotschaft, eines Fahrzeugs- und Maschinenbaukonzerns und erhielt seitdem in der Bevölkerung den Namen MAN-Turm. Der Bunkerturm mit seinen 10 Geschossen, einer Turmhöhe von 28,5 Metern und einem Durchmesser von 12 bis 11 Meter, die sich nach oben verjüngen und seiner 8 Meter hohen Rampe, beeindruckte mich sehr. Die Besichtigung des Turms war eine spannende Zeitreise zu einem einzigartigen Denkmal aus der Epoche des Zweiten Weltkriegs. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos des Theresienturms in Heilbronn. 🙂

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