Die Kindsmörderin

Isabella Müller Kaufbeuren Allgäu Bayern @isabella_muenchen

Im Jahr 1772 war die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt das Stadtgespräch in Frankfurt am Main, der Geburtsstadt von Johann Wolfgang von Goethe, dem Mann mit dem ich Geburtstag habe. Dieser war damals als Rechtsanwalt in Frankfurt tätig und verfolgte mit Argusaugen den Prozess von Susanna Margaretha Brandt, deren Prozessakten er sich als Kopien besorgte. Inspiriert von diesem Prozess verfasste er den Urfaust, in dem ihm Susanna Margaretha Brandt als Vorbild für sein Gretchen diente. Aber wer war Susanna Margaretha Brandt, dessen Schicksal Johann Wolfgang von Goethe so sehr bewegte, dass er einen ersten Entwurf für sein späteres Theaterstück Faust schrieb? Susanna Margaretha Brandt erblickte am 8. Februar als Tochter eines Soldaten das Licht der Welt. Sie wuchs als Waise auf und kam später als Magd zu der verwitweten Wirtin der Herberge „Zum Einhorn“. Dort arbeiteten auch ihre beiden Schwestern. Am Winteranfang 1770 übernachtete dort ein Goldschmiedegeselle aus den Niederlanden, der ihr schöne Augen machte und sie 3 bis 4 Wochen vor Weihnachten verführte. Er hatte sie auf ein Glas Wein eingeladen und womöglich ein Pulver hineingetan, damit Susanna Margaretha Brandt wehrlos war. Der reisende Handwerker reiste danach weiter nach Russland. Als Susanna Margaretha bemerkte, dass sie schwanger war, versuchte sie ihre Schwangerschaft vor ihren Schwestern und ihrer Wirtin zu verheimlichen. Den Vater des Kindes konnte sie als Analphabetin nicht benachrichtigen, zudem kannte sie noch nicht einmal seinen vollständigen Namen. Als sie am 31. Juli 1771 in der Waschküche war, hatte sie heftige Leibschmerzen, worauf ihre Wirtin ihr einen Tee zubereitete und gleichzeitig mit der Kündigung drohte, da die Verheimlichung einer Schwangerschaft oder deren heimliche Niederkunft unter Strafe standen. Susanna Margaretha gebar am 1. August 1771 in der Waschküche einen Sohn. Da es eine Sturzgeburt war, fiel dieser mit dem Kopf auf den Boden. In Panik versteckte sie das Kind im Pferdestall, das vermutlich schon tot war. Am nächsten Morgen flüchtete Susanna Margaretha mit dem Marktschiff nach Mainz, wo sie ihre Ohrringe verkaufte, um in einer Herberge übernachten zu können. Bereits am nächsten Tag kehrte sie nach Frankfurt zurück, wo sie am Bockenheimer Tor verhaftet und in das Gefängnis in der Katharinenpforte gesperrt wurde. Aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes wurde sie ins Spital gebracht. Am 8. August wurde die tote Leiche ihres Sohnes geborgen und ihr gezeigt. Susanna Margaretha gestand, ihn getötet zu haben. Der tote Säugling hatte Würgemale und zahlreiche Knochenbrüche erlitten. Susanna Margaretha bestritt dies gewesen zu sein. Vom 8. bis zum 12. Oktober 1771 tagte das Gericht im Römer, dem Frankfurter Rathaus, ohne öffentliche Verhandlung. Am 12. Oktober wurde das Todesurteil über Susanna Margaretha Brandt verhängt. Nach der Constitutio Criminalis Carolina hätte die Kindsmörderin „lebendig begrabt und gepfehlt“ werden müssen. Doch das Gericht verurteilte Susanna Margaretha zur Enthauptung mit dem Schwert. Ihr Pflichtverteidiger Schaaf reichte schriftlich ein Plädoyer ein, in dem er auf mildernde Umstände hinwies. Doch das Gericht bestätigte das Urteil am 7. Januar 1772. Ein Gnadengesuch einen Tag später wurde verworfen. Am 14. Januar 1772 gegen 10 Uhr morgens wurde Susanna Margaretha Brandt vom Scharfrichter Johann Hoffmann auf dem Paradeplatz vor der Hauptwache in Frankfurt am Main erwartet. Sie wurde zum Schafott geführt und auf einem Stuhl festgebunden. Dann wurde sie vom Henker mit einem Schwerthieb geköpft. So tragisch endete das Leben von Susanna Margaretha Brandt, die als Kindsmörderin in Frankfurts Kriminalgeschichte einging und durch Johann Wolfgang von Goethe im literarischen Sinne unsterblich wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Frankfurt am Main, der Stadt, in der Susanna Margaretha Brandt ihr Leben genommen wurde. 🙂

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