Seit Robin Hood, der die Reichen bestahl, um seine Beute den Armen zu geben, gilt Großbritannien als das Land der heldenhaften Räuber. Einer davon war Kapitän James Hind, wie das Volk ihn nannte. Dieser ging als royalistischer Straßenräuber aus dem 17. Jahrhundert in die englische Kriminalgeschichte ein. James Hind wurde als einziger Sohn des angesehenen und streng gläubigen Sattler Roger Kynaston und Elizabeth Gray in der Stadt Chipping Norton in der Grafschaft Oxfordshire geboren. James Vater setzte alles daran seinem Sohn eine gute Schulbildung bieten zu können. Nach seinem Schulabschluss begann James im Alter von 15 Jahren eine Lehre bei einem Schlächter. Doch Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Dies spürte James am eigenen Leib, der nach 2 Jahren aufgrund seines strengen Lehrmeisters seine Ausbildung abbrach. Er wollte nun sein Glück in London versuchen und reiste dorthin. In einem Brief bat er seine Mutter um Geld, damit er sich in London einen neuen Lehrmeister suchen konnte. Diese schickte James eine stattliche Summe, die James statt in seine Ausbildung lieber in leichte Mädchen investierte. Bei einem Besuch einer solchen Dame, wurde er zusammen mit dieser verhaftet, da diese am Vortrag ihren Freier bestohlen hatte. Während die Frau eine Nacht im Gefängnis von Newgate verbringen musste, wurde James wieder auf freien Fuß gesetzt. In dieser Nacht lernte er den Straßendieb Thomas Allen kennen, der wegen dem Verdacht eines Diebstahls festgenommen worden war. Wenig später war er aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen worden. Die Männer kamen ins Gespräch und besiegelten in dieser Nacht ihre neu gewonnene Freundschaft mit einem Pakt, auf den sie anstießen. Thomas wurde James neuer Lehrmeister in Sachen Straßenraub. James erstes Opfer wurde ein Reisender, dem er auf der Straße nach Shooter-Hill begegnet war. Er bestahl diesen. Doch als er merkte, dass die Beute nicht übermäßig groß war und der Bestohlene noch eine weite Reise vor sich hatte, gab er diesem von seiner Beute 20 Schilling. Der Bestohlene war so perplex, dass er sich noch bei James bedankte. Damit war der Mythos von James Hind als Gentleman-Räuber geboren. Seitdem klebten Thomas und James wie Pech und Schwefel aneinander. In England herrschte zu dieser Zeit wegen der Hinrichtung von König Karl I. ein Ausnahmezustand. Dieser war vom englischen Parlament als der sogenannte Urheber der blutigen Kämpfe 1649 zum Tode verurteilt worden. Als dieser am 30. Januar 1649 geköpft wurde, tobte die Bevölkerung vor Empörung, da die Zukunft mit den Radikalen im Parlament ungewiss war. James und Thomas waren wie die breite Masse der Bevölkerung bis ins Mark erschüttert. Sie schworen sich an den Königsmördern, die im Parlament für die Todesstrafe des Königs gestimmt hatten, sich zu rächen. Als sie hörten, dass Oliver Cromwell, von seinem Geburtsort Hunting nach London in einer von 7 Mann bewachten Kutsche unterwegs war, planten sie ein Attentat auf diesen. Denn Oliver Cromwell war der Führer der Radikalen im Parlament, der seit 1945 versucht hatte, dass Karl eine Verfassungsordnung unterzeichnete, die das Gleichgewicht zwischen Parlament und Krone wiederherstellte. Doch König Karl I. weigerte sich und suchte stattdessen Hilfe bei den Schotten, die 1648 auf seiner Seite im Krieg kämpften. Oliver Cromwell siegte über Karls Heer in Preston. Schließlich nahm er diesen fest und setzte das Parlament unter Druck König Karl I. wegen Hochverrats anzuklagen, das mit der Todesstrafe für den König endete. James und Thomas wollten sich als Royalisten dafür rächen und griffen Cromwell an. Doch das Attentat misslang. Während James die Flucht gelang, wurde Thomas verhaftet und nach London gebracht, wo er hingerichtet wurde. Seitdem wurde James gejagt. Dann kam es zu einer schicksalhaften Begegnung mit dem Königsmörder Hughes Peters in Enfield-Chase, den James nicht nur 30 Goldstücke, sondern auch dessen Mantel und Rock entwendete, so dass dieser nur mit Hemdsärmeln bekleidet sich auf seinen Heimweg machen musste. James wurde als royalistischer Straßenräuber immer populärer, dem auf dem Weg von Sherbourn nach Shaftesburty in der Grafschaft Yorkshire auf den Sergeant Bradshaw traf. Dieser hatte der Kommission, die König Karl I. zum Tode verurteilt hatte, als Präsident vorgestanden und das Todesurteil gegen diesen ausgesprochen. James erbeutete von Bradshaw eine prall gefüllte Börse mit 40 Goldstücken, was heute ungefähr 4.000 Euro entspräche. Er demütigte diesen nicht nur, in dem er ein Spottlied auf ihn sang, sondern er tötete auch dessen Pferde, die seine Kutsche zogen, bevor er davonritt. Bald darauf traf James zwischen Petersfield und Portsmouth eine Kutsche mit jungen Damen, von denen er 1000 Pfund Sterling erbeutete. James gab sein ergaunertes Geld, jedoch genauso schnell aus, wie er es verdiente. Bei seinen Diebstählen war er stets höflich. Er drohte zwar mit seinen Pistolen, doch er benutzte diese nie. Bis er einen Reiter erschoss, da er glaubte, dass dieser ihn nach dem Raubüberfall auf den Königsmörder Oberst Harrison, verfolgt hatte. Aber dieser entpuppte sich als Georges Sympson, ein Diener, der nur versucht hatte, seinen Herrn einholen. Nach diesem Vorfall beendete James seine Räuberlaufbahn. Er ging als Freiwilliger zum royalistischen Heer. Als die Schotten für König Karls Sohn aufstanden, den sie als König Karl II. proklamierten und mit großem Heer nach England einzogen. James kämpfte mit in der Schlacht von Worcester, der letzten Schlacht des Englischen Bürgerkrieges, die mit einer blutigen Niederlage für die Royalisten endete. James flüchtete zu seinem Jugendfreund Barbier Dingie, der ihn verriet. Als Hochverräter wurde James ins Gefängnis nach Newgate gebracht. Am 3. September 1652 wurde er am Old Bailey in London wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Am 24. September 1652 wurde er zur Richtstätte geschleift. James war 36 Jahre alt, als er öffentlich gehängt wurde. Danach wurde seine Leiche gevierteilt und sein abgeschlagener Kopf wurde auf ein Gitter der Brücke der Severn gesteckt. Die Glieder seines Körpers würden über die Stadttore von Worcester gehängt. Dort blieben diese bis zur völligen Verwesung. Sein Kopf wurde hingegen noch in der nächsten Nacht begraben. Damit endete zwar das Leben von James Hind, der jedoch bis heute in Balladen, Büchern und Filmen weiter lebt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der englischen Hafenstadt Southampton. 🙂













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