Eine Weltrekordhalterin im Briefe schreiben war Elisabeth Charlotte von der Pfalz, besser bekannt als Liselotte von der Pfalz, die über 60.000 Briefe an ihre Liebsten in ihre Heimat verschickte, weil sie diese so sehr vermisste. Liselotte von der Pfalz erblickte am 27. Mai 1652 als Elisabeth Charlotte von der Pfalz in Heidelberg das Licht der Welt. Sie war die älteste Tochter von dem Kurfürst Karl I. Ludwig, der zu einem der reichsten Adeligen des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation gehörte, und dessen erster Ehefrau Charlotte von Hessen-Kassel. Liselotte war für ein Mädchen recht ungestüm, die im Alter von 7 Jahren von ihrem Vater zu ihrer Tante Sophie von Hannover geschickt worden war, damit diese von den Familienstreitereien wegen seiner außerehelichen Affäre nichts bekomme. Die vier Jahre bei ihrer geliebten Tante, die ihr eine unbeschwerte Kindheit ohne die Einhaltung von höfischen Etiketten ermöglichte, beschrieb diese später als die schönste Zeit ihres Lebens. Bei ihrer Lieblingstante konnte sie ihrer großen Bücherleidenschaft ungestört nachgehen. Wieder am Hofe musste sich Liselotte der höfischen Etikette beugen, wo sie im reformiert-calvinistischen Glauben und von ihrer Gouvernante streng erzogen wurde. Liselotte war eine herbe Schönheit, die sich selbst als „Weibsmensch“ bezeichnete. Als Liselotte 19 Jahre alt war, änderte sich deren Leben für immer, da ihr Vater sie aus politischen Gründen zwang, den Herzog Philippe von Orléans, den jüngeren und einzigen Bruder von Ludwig XIV., dem sogenannten Sonnenkönig, zu heiraten. Liselottes Vater versprach sich durch die Heirat sein Herrschaftsgebiet vor dem mächtigen Frankreich zu schützen, was sich später als fataler Irrtum herausstellen sollte. Liselotte war sehr unglücklich über die Ehe mit dem „Monsieur“, so der offizielle Titel ihres Ehemannes, der kein Geheimnis daraus machte, dass er homosexuell war. Er hatte ständig wechselnde Liebhaber, die angeblich noch nicht einmal davor zurückgeschreckt hatten, seine erste Ehefrau Henrietta Anne Stuart zu vergiften. Liselotte ertrug tapfere die außerehelichen Affären ihres verschwendungssüchtigen Mannes. Obwohl dessen männliche Liebschaften dieser durch Intrigen, das Leben zur Hölle am Hof von Versailles machten, so dass sie sogar ins Kloster flüchten wollte. Trotz aller Widrigkeiten hielt Liselotte durch, die mit ihrem homosexuellen Ehemann drei Kinder zeugte. Danach schliefen sie in getrennten Betten. Der einzige Lichtblick für Liselotte am Hof war nicht nur ihr engster Vertrauter Étienne Polier de Bottens, den Liselotte aus Heidelberg nach Frankreich mitgenommen hatte, sondern auch Ludwig XIV., der sie auf die Jagd oder zu Theaterbesuchen mitnahm. Sie verstand sich prächtig mit diesem. Doch das gute Verhältnis fand schnell ein rasches Ende. Dies hatte mit Ludwigs Mätresse, der Marquise de Maintenon zutun. Diese wurde nach dem Tod der Königin, dessen inoffizielle Ehefrau. Liselotte akzeptierte diese jedoch aufgrund ihrer bürgerlichen Herkunft nicht, die im Volksmund nur die „Gouvernante Frankreichs“ genannt wurde, da sie heimlich in Frankreich die Fäden zog. Da Liselotte dies in ihren Briefen, die sie seit ihrer Ankunft am französischen Hofe täglich schrieb mitteilte, die aber überwacht wurden, wurde Liselotte von der höfischen Gesellschaft ausgeschlossen. Das Verhältnis zu Ludwig XIV. kühlte sich gänzlich ab, als dieser nach dem Tod von Liselottes Bruder, dem letzten männlichen Erben der kurpfälzischen Familie unter dem Vorwand deren Erbrecht zu verteidigen, in die Pfalz einfiel und diese verwüstete. Liselotte verzieh ihm dies nie. Liselotte lebte völlig isoliert am französischen Hof, die einzig im Briefeschreiben an ihre Liebsten in ihrer Heimat Trost fand. Über 60.000 Briefe schrieb diese, in denen sie vom Alltag am Hof von Versailles und von ihrer Sehnsucht nach Heidelberg berichtete. Besonders das deftige Essen vermisste Liselotte, die lieber Krautsalat mit Brotsuppe, anstatt französisches Ragout und Schokolade bevorzugte. Liselottes Ehemann verstarb am 9. Juni 1701. Nachdem Tod von König Ludwig XIV. wurde zunächst Liselottes Sohn Philippe II. von Orléans neuer König, da der Königssohn Ludwig XIV. erst 5 Jahre alt war. Seitdem wurde Liselotte von allen hofiert, die sich aber lieber auf ihr Schloss in Saint-Cloud zurückzog, wo sie im Alter von 70 Jahren am 8. Dezember 1722 das Zeitliche segnete. Über 51 Jahre lang hatte Liselotte am verhassten französischen Hof gelebt, die den Beinamen „Bauch Europas“ erhielt, da sie Ahnfrau zahlreicher europäischer Königshäuser war. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Heidelberger Schloss, wo einst Liselotte von der Pfalz geboren wurde. 🙂






























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