Eine der größten Fälschungen des Mittelalters

Isabella Mueller @isabella_muenchen Prag

Eine der größten Urkundenfälschungen im Mittelalter war das Privilegium maius, der Große Freiheitsbrief, den der erst 20 Jahre alte habsburgische Herzog Rudolf IV. im Winter 1358 bis 1359 anfertigen ließ, um die habsburgischen Herrschaftsansprüche zu untermauern. Insgesamt bestand der Fälschungskomplex aus fünf Urkunden aus den Jahren 1058, 1156, 1228, 1245 und 1283, die teilweise auf echten Vorurkunden basierten und teilweise erfunden waren. Diese Urkunden waren ein geschickter Schachzug des selbstbewussten Herzogs Rudolf IV., um die Stellung seiner Familie im Reich aufzuwerten, da das Hause Habsburg bei der künftigen Königswahl kein Rolle spielte. Dies hatte Kaiser Karl IV. mit der Goldenen Bulle, einem umfassenden Reichsgesetz, 1356 festgelegt. So wählte fortan ein sogenanntes Kurfürstenkolleg, das aus sieben Kurfürsten bestehend aus den Erzbischöfen von Mainz, Trier und Köln sowie den König von Böhmen, den Pfalzgraf bei Rhein, den Herzog von Sachsen und den Markgraf von Brandenburg, den König. Diese bildeten die Reichselite und zu diesen gehörte der Herzog Rudolf IV., der der Schwiegersohn des Kaiser Karl IV. war, nicht. Darum ließ er Urkundenfälschungen herstellen, der dem österreichischen Herzog Sonderrechte wie Lehensempfang im eigenen Land, Unteilbarkeit der habsburgischen Länder sowie eigene Gerichtsbarkeit gewährte. Er wollte mit den Kurfürsten gleichgestellt sein. Seine Fälscher nutzten ältere Dokumente wie das Privilegium minus von 1156, in dem der Kaiser Friedrich I. Barbarossa dem Herzog von Österreich Heinrich II. „Jasomirgott“ Sonderrechte eingeräumt hatte. Doch Kaiser Karl IV. verweigerte die Anerkennung des Privilegium maius, da der legendäre Humanist Francesco Petrarca zwei der angeblichen Urkunden des römischen Staatsmanns Julius Cäsar und Kaiser Nero, die ihren Willen zur außergewöhnlichen Würde Österreichs und seiner Herrscher bekundeten, als Fälschungen erkannte. Nach 100 Jahren bestätigte der habsburgische Kaiser Friedrich III. 1442 als König und 1453 als Kaiser den Privilegium maius-Komplex, der bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 reichsrechtliche Gültigkeit besaß. Offiziell als Fälschung bestätigt wurden die Urkunden anno 1856 von dem Historiker Wilhelm Wattenbach. Damit wurde der Verdacht der Urkundenfälschung von Kaiser Karl IV., einem der bedeutendsten Kaiser des Mittelalters und einflussreichster europäischer Herrscher seiner Zeit, bestätigt. Unter diesem erlebte Prag seine Goldene Zeit, was zu ihrem Beinamen Goldene Stadt führte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Tschechiens Hauptstadt Prag. 🙂

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