Anfang der 1930er Jahre ereignete sich eine Reihe von Eisenbahnanschlägen, die Reisende in Deutschland, Österreich und Ungarn in Angst und Schrecken versetzte. Wer dafür verantwortlich war, blieb lange ein Rätsel, bis die Polizei dem Täter bei seinem letzten Anschlag auf die Schliche kam. Bereits am 31. Dezember 1930 sowie am 30. Januar 1931 war ein Anschlag gegen die Westbahn bei Neulengbach und Maria Anzbach verübt worden, um die Züge zu entgleisen. Dies gelang glücklicherweise nur beim Anschlag in Anzbach, wo die Lokomotive des Nachtschnellzuges zwar entgleiste, aber niemand zu Schaden kam. Wenige Monate nachdem Eisenbahnattentat kam es am 8. August 1931 erneut zu einem Anschlag. Gegen 22 Uhr detonierte bei der Kleinstadt Jüterbog in Brandenburg ein 3,40 Meter langes Gleis aus der Eisenbahnstrecke südlich von Berlin, wodurch der Schnellzug D 43 von der Reichshauptstadt Berlin in die Schweizer Stadt Basel fahrend entgleiste. Die Lokomotive und 8 Wagen kippten die Böschung hinunter. Dabei wurden 4 Menschen schwer und 50 Menschen leicht verletzt. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten. Da in Tatortnähe die Nazi-Zeitung „Der Angriff“ mit kritzelten Hakenkreuzen und Sprüchen „Attentat-Revolution-Sieg“ gefunden wurde, ging die Polizei von einem politischen Motiv aus. Weshalb die Polizei 25 Mitglieder der KPD verhaftete. Diese wurden jedoch nach stundenlangem Verhör aus Mangel an Beweisen freigelassen. Es wurde eine Belohnung von 100.000 Mark ausgesetzt, deren Hinweise zur Ergreifung und Verurteilung des Täters führten. Doch ohne Erfolg. Die Ermittler tappten völlig im Dunkeln, wer hinter den Eisenbahnattentaten stand. Nur wenige Monate später, am 13. September 1931, explodierte auf dem 25 Meter hohen Eisenbahnviadukt bei Biatorbágy eine 2 Kilogramm schwere Sprengstoffladung, als der Zug von Budapest nach Wien die Brücke passierte. Dadurch wurde die Lokomotive, der Gepäckwagen, der Schlafwagen und 3 Personenwagen des 12 Wagen langen Nachschnellzuges Vienna Express in den Talgrund gestürzt. Dabei kamen 22 Menschen grausam ums Leben, die zerfetzt, erdrückt und aufgespießt wurden. 17 Menschen wurden schwer verletzt und zahlreiche Menschen erlitten leichte Verletzungen. Die Polizei verhörte sofort die Überlebenden in Budapest, wobei ein 40-jähriger Mann hervorstach, der wie ein Bilderbuch plapperte und Details über das Attentat zu wissen schien. Da es keine Beweise gab, dass dieser im Zusammenhang mit dem Attentat stand, durfte er seine Rückreise nach Wien zu seiner Ehefrau und seinem Kind antreten. Jedoch wurde der Mann kurze Zeit später am 1. Oktober 1931 in Wien im Auftrag der ungarischen Polizei verhört, da er als Fahrgast des verunglückten Zuges Schadensersatz geltend machen wollte. Bereits beim zweiten Verhör am 7. Oktober 1931 wurde dieser verhaftet, der kurz danach ein vollständiges Geständnis ablegte. Der Eisenbahnattentäter entpuppte sich als der verheiratete in Wien lebende 40 Jahre alte Familienvater Sylvester Matuska. Dieser hatte am 29. Januar 1882 in Csantavér als Sohn von Antal Matuska und Anna Németh das Licht der Welt erblickt. Nachdem dieser seine Lehrerausbildung absolviert hatte, beendete er 1918 seinen Militärdienst als königlich und kaiserlicher Oberleutnant, um in seinem Geburtsort als Lehrer zu arbeiten. Doch schon nach einem Jahr versuchte er sich als Gewürzhändler, bevor er 1928 als Häuserspekulant und Landproduktehändler in Österreichs Hauptstadt Wien sein Glück versuchte. Jedoch mit geringem Erfolg, weshalb er am 23. September 1930 anlässlich eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens nach Zahlungsunfähigkeit den Offenbarungseid leisten musste. Die Frust darüber war so groß, dass er 4 Monate später, damit begann, Züge zu entgleisen. Ob aus politischen Gründen, Geisteskrankheit oder sexueller Befriedigung, blieb ungeklärt. Angeblich bekam er einen Orgasmus, wenn er Menschen schreien und sterben sah. Sylvester Matuska wurde von dem österreichischen Schwurgericht wegen den beiden Anschlägen vom 31. Dezember 1931 und 30. Januar 1931 gegen die Westbahn bei Neulengbach und Maria Anzbach zu 6 Jahren schweren Kerker verurteilt. Nachdem er 4 Jahre verbüßt hatte, wurde er nach Ungarn ausgeliefert, wo er wegen dem Eisenbahnattentat am 13. September 1931 zum Tode verurteilt wurde. Jedoch hatte Österreich bei den Auslieferungsverhandlungen mit Ungarn eine Begnadigung ausgehandelt. Die Todesstrafe wurde in lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges saß Sylvester Matuska im Gefängnis in Vác, danach verlor sich jede Spur. Angeblich war er von der Roten Armee freigelassen worden, um während des Koreas-Krieges für die kommunistische Seite Eisenbahnanschläge zu verüben, wo er von den UNO-Truppen verhaftet wurde. Dies wurde nie bestätigt. Nach 1945 gab es weitere Eisenbahnanschläge, weshalb die Presse den Verdacht hegte, dass vielleicht Sylvester Matuska dahinter stecken könnte. Was mit dem verschollenen Sylvester Matuska passierte, bleibt wohl für immer wie auch sein Motiv für die Anschläge ein Rätsel. Jedoch ist er dank zahlreicher Filme, Bücher und diverser Podcasts bis heute unvergessen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Wien, wo der Massenmörder Sylvester Matuska bis zu seiner Verhaftung gelebt hatte. 🙂











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