Der Heiligenberg: Sagenumwobenes Bergmassiv der Kelten

Isabella Müller Heidelberg @isabella_muenchen

Der Heiligenberg ist ein 440 Meter hoher Berg, der das Neckartal um 330 Meter überragt. Dieses sagenumwobene Bergmassiv befindet sich in den Heidelberger Stadtteilen Neuenheim und Handschuhsheim. Der Berg hatte für die Menschen jahrtausendelang eine große Bedeutung. Die ersten Zeugnisse entstammen dabei aus der Jungsteinzeit, die Kelten lebten hier in einer befestigten Stadt, die Römer errichteten Heiligtümer der Götter Jupiter und Merkur und im Mittelalter gab es einen befestigten Königshof und heilige Klöster auf diesem Berg. Zu Zeiten des Nationalsozialismus entstand dort eine Freilichtbühne, die Thingstätte. Zahlreiche Spuren, die auf diese lange Vergangenheit hinweisen, sind bis heute in der unglaublichen Landschaft zu entdecken. Ich begab mich auf Spurensuche und erforschte zu Fuß den Heiligenberg, der gemeinsam mit dem Königsstuhl auf der Neckar-Südseite den südwestlichen Punkt des Buntsandstein-Odenwaldes bildet. Der Heiligenberg galt durch seine hervorrgaende natürliche Schutzlage mit seiner überschaubaren Gipfelfläche sowie seiner beherrschenden Stellung in der Landschaft als idealer Siedlungsort. Hier errichteten die Kelten ihr Machtzentrum. Eine erste Blütezeit erlebte der Berg im 5. Jahrhundert vor Christus als die Ansiedlung mit einer Doppelwallanlage befestigt wurde. Diese umschließt den Bergrücken außen von einer Länge von 3 Kilometern, innen von 2 Kilometern und umspannt eine Siedlungsfläche von etwas mehr als 50 Hektar. Die Befestigungswälle zeigen sich heute allerdings nur noch an einigen Stellen als steinübersäte Geländestufen. Entgegen früherer Annahme kann Abbau und Verhüttung von Eisenerz nicht die vorrangige Erwerbsgrundlage der Höhenbewohner gewesen sein, denn dazu war die Qualität der Erzlager nicht ausreichend. So wird es doch die besondere Lage am Fluss gewesen sein, die die Kelten veranlasste, den Heiligenberg zu einem zentralen Herrschaftsort auszubauen. Für etwa 150 Jahre war er Zentralort des gesamten Umlandes und verlor erst im 3. Jahrhundert vor Christus an Bedeutung. Auch für den Heiligenberg sind reich ausgestattete Prunkgräber zu erwarten, auf die der Heidelberger Keltenkopf hinweist. In der Folgezeit hatte der Berg eine nicht weniger bewegte Geschichte. Nach den Kelten errichteten die Römer ein Gipfelheiligtum für ihre Götter Jupiter und Merkur. Die Fundamente eines der Tempelgebäude haben sich unter dem Michaelkloster erhalten und sind im Boden markiert. Im frühen Mittelalter lag hier ein befestigter Königshof, der im 9. Jahrhundert in den Quellen Aberinsburg genannt wird. Diese Burganlage wurde 882 vom Frankenkönig Ludwig dem III. dem damals aufstrebenden Kloster Lorsch geschenkt, damit die Mönche auf dem Berg ein Tochterkloster gründen konnten. Das Kloster St. Michael und das Stephanskloster auf dem Heiligenberg gerieten für fast 300 Jahre in Vergessenheit. Erst 1886 begann die Wiederfreilegung der Ruinen und die Erforschung der Geschichte des Berges. Der geologische Untergrund des Heiligenbergs besteht aus Buntsandstein, der im Erdmittelalter abgelagert wurde. Der Buntsandstein des Heiligenbergs und Königsstuhls müsste eigentlich tief im Untergrund verborgen sein. Dass er dennoch an der Erdoberfläche aufgeschlossen ist, kann auf Vorgänge zurück geführt werden, die vor etwa 60 Millionen Jahren einsetzten. Etwa gleichzeitig mit der Ausformung der Alpen vor etwa 50 Millionen Jahren kam es im nördlichen Vorland zu massiven Ausgleichs- und Dehnungsbewegungen. Die Folge waren Aufwölbungen der Erdkruste sowie tektonische Spannungen, die zum Einbruch des Oberrheingrabens führten. Dabei kam es zur Verkippung und einstigen Abtragung der Randgebirge, so dass heute der Buntsandstein direkt an der Erdoberfläche ansteht. Durch den Einbruch des Oberrheingrabens wurden auch die Übergangsbereiche der Randgebirge von Störungen durchzogen, die die Landschaft in kleinere Bruchschollen unterteilen. Die Störungen sind anhand von Tälern zu erkennen. So ist auch der Heiligenberg eine durch Verwerfungen abgetrennte Bruchscholle und bildet durch die Lage am Ausgang des Neckartals eine hervorragende Schutz- und Verteidigungslage. Heute ist der Heiligenberg von naturnahen Mischwäldern bedeckt. Der nach ökologischen Kriterien zertifizierte Heidelberger Stadtwald gehört mit 3.300 Hektar zu den großen Kommunalwäldern in Baden-Württemberg. Das Ziel der Waldbewirtschaftung ist die gleichrangige Sicherung einer ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit. Die Überreste aus keltischer, römischer und mittelalterlicher Zeit sind wirklich beeindruckend und ich liebte den Ausflug in die Natur. Der Keltenweg, ein Wanderweg, rund um den Heiligenberg mit seinen Schätzen der Klosterruinen sowie der Freilichtbühne war einfach herrlich. Fernab des Großstadttrubels konnte ich auf den Spuren der Vergangenheit wandern und hatte ein traumhaften Blick auf das Neckartal. Da Fotos mehr als tausend Worte sagen, lass ich sie einfach für mich sprechen. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos vom mystischen Heiligenberg. 🙂

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