Die Thomaskirche: Wirkungs- und letzte Ruhestätte von Johann Sebastian Bach

Isabella Müller Leipzig @isabella_muenchen

Die Thomaskirche in Leipzig ist die erste Adresse für waschechte Fans des legendären Komponisten Johann Sebastian Bach. Die Kirche im Herzen Leipzigs geht auf einen sakralen Bau im romanischen Stil von 1212 zurück. Ihr heutiges Aussehen verdankt sie einer Umgestaltung als spätgotische Hallenkirche in den Jahren von 1492 bis 1496. Eine Renovierung des Kirchenraums im neugotischen Stil erfolgte zwischen 1884 bis 1889. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands fand eine vollständige Restaurierung statt, die am 250. Todestag von Johann Sebastian Bach am 28. Juli 2000 abgeschlossen wurde. Ich war sehr gespannt auf die Besichtigung dieser Kirche, die 27 Jahre lang die Wirkungsstätte von Bach als Thomaskantor war. In ihr wurde auch 200 Jahre nach Bachs Tod, die damals im Johannisfriedhof bestatteten Gebeine im Chorraum beigesetzt. Die Thomaskirche mit einer Länge von 76 Metern ist ein beeindruckendes sakrales Gebäude, das an seiner Westfassade ein wunderschönes Portal besitzt. Dieses wurde von Constantin Lipsius im Zuge der neugotischen Umgestaltung der Kirche anlässlich des 200. Geburtstags von Felix Mendelssohn Bartholdy nach ihm benannt. Das sogenannte Mendelssohn-Portal ist genauso bemerkenswert wie der 60 Meter hohe Turm der Thomaskirche, der sein heutiges Aussehen Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt. Der Turm beherbergt vier Glocken, wobei die älteste, die „Gloriosa“, aus dem Jahr 1477 stammt. Im achteckigen Aufbau des Turms befindet sich auch die dreigeschossige Türmerwohnung, in der bis 1917 der Türmer mit seiner Familie wohnte. Die Aufgabe des Türmers bestand darin alle 15 Minuten die Glocken zu läuten und nach Feuer Ausschau zu halten. Neben dem Turm sticht der Dachstuhl besonders ins Auge, der zu den steilsten Giebeldächern Deutschlands zählt und mit einer Firsthöhe von 45 Metern den spätgotischen Hallenbau der Thomaskirche überragt. Der siebengeschossige Dachstuhl stammt aus dem Jahr 1496 und weist einen Neigungswinkel von 63 Grad auf. Beim Betreten des Kirchenraums stach mir der neugotische Jesus-Altar, der 1888 ebenso wie das Mendelssohn-Portal nach dem Entwurf von Constantin Lipsius angefertigt wurde, sofort ins Auge. Darüber hinaus sind die Fenster der Thomaskirche von besonderer Bedeutung. Neben dem Thomas-Fenster, das im Jahr 2000 für das im Krieg zerstörte Himmelfahrtsfenster eingebaut wurde und dem Namenspatron, dem Jünger Thomas gewidmet ist, gibt es auch das Bach-, das Mendelssohn- und das Friedens-Fenster. Das Bach-Fenster an der Südseite des gotischen Langhauses mit dem Bach-Porträt wurde 1895 vermutlich von Carl de Bouché gestaltet. Das Mendelssohn-Fenster wurde zum 150. Todestag von Felix Mendelssohn-Bartholdy von Hans Gottfried von Stockhausen angefertigt. Das Friedens-Fenster wurde zum 20-jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution am 11. Oktober 2009 nach dem Entwurf von David Scholl eingeweiht. Ein weiteres Glanzstück neben der Bach-Orgel auf der Nordempore, die von Gerald Woehl gebaut wurde und über 61 Register auf 4 Manualen und einem Pedal, einem Zimbelstern und ein Glockenspiel verfügt, ist der Taufstein aus Marmor und Alabaster. Dieser befindet sich in der Mitte des Chorraumes und wurde in den Jahren von 1614 bis 1615 geschaffen. Seine Reliefs stellen vier biblische Geschichten dar. An diesem Taufstein wurde schon Karl Liebknecht, Richard Wagner und die 11 Kinder von Johann Sebastian Bach getauft. Bis heute erhalten dort viele Menschen das Sakrament der Taufe. Eines der meist fotografierten Sehenswürdigkeiten der Kirche ist zweifelsohne das Bach-Grab. Darüber hinaus ist auch die Petzoldt-Sakristei sehr sehenswert, die eine Dauerausstellung mit zwei Hofmann-Geigen aus der Bachzeit, einige original Taufzettel der Kinder von Bach und das Hausabendmahlgerät zeigt. Ein weiterer Eyecatcher ist die neugotische Kanzel, die 1885 aus Kalkstein geschaffen wurde und an ihrer Wandung vier Symbolbilder der vier Evangelisten zeigt. Ursprünglich reichte der hölzerne Kanzeldeckel bis zum Rippenansatz des Gewölbes. Dieser wurde 1965 entfernt und erst wieder im Jahr 2000 aufgebaut. Die ursprüngliche Kanzel, auf der Martin Luther 1539 predigte, ist nicht erhalten. Neben der Bach-Orgel konnte ich auch die spätromantische Sauer-Orgel bewundern, die 1889 von Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder gebaut wurde. Diese Orgel verfügt über 88 klingende Stimmen und hat über 6.000 Pfeifen. Ich war begeistert von meiner Besichtigung der Thomaskirche, die eines der Wahrzeichen Leipzig ist und nicht nur für Bach-Fans ein absolutes Muss bei einem Leipzig-Besuch ist. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der prächtigen Thomaskirche im Herzen der Leipziger Altstadt. 🙂

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