Der Kastorbrunnen in Koblenz: Kurioses Symbol des Niedergangs Napoleons

Isabella Müller Koblenz @isabella_muenchen

Hinter dem Deutschen Eck, dem Zusammenfluss der Flüsse Rhein und Mosel, liegt inmitten einer herrlichen Grünanlage die Basilika Kastor. Diese prachtvolle Kirche mit ihrem imposanten Kastorbrunnen auf dem Vorplatz ist die älteste Kirche Koblenz. Die geschichtsträchtige Stiftskirche wurde 836 geweiht und war Zeitzeuge historischer Ereignisse. So fanden im romanischen Gotteshaus 842 die Verhandlungen der Söhne des Kaiser Ludwigs des Frommen statt, die im darauffolgenden Jahr zur Teilung des fränkischen Reichs im Vertrag Verdun führten. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Kirche einem Bau aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine besondere Ehre wurde ihr am 30. Juli 1991 zu Teil als Papst Johnannes Paul II. die Kastorkirche zur Basilica minor erhob. Vor der Kirche befindet sich der prunkvolle Kastorbrunnen, der eine amüsante Anekdote hat. So wurde dieser Brunnen von dem französischen Stadtpräfekt Jules Doazan etwas voreilig 1812 als Siegesdenkmal für den erfolgreichen Ausgang des Russlandfeldzuges Kaiser Napoleons errichtet. Denn wie wir alle wissen, endete der Feldzug mit einer verheerenden Niederlage für die Franzosen. Der klassizistische Brunnen aus Basaltquadern mit zwei gegenüberliegenden Marmorbecken bekam die französische Inschrift: „A Napoleon le Grand, an. MDCCCXII Memorable par la Campagne contre les Riusses sous la Prefecture des Jules Doazan“. Zu deutsch: An Napoleon den Großen, 1812 zu Gedenken an den Russlandfeldzug unter der Präfektur von Jules Doazan. Als die siegreichen russischen Soldaten in das von den Franzosen verlassene Koblenz kamen, bewies ihr russischer Stadtkommandant Humor und ließ am 1. Januar 1814 unter die von Doazan eingemeißelte Siegeshymne Napoleons seine Bestätigung natürlich auf französisch hinzufügen. Diese lautete: „Vue et approuvé par nous, le Commandant Russe de la Ville de Coblence!. Zu deutsch: Gesehen und genehmigt von uns, dem russischen Kommandanten der Stadt Koblenz. Er besiegelte damit die Niederlage Napoleons und das Ende der französischen Besetzung in Koblenz. Eine schöne Geschichte, die bis heute Menschen aus aller Welt zum Schmunzeln bringt. Denn wie heißt es so schön: „Man sollte sich einer Sache nicht sicher sein, bevor sie entschieden ist“. Der Kastorbrunnen ist genauso sehenswert wie die dreischiffige Tuffstein-Basilika mit ihrer Doppelturmfassade. Ich bewunderte die Türme, die hoch in den Himmel ragten. Neben einem reich gegliederten Chor, einer dreigeschossigen Apsis sowie fünfgeschossigen Flankentürmen ist die obere Zwergengalerie mit ihren 21 Säulenarkaden herrlich anzusehen. Besonders ihre Ausstattung ist aufgrund ihres Alters von großer kultureller Bedeutung. So wurde das figürliche Tympanon am 1859 entstandenen Westportal 1866 gefertigt. Über diesem Portal befindet sich der heilige Kastor, der Patron der Stadt Koblenz. Castor von Karden war einst Schüler des Bischofs Maximin von Trier und wurde von diesem zum Priester geweiht. Er lebte später als Eremit in Karden an der Mosel und verstarb dort um 400. Die Basilika St. Kastor ist eng mit der Geschichte von Koblenz verbunden. Auch Ritter des Deutschen Ordens erhielten einen Teil des Kastor-Geländes und siedelten sich am Deutschen Eck rund um die Kastorkirche an. Schon die Römer hatten sich auf dem hochwasserfreien Areal der Kirche um die Geburt Christus ein Kastell, das Castell apud Confluentes, errichtet. Dieses wurde bei Erdarbeiten für die Bundesgartenschau 2008 entdeckt, als ein antikes Grab ausgegraben wurde. Zum Vorschein kam auch ein gallo-römischer Umgangstempel, der im Bereich des Chors folgte und bis ins 4. Jahrhundert als Kultstätte genutzt wurde. Danach hatten die Franken dort ihren Friedhof. Im Jahr 836 wurde die Kirche der Karolinger geweiht. Die Kastorkirche blickt auf eine lange Geschichte zurück. Auch den Zweiten Weltkrieg überdauerte sie und prägt bis heute zusammen mit den beiden anderen romanischen Kirchen, der Florinskirche und der Liebfrauenkirche, die Silhouette der Koblenzer Altstadt. Mein persönliches Highlight bei meinem Besuch dieser beiden Sehenswürdigkeiten war der idyllische Innenhof der Kirche. Es herrschten zwar noch winterliche Temperaturen, aber der grüne Kirchenhof an der Südseite war einfach zauberhaft. Er wurde 2011 zur Bundesgartenschau als ein religiöser Paradiesgarten gestaltet. Den Mittelpunkt bildet ein Wasserbecken, das als Symbol für die Reinheit und Quelle der Lebensfreude steht. Dieses Wasserbecken ist umgeben von grünen Hecken und eine wahre Oase fernab des bunten Treibens in der Altstadt. Die Basilika St. Kastor, ihr Kastorbrunnen und ihr wunderbarer Innenhof sind absolut sehenswert und für mich ein Muss bei einem Besuch der schönen Stadt Koblenz, an der sich Vater Rhein und Mutter Mosel zum romantischen Stelldichein treffen. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos. 🙂

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